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ÜBERBLICK ÜBER DEN BEFRAGTEN PERSONENKREIS
Altersstruktur, Status, Bildung, Erwerbstätigkeit.
ZWISCHEN NORM UND UNTERGANG
Die Frage nach der Normalität ist ein sehr altes Menschheitsproblem.
Sexualnormen sind immer auch im Verhältnis zu dem Gesamtgefüge der
jeweiligen Kultur zu sehen. Ist daraus zu folgern, dass die
Beziehungskatastrophen immer gleichzeitig auch die Erschütterung
unserer Gesellschaft als kulturelle Gemeinschaft signalisieren?
EIDECHSENHIRN UND ROSENKAVALIER
Darwin konnte bereits beweisen: Die grundlegenden Gefühle aller
Menschen sind gleich und sie bringen diese mit den gleichen Minen,
Posen und Gesten zum Ausdruck. Flirtanbahnung, Flirt und Kennenlernen
sind nicht Sache des Willens.
VON DER ILLUSION, IM DORFTEICH DEN THUNFISCH ZU ANGELN
Stets suchen wir so ungefähr unseresgleichen und werden auch meist
nur von unseresgleichen angesprochen. Nur selten bekommt der
zuverlässige und treue, nichtrauchende Bäckergeselle einen
Multimillionär zum Schwiegervater.
DAS RENDEZVOUS ALS OPERATIVER VERWALTUNGSAKT
Die oft kolportierte Ansicht, dass Frauen sich zieren und deshalb zum
ersten Kuss und dann besonders zum Geschlechtsverkehr mit sanfter
Gewalt überredet werden müssen, ist männliches und dummes
Stammtischgeschwätz.
ZWISCHEN WOHNTOILETTE MIT ZENTRALHEIZUNG UND DEM UNGEHÖRTEN RUF NACH
EINEM LIEBEVOLLEN PARTNER
Der Beziehungsinfarkt ist heute zumindest genau so strukturell
verbreitet wie der Stau im Straßenverkehr. Erst dann, wenn Sie jeden
Tag der Woche ihr Kind zu einer anderen Frau bringen könnten, wäre
Ihr soziales Umfeld in Ordnung.
»NIMM MICH?«
In den Phantasien der Männer sind die Lustobjekte beim Onanieren
meist gesichtsarm. Die Frau wird in Medien- und Werbebotschaften dem
Mann als ein immer bereites, stets lockendes, schwanzgeiles
Konsummonster präsentiert. Das Vermögen der Frau stellt sich auch
heute immer noch nicht als das Kapital an Wissen, Intelligenz und
Können dar.
SCHWACH, LAHM, TREU UND SCHÖN
Wenn es zutrifft, die Frau möge mehr treu als intelligent sein, so
ist im Umkehrschluss, beim Mann eher eine Angst, verlassen zu werden
zu vermuten, als die Angst, einen dummen Menschen an seiner Seite zu
haben.
EIN KNICK DER ERNÜCHTERUNG
Der biologisch-hormonelle Prozess des Verliebtseins ist unabhängig
von unserem rationalen Denkvermögen. Seine Fortdauer ist von uns
nicht berechenbar, seine Intensität kann uns ein Leben lang
verzaubern oder uns vernichten.
DAS RAMMLER-SYNDROM
»Er streichelte meine Brüste durch mein Unterhemd, zerrte seine Hose
auf, meinen Schlüpfer herunter und drückte sein prall stehendes
Glied in meine Scheide. Ich schrie auf, denn es ging mir jetzt doch
ein bisschen zu schnell und es tat mir weh.«
ZWISCHEN RESIGNATION UND FUNKTIONALITÄT
Die neutestamentarische »Gottesmutter« Maria ist das wohl
bekannteste Beispiel dafür, wie Mutterschaft und Sexualität sich im
Bewusstsein der Menschen spalten. »Aber hinlegen musst du dich doch
und da sein.« sagte uns eine 78jährige Münchener Schneiderin.
WUNDERGLAUBEN UND SELBSTÜBERSCHÄTZUNG
Die beispielhaften wörtlichen Zitate skizzieren 63% der Antworten.
Erwachsenen Männern auf den Mund geschaut, und man hat den Eindruck,
man wäre in einer Kindergartenveranstaltung.
SEXUELLES INTERESSE DER FRAU IN FESTER PARTNERSCHAFT
Die Rezepte herkömmlicher Partnerschafts-, und Eheberatung müssten
neu geschrieben werden.
MIT VERNUNFT UND OHNE GNADE
Der Platz, der einer Frau in dieser Gesellschaft zugewiesen wird
oder
der für sie übrig bleibt, ist meist der Höhlenplatz. Männer
spielen die Platzanweiser. Wie viel Dummheit ist eigentlich noch
schmerzfrei? Frauen brauchen keine Gesetze, die ihnen zubilligen, bei
50% aller Wettkämpfe siegen zu dürfen. Wollen wir Gleichstellung, so
erfordert dies keine, wie auch immer inszenierten Kampfspiele.
DAS RISIKO GESCHLECHTSVERKEHR
Noch nie wurde die mitmenschliche Komponente des
Lustempfindens in das
Aufklärungsgeschehen einbezogen.
DIE MÄRCHEN
Wer kann schon ahnen, dass das, was oft angestrebt wird - der vaginale
Orgasmus - nur in der Phantasie einiger Schreiber vorhanden ist. Der
Geschlechtsverkehr darf nicht länger Objekt männlicher Journalistik
oder das Versatzstück gescheiterter Literaten sein.
SELBSTERFAHRUNG, MASTURBATION, WOLLUST
Endlich kann man verspüren, was so oft versagt blieb. Bald schon
bröckeln die eigenen Ideale. Die Trugbilder verschwinden und die
gerade angefangene Schlankheitskur wird zur Nebensächlichkeit.
WENN EVA DANN DEN APFEL ISST...
Noch ist jede Zelle ihres Körpers geprägt von den bisherigen
Erfahrungen: Gewalt, Vergewaltigung, Entwürdigung, Lieblosigkeit und
die unbefriedigten Kopulationen der Vergangenheit.
PERSPEKTIVE
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Manchmal scheint es mir, dass sich seit den Riten
der Steinzeitmenschen im Verhältnis Mann/Frau nur wenig getan hat.
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Erst im Siebenten Himmel, dann die Hölle auf Erden: Für viele Frauen
enden Partnerschaften im emotionalen Desaster. Die
himmelhochjauchzende Liebe mutiert zu einer lustfeindlichen und
lieblosen Versorgungsgemeinschaft für die gemeinsamen Kinder.
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Der Weg in die Katastrophe ist in vielen Partnerschaften
vorgezeichnet.
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Frauen, die sich nach Zärtlichkeit, Anerkennung und Erfüllung
sehnen, werden immer wieder bitter enttäuscht.
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Ihre Männer treten als Eroberer auf, die mit möglichst wenig Energie
und Einsatz zum Erfolg kommen wollen. Erfolg heißt für sie: Eigene
sexuelle Befriedigung, eigene gesellschaftliche Reputation auf Kosten
der Frau.
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In Sachen Sexualität häufen sich bereits Bücher und Ratgeber in
riesigen Regalen. Ich will diese Ansammlungen um keinen einzigen
Zentimeter verlängern. Mir scheint, dass man weithin annimmt, Sex
wäre unkompliziert, man müsse sich nur von seinen eigenen
Bedürfnissen leiten lassen. Dem wäre nicht zu widersprechen, hätten
Mann und Frau diese Chance. Während Männer sich von ihren
Bedürfnissen seit jeher leiten lassen, haben Frauen meist gar nicht
die Möglichkeit hier gleichzuziehen.
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Warum sollte dies auch in einer Gesellschaft, in der sich die
Disparität zwischen den Geschlechtern in allen Bereichen des sozialen
Lebens widerspiegelt, gerade auf dem Gebiet der geschlechtlichen Liebe
anders sein?
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Sexualität als zwischenmenschliche Beziehung, wie dies Helmut
Gollwitzer einmal treffend formulierte, sollte Menschen als Menschen
zusammen bringen und nicht nur als Dinge.
Sieht sich jedoch die eine Hälfte der Menschen als Sexualobjekt
definiert, während die andere Hälfte Karriere macht, so wird das
Desaster deutlich.
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Die zwischenmenschlichen Beziehungen werden zu Machtbeziehungen. Das
Bett wird zum verdunkelten Exerzierplatz männlichen Dominanzstrebens.
Was ihn als stark, mächtig und kraftvoll erscheinen lässt, ist für
sie schlichtweg frustrierend.
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Ist es den Frauen zu verübeln, machen sie ihre »kraftvollen Helden«
zu Popanzen ihrer erstklassigen schauspielerischen Vorstellungen oder
wehren seine Begierden ab, indem sie Kopfschmerzen und Unwohlsein
vorschützen? Ich denke, nein.
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Wenn Freiheit, die Freiheit des Andersdenkenden ist, ist sexuelle
Freiheit, immer auch die Freiheit NEIN sagen zu können.
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Das haben wir übersehen, als wir begeistert die neue Zeit
begrüßten. Eine Zeit, die Abschied nahm von der verteufelten Lust,
der Angst vor der ungewollten Schwangerschaft, der sittsam gekleideten
Frau am Badestrand. Der Scheinheiligkeit frommer Sprüche folgte aber
nicht, wie oft angenommen wird, das gleichberechtigte offene Gespräch
über eigene Träume, Wünsche und eigenes Verlangen, sondern es
folgte die offene Vermarktung der Dinge. Und diese Dinge heißen
Frauen! Ihre Körper, ihre Schönheit, ihre Sexualität eigneten sich
vorzüglich, sie höchst erfolgreich zu vermarkten. Nicht das Dasein
des Anderen wird zur Bedingung des Glücks, wie Gollwitzer über die
Sexualität weiter ausführte, sondern das Ding an sich ist Mittel zum
Glück.
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Kein Wunder, wenn Männer oftmals keinerlei Handlungsbedarf erkennen
können. Träumen sie doch von diesen wunderbaren Geschöpfen, die
ihnen gesichtslos und austauschbar zu Diensten sind. Die »eigene
Frau« entspricht zwar nicht diesem Ideal, doch wem wäre es zu
verübeln, wünschte er nicht insgeheim die Erfüllung seiner Träume
mit der Schönheit von nebenan? Hat sie nicht alles das, was er in
seiner jetzigen Beziehung vermisst? Oder ist sie, diese Schönheit,
auch wieder nur ein Mensch, wie seine eigene Frau?
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Die richtige Fragestellung impliziert die richtige Antwort. Ich musste
zu meinem großen Bedauern feststellen, dass die wenigsten Männer in
der Lage waren, an dieser Stelle unvoreingenommen zu reflektieren. Zu
groß ist die derzeitige Indoktrination des Sexistischen. So bleiben
Männer mehrheitlich so lange unfähig, Frauen glücklich zu machen,
solange frau sich dies gefallen lässt.
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Ich selbst bin der festen Überzeugung, dass Sexualnorm,
Partnerschaft, Ehe und Familie nur zum geringen Teil instinktive
Reflexionen biologischer Determinanten sind. Vielmehr überzeichnet
unsere disparitätische gesellschaftliche Darstellung der
Geschlechterrollen jede natürliche Ziselierung zum Affront gegen die
Frau.
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Mein Ziel war es, Sexualität von Mann und Frau im Kontext
gesellschaftlichen Daseins zu betrachten. Die Mosaiksteine
lehrreicher, interessanter Einzelfälle sollten in eine
allgemeingültigere gesellschaftliche Norm eingebettet werden. Es ging
mir mehr um die Muster, als um die Ausnahmen. Umfangreiche
statistische Erhebungen waren notwendig. Für mich als Ehe- und
Partnerschaftsberater keine leichte Aufgabe - allein und auf mich
gestellt, quasi nicht zu bewerkstelligen.
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Hätte ich nur, wie mir oft empfohlen, die markanten Schicksale aus
meiner täglichen Praxis aufgeschrieben und geschildert, so würde mir
jetzt vorgeworfen, aus der zugestandenen Desorientierung von wenigen
Frauen, unzulässig zu verallgemeinern. Heute bin ich froh, diesem
Drängen nicht nachgegeben zu haben und mich der manchmal mühevollen
Arbeit innerhalb eines Teams von Mitarbeitern, Redakteuren und
hilfreichen Menschen gewidmet zu haben, ohne die dieses Buch nicht
hätte entstehen können. So bin ich der Auffassung, dass wir es
gemeinsam geschafft haben, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten,
indem sich der Einzelne vielleicht wiedererkennt. Die Herrschaft der
kräftigen Herren ist nämlich nicht männlich, sondern eher
bemitleidenswert.
Überblick
über den befragten Personenkreis
(Auszug)
Befragte Personen gesamt: 1.289
(davon haben die Befragung abgebrochen 76)
verbleiben: 1.213
davon Frauen
absolut 703
in % 57,96
Männer
absolut 510
in % 42,04
Altersstruktur
18-25 Jahre
140 Frauen = 19,91%
91 Männer = 17,84%
25-45 Jahre
295 Frauen = 41,96%
188 Männer = 36,86%
45-65 Jahre
268 Frauen = 38,12 %
231 Männer = 45,29%
Bildung
ohne Ausbildung
133 Frauen = 18,92%
61 Männer = 11,96%
Facharbeiter
500 Frauen = 71,12%
345 Männer = 67,65%
Selbständige
28 Frauen = 3,98%
63 Männer = 12,35%
Akademiker
42 Frauen = 5,97%
41 Männer = 8,04%
Wir befragten Frauen: "Sie sind oder waren kurzfristig mit einem
Mann zusammen, haben ihn jedoch nicht geliebt, welche Gründe hatte dies
oder könnte dies gehabt haben?"
Ich war über meinen Partner verärgert: 46%
Ich war allein, einsam: 35%
Ich war in ausgelassener Stimmung: 19%
Ich war neugierig, wie er als Liebhaber ist: 8%
Ich dachte zuerst, ich liebte ihn: 27%
Ich wusste nicht, ob ich ihn liebte: 18%
Ich suchte nach sexueller Befriedigung: 05%
Andere Gründe: 19%
(Überschreiten der 100% Grenze durch Mehrfachnennung)
Unsere Frage an die Männer: "Sie sind oder waren kurzfristig mit
einer Frau zusammen, haben sie jedoch nicht geliebt, welche Gründe hatte
dies oder könnte dies gehabt haben?"
Wir bekamen wir im vorgegebenen Raster, folgende Antworten:
Ich war über meine Partnerin verärgert: 23%
Ich war allein, einsam: 32%
Ich war in ausgelassener Stimmung: 48%
Ich war neugierig, wie sie im Bett ist: 35%
Ich dachte zuerst, ich liebte sie: 43%
Ich wusste nicht, ob ich sie liebte: 04%
Ich suchte nach sexueller Befriedigung: 87%
Andere Gründe: 09%
(Überschreiten der 100% Grenze durch Mehrfachnennung)
Auf die Frage: "Stimmen Sie der These zu, dass für Frauen sexuelle
Befriedigung nicht so wichtig ist, als dies bei Männern der Fall
ist?" antworteten die Männer wie folgt:
Ja, ich stimme dieser These zu. 74%
Nein, diese These ist eindeutig falsch. 19%
Diese Frage kann/will ich nicht beantworten. 07%
Eine ähnliche Gewichtung (+/- 8%) bekamen wir, stellten wir die obige
Frage an Frauen.
Viele Frauen glauben deshalb tatsächlich, dass ein Orgasmus oder
überhaupt Sexualität im Leben der Frau nicht die entscheidende Rolle zu
spielen habe wie im Leben eines Mannes.
Fragten wir jedoch die Frauen:
"Unabhängig von Ihren gemachten Erfahrungen, unabhängig von Ihrer
derzeitigen Partnerschaft: Würde Sie die Vorstellung, Sie haben einen
Partner, der im Bett sehr liebevoll ist, und Sie immer sexuell
befriedigt..."
...sehr glücklich machen? 83%
...glücklich machen? 10%
...nicht berühren? 01%
Keine Antwort 06%
Die Täuschung, dass Frauen sexuell weniger stark befriedigt sein wollen
als Männer, ist danach ebenfalls in die Reihe der patriarchalischen
Märchen und Vorurteile einzuordnen.
Wir fragten: "Unabhängig von Ihrem sonstigen sexuellen Harmonieren
innerhalb Ihrer Partnerschaft - erreichten Sie, als Sie das letzte Mal
sexuell verkehrten, einen Orgasmus?"
Es wurde wie folgt geantwortet:
Ja 32%
Nein 54%
Keine Angaben 14%
Wir fragten weiter: "Erreichen Sie bei Ihrem derzeitigen festen
Partner - und wenn Sie derzeit alleine leben, erreichten Sie bei Ihrem
letzten festen Partner - beim sexuellen Verkehr einen Orgasmus?" Zu
folgenden Antwortmöglichkeiten erhielten wir diese Angaben:
Ja, immer 7%
Ja, meistens (überwiegend) 14%
Bei jedem zweiten bis dritten Mal 20%
Selten 21%
Nein, nie 30%
Keine Angaben 8%
Des weiteren fragten wir: "Nehmen Sie an, Sie lernen einen
sympathischen Mann kennen, der zu Ihnen passen würde. Unabhängig von
Ihrer Einstellung zu Treue und Moral, bitten wir um Ihre Einschätzung,
wie wahrscheinlich es wäre, dass Sie mit diesem Mann beim ersten
Geschlechtsverkehr zum Orgasmus kommen könnten."
Die vorgegebenen Antworten erreichten folgende Häufigkeiten:
Mit großer Wahrscheinlichkeit
würde ich zum Orgasmus kommen. 3%
Das kommt darauf an! Die Chancen
stehen 50 zu 50. 32%
Ich glaube, das ist fast ausgeschlossen. 41%
Mit Sicherheit nicht. 13%
Keine Angaben. 11%
Wie zu vermuten ist, würde sich der Ablauf eines Geschlechtsverkehrs zu
über 99% im Orgasmus entladen, hätte man Männer befragt. Während diese
also wie selbstverständlich zu ihrem Höhepunkt - ihrer sexuellen
Erfüllung - kommen, ist dies bei Frauen alles andere als die Regel.
Männer, die von der Frau von vornherein dazu gedrängt werden, sich nicht
zu kümmern und zu bemühen, sind in einer für sie meist ausweglos
erscheinenden Situation. Männer, die von Beginn ihrer Beziehung an
belogen werden, sind ebenfalls nicht zu beneiden. Obwohl wir sicher sind,
dass der weiter unten skizzierte Mann sich zumindest in dieser
Angelegenheit nichts vormachen lässt.
So fragten wir auch grundsätzlich: "Glauben Sie, dass Sie in der
Lage sind, eine Frau sexuell glücklich zu machen?"
88% ja, natürlich.
11% das vermag ich nicht einzuschätzen
1% keine Angaben
Viel Selbstzweifel sind da nicht festzustellen. Wir fragten an anderer
Stelle: "Unserer Befragung von Frauen ergab: 54% von ihnen erlangten
bei ihrem letzten Geschlechtsverkehr keine Befriedigung. Was nehmen Sie
an, wie Ihre Frau/Freundin auf eine entsprechende Frage antworten
würden?"
Und das waren die Antworten: 61%: Meine Frau/Freundin hätte keinen Grund,
sich zu beschweren. 25%: Meine Frau/Freundin hat da so ihre Probleme. 14%:
Da bin ich mir nicht sicher.
Das war überraschend. Waren wenige Minuten davor noch 88% der selben
Männer der Ansicht, dass sie in der Lage wären, eine Frau sexuell
glücklich zu machen, hatte nun 39% so ihre Zweifel. Offenbar wurde die
erste diesbezügliche Frage eher generalisierend verstanden, die eigene
derzeitige Partnerin wurde in das Glücklichmachen wohl nicht immer
einbezogen.
So wollten wir nicht ganz ohne Hinterlist folgendes wissen: "Es wird
immer wieder vom sogenannten Quicki gesprochen. Dabei handelt es sich um
das spontane und schnelle Ausführen des Geschlechtsverkehrs zu
ungewohnten Zeiten bzw. an Orten an denen man sich beeilen muss. Das
hieße also, mit der Frau beispielsweise zu verkehren:
( im Stehen an der Küchenspüle
( von hinten während sie die Betten macht
( im fahrenden Fahrstuhl bis zur oberen Etage
( im Toilettenvorraum eines Hotels
( im WC eines Intercity-Zuges
Ist dies für Sie reizvoll, und wenn ja, glauben Sie, dass eine Frau
diesen Quicki genauso lustvoll und vollends befriedigend findet, wie ein
Mann?"
Die Antworten, die wir bekamen: "Natürlich, Frauen finden dies
besonders schön. Das ist gerade das, was Frauen reizt. Eine Frau kann
doch immer." Nur 26% der Männer bezweifelten, dass Frauen damit
gedient wäre oder differenzierten die skizzierte Romanze und waren sich
der ausbeutenden Situation bewusst.
Die sogenannte Gegenprobe hatten wir zu diesem Zeitpunkt bereits in der
Tasche. Frauen ohne festen Partner hatten uns nämlich übereinstimmend
versichert, dass der Mann, der zumindest nach dem Verkehr fragte:
"Hattest du einen Orgasmus?" die große Ausnahme ist. Die von
uns gehörte Antwort, ich glaube schon, war im wahrsten Sinne des Wortes
ehrlich. Wer nichts weiß, weil er nicht fragt, muss glauben.
Konrad W. Sprai: Liebe, Lust, Frust.
Titelfoto: Copyright (c) by Sabine Lubenow.
Copyright (c) 1995 by Holzinger Verlag, Berlin.
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