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»Börsenstrategien zwischen Wunder,
Wahn & Aberglauben«

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Gerald Archangeli, Kurt Kowalsky:
Börsenstrategien zwischen Wunder, Wahn & Aberglauben
©2010, 256 Seiten. - broschiert - 14,7 x 20,8 cm
 

ISBN-13: 978-3-926396-60-0
ISBN-10: 3-926396-60-1
 

17,90 Euro

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»Wer die Menschen betrügen will, muss vor allen Dingen das Absurde plausibel machen.«

Johann Wolfgang von Goethe

 

»Dieses Buch ist eine Drohung«, schreiben die Autoren und appellieren eindringlich, den Verstand nicht an der Garderobe abzugeben.

Der Autor und studierte Betriebswirt Gerald Archangeli (40) ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Conrad-Stiftung und Mitglied des Präsidium der IHK Berlin.

Der Herausgeber und Co-Autor Kurt Kowalsky (57) ist Publizist und Anlageberater. Seine mehr als 30-jährige Börsenerfahrung war  Grundlage für diese und zahlreiche andere Publikationen. Beide leben in Berlin...

Lesen Sie hier über die Entstehung des Buches und die Zusammenarbeit der Autoren den entsprechenden Auszug:

 

Die Schweinehälftenträger

 Als wir uns vor etwa zehn Jahren kennen gelernt haben, saß Kowalsky im Café und ich befürchtete, dass der mürrisch dreinschauende Mensch der Kunde wäre, mit dem ich mich verabredete hatte. Dem war nicht so. Aber mein Kunde hatte mich trotzdem versetzt und ich blickte gehetzt auf die Uhr.

Ich kann heute nicht mehr genau sagen, wie wir ins Gespräch kamen, aber es endete mit dem Austausch der Visitenkarten. Auf meiner stand das Übliche, auf seiner nur »Kurt Kowalsky« und die Telefonnummer. Ähnlich prägnant war sein Ausdruck, mit dem er die Dinge aus ungewöhnlicher Perspektive beschrieb und beurteilte. Es war klar, ein meist frohgelaunter Optimist hatte einen mürrischen Realisten getroffen.

Irgendwann lud Kowalsky mich zu einem Rundflug über die Mark Brandenburg ein und obwohl er von sich behauptete, ein katastrophaler, chaotischer Pilot zu sein, hatte ich das Gefühl, dass ich noch nie so sicher geflogen war.

Was abstürzte, war 2000 die Börse. Kowalsky blieb ungerührt und gab mir einen Artikel, in dem er satirisch und mit bissiger Ironie schrieb, die Aktie der Deutschen Telekom wäre »nichts wert«. Aber der Staat hätte ja sein Ziel erreicht und auf Kosten der Sparer seine löchrigen Taschen gefüllt. Damals notierte der Kurs über 65 Euro und ich konnte nur den Kopf schütteln. Hatte ich doch von allen Seiten die rosigen Perspektiven gehört, mit denen man die Liberalisierung am Telekommunikationsmarkt verband.

2002 hatte ich verstanden, dass sich wohl meine Sicht der Dinge und erfolgreiche Börsengeschäfte schlecht vertrugen. Die besagte Aktie notierte irgendwo bei neun Euro.

Irgendwann trafen wir uns wieder einmal zum Essen. Ich erzählte ihm ein paar Neuigkeiten, war wie immer voller Zuversicht und quälte ihm ein schräges Lächeln ab. Als ich ihn fragte, in welche Aktien ich seiner Meinung investieren solle, verschwand das Lächeln sofort wieder. Schneidend scharf schoss es aus ihm heraus: »Archangeli, lassen Sie die Finger von der Börse!«

»Nein, nein«, winkte ich ab, »ich würde nur auf Ihre Empfehlung kaufen. Sie sind der Profi!«

»Quatsch!«, murrte er und stieß sein Steakmesser in das servierte Fleisch, »es gibt keine Profis an der Börse. Es gibt Schmarotzer, Idioten, Dummköpfe und Schweinehälftenträger.«

»Und was sind Sie?«

»Ich bin ein Spekulant«, sagte er mit vollem Mund, »ich habe mit 18 Jahren meinen ersten Mercedes gekauft. Er war für 1.000 DM inseriert und ich ging jeden Tag vorbei und fragte, ob es sich der Verkäufer überlegt hätte. Nach einem Monat hatte ich das Auto...«

»Warum nicht sofort?«, verstand ich nicht.

»Weil ich es für 300 haben wollte.«

»Und so weit konnten Sie den Verkäufer herunter handeln?«, fragte ich ungläubig.

Kowalsky schüttelte den Kopf. »Ich habe überhaupt nicht gehandelt. Ich sagte nur immer meine Preisvorstellung und wartete ab. Nach einem Monat war er mürbe und ging auf 600 runter. Irgendwo glaubte der Verkäufer, dass es fair wäre, sich zwischen seinen 1.000 und meinen 300 auf 600 zu einigen. Für 500 war der Wagen dann mein. So entstehen Werte und Preise. Im Kopf, wohlgemerkt. Mit der Mercedes-Limousine hatte das nicht das Geringste zu tun. Und das ist Börse. Nach einem Jahr verkaufte ich den Wagen wieder. Und zwar für die Tausend, die er ursprünglich kosten sollte. Das ist auch Börse.

Obwohl ich meinem Herrn Vater damals 2.000 DM aus den Rippen geschnitten hatte, hatte ich das sofort vergessen. Auch das ist Börse. Glauben Sie nie, etwas haben zu müssen, nur weil Sie es sich zufällig leisten können.«

An der richtigen Börse fing Kowalsky mit 23 zu spekulieren an. Seine erste »Aktien« waren Verkaufsoptionen. Und als diese Spekulation aufging, kaufte er mit dem Profit 30 gebrauchte Farbfernsehgeräte.

»Das waren damals diese dicken Dinger aus der ersten oder zweiten Generation«, erzählte er mir. »Der Ladenbesitzer hatte alle fein säuberlich in seinem Geschäft präsentiert. Das eine Gerät kostete gebraucht 290, das zweite 330 usw. Ich betrat den Laden und fragte den misstrauischen Mann, warum die ganzen Dinger unterschiedliche Preise hätten.

Er lachte und meinte, es wären ja auch unterschiedliche Geräte. Nach einer halben Stunde war ich mit ihm einig und kaufte ihm alle Geräte für 9.000 ab. Meine Bedingung war, dass ich die Fernseher noch zwei Tage im Laden stehen lassen durfte. Das war für ihn ja von Vorteil, denn sonst hätten die Kunden nur noch die leeren Regal bestaunen können. Dann fuhr ich nach Hause, telefonierte alle, die ich irgendwoher kannte, an und bot ihnen tolle, fast neue Fernsehgeräte zum Superschnäppchenpreis von 600 DM an. So eine Gelegenheit wollte sich niemand entgehen lassen, denn ich gab noch ein Jahr Garantie darauf.

Auch das ist Börse. Nur, Archangeli, mit dem Unterschied, dass Sie bei Waren Ihre eigene Geschichte dazu erzählen müssen, um den Dingen den Wert zu geben. An der Börse erzählen die Geschichten die anderen.«

Das leuchtete mir ein. Nur auf welche Geschichten sollte man an der Börse hören?

Kowalsky grinste: »So lange sie Geschichten erzählen, wollen sie alle ihre Papiere verkaufen. Wenn sie ruhig werden, resignieren, wenn nur noch die Aktien haben, die nicht aus dem Fenster gesprungen sind; dann haben die großen Spekulanten, die nicht in der Presse herumgereicht werden, die Guten im Geschäft die Aktien. Dann müssen Sie kaufen! Aber nur Papiere von großen, seriösen und gesunden Unternehmen. Und nur mit Geld, das Sie nicht benötigen. Wenn also die Bankangestellten die Schweinehälften austragen, dann ist das ein guter Zeitpunkt.«

»Eigentlich ganz einfach«, sagte ich damals. Als Kowalsky allerdings auf dem Höhepunkt der letzten Finanzkrise Bankaktien kaufte und plötzlich wie ein Honigkuchenpferd strahlte, wusste ich, dass so ein Spekulant recht einsam war.

»Hundert Prozent«, grinste er schräg, als wir Redaktionsschluss für dieses Buch hatten, »sind an der Börse kein großes Problem.«

»Ja, ja«, maulte ich, »drei Jahre habe ich gebraucht, um Ihnen klar zu machen, dass wir dieses Buch schreiben sollten. Was denken Sie, wie viele Leute jetzt wieder ihr Geld verloren haben, weil Typen wie Sie nur schräg grinsen, anstatt aufzuklären. Jeder zweite, den ich treffe«, schimpfte ich, »hat sich mit der Börse eine blutige Nase geholt. Weil sich solche Typen wie Sie entspannt zurücklehnen und weise lächeln.«

»Pah«, machte er, »niemand verliert nur einen Euro weniger, nur weil wir zwei ein Buch geschrieben haben. Eine Mischung aus Gier, Neid, falscher Beratung und Wunderglauben ist eben schlecht für die eigene Vermögensbildung.« Dann grinste er unverschämt und murmelte kaum verständlich: »Ein eigenes Flugzeug und ein dicker Sportwagen aber auch.«

Ich lachte: »Im Buch klingt das aber anders. Erzählen Sie wenigstens noch die Geschichte mit dem Schweinehälftenträger.«

»Tja, die Sache fing eigentlich so an, dass mir mein Herr Vater am Frühstückstisch irgendwann erklärt hatte, dass es Leute geben würde, die ihr Geld nur mit den »kleinen Zahlen aus der Zeitung« verdienten. Dabei hatte er mit dem Finger auf den Börsenspiegel in der Tageszeitung gezeigt und war etwas desorientiert darüber gefahren. Und derartige Unschärfen prägen kleine Jungs viel stärker als jede Ermahnung, tüchtig, fleißig, pünktlich und was weiß ich zu sein.

Als ich 23 war, starb mein Herr Papa überraschend. Und immer, wenn ich diesen Bankangestellten in meiner Bank unter dem Schild Wertpapierberatung sah, fielen mir Vaters »kleine Zahlen« wieder ein. Während ich morgens um 11 Uhr im Café saß, hatte der Bankmensch schon zwei Stunden gearbeitet. Also war mir klar, vom Börsenspiegel lesen konnte der nicht leben. Ich auch nicht. Aber ich war ja auch noch »Student«. Hätte allerdings Mutter gewusst, was der Junge so trieb, hätte sie sicher unangenehme Fragen gestellt.

Da saß ich also im Caféhaus, las den Börsenspiegel vom Vortag, fühlte mich wichtig und war der Überzeugung, dass ich das System hinter den »kleinen Zahlen« zu meinen Gunsten irgendwann nutzen konnte.

Eines Morgens, die Bedienung hatte mir eben die Rühreier mit Schinken gebracht, lud einer vor dem Café Schweinehälften von einem Lastwagen. »Das arme Schwein«, dachte ich noch, ohne mich bewusst entschieden zu haben, ob ich damit die tote Sau oder den Arbeiter meinte. Letzterer lächelte etwas verlegen, nickte mir zu und grüßte, soweit das unter der Last des halben Tieres möglich war. Jetzt erst erkannte ich ihn: Es war der Bankmensch, den ich an seinem Schreibtisch unter dem Schild »Wertpapierberatung«[1] wähnte.

Es ist unwichtig, warum dieser Mann gerade diese Entscheidung getroffen hatte oder treffen musste. Jedenfalls hatte ich mein Geld nicht auf den Rat eines Schweinehälftenträgers angelegt. Denn das Geschäft mit den Verkaufsoptionen war auf meinem Mist gewachsen.

Und jetzt denken Sie einmal darüber nach, auf welchen Rat Sie sich angewiesen fühlen und ob Sie einem Ratgeber auch dann noch Glauben schenken, arbeitete er mit einer Gummischürze auf dem Schlachthof.«

 

*

 

So war das, liebe Leserinnen und Leser. Mein Co-Autor wollte nicht mit Bild auf das Buch-Cover. Er meinte, irgendwo schaute der kleine Gauner aus dem eigenen Spiegel zurück, ginge es um den eigenen Vorteil. Man möchte sich nicht auf Autoren konzentrieren, sondern auf Inhalte. Steuerfreie, maximale Rendite ohne Risiko wäre das klammheimliche Ziel der Anleger. Kollabierten alsbald derartige Ziele am immanenten Widerspruch, reagierten alle mit Empörung.

Hätte man damals den Träger des Bundesverdienstkreuzes Klaus Zumwinkel vor seinem Haus standrechtlich ans Kreuz geschlagen, das Volk wäre in seiner Selbstgerechtigkeit aus dem Feiern nicht mehr herausgekommen. Über so viel »Gerechtigkeit« freute sich der Finanzminister und dabei ging vollkommen unter, dass die ganze Angelegenheit rechtsstaatlich zumindest fragwürdig war.

Derartige Sorgen haben allerdings die Wenigsten. Die Bankhäuser im Fürstentum Liechtenstein rümpfen bei Vermögen unter 500.000 ihr arrogantes Näschen. Ist man dennoch Kunde, machen die Vermögensberater allerdings keinen Unterschied zwischen relativ arm und relativ reich. Die dortigen Vermögensverwalter sorgen mit beständiger Regelmäßigkeit für Kapitalrenditen unter Null. So mancher hätte da sein Geld hier (steuerfrei) auch selbst verzocken können.

Wären Wunderdenken, Wahn und Aberglauben so offensichtlich wie der Schimmel unterm Fenster im neuen Eigenheim, man würde schreien, bis der Arzt kommt. So aber hat jeder ein System, reich zu werden, das nicht funktioniert. Ob in Liechtenstein mit einigen Millionen oder in Deutschland mit Hunderttausend auf der Bank ist dabei einerlei.

Denn es ist ja klar: Der Millionär fühlt sich in Deutschland ebenso ungerecht behandelt wie der Sozialhilfeempfänger. Es ist wie im Kindergarten: »Das ist aber ungerecht! Ich möchte auch vom Klettergerüst fallen und ins Krankhaus kommen.«

Wer sich z. B. über 25 Prozent Kapitalrendite beschwert, sollte zuerst wissen, wie eine Bilanz funktioniert und wie sich Kapitalrendite berechnet. Aber das Unterrichtsfach Ökonomie fehlt in den Schulplänen. Und Lehrkräfte, die mehr wissen als Sozialromantik für Kubatouristen, könnten auch nicht schaden.

Würde man den finanziellen Analphabetismus in diesem Land eindämmen, würden sich auch die spekulativen Fähigkeiten der Leute verbessern. So aber lehnt man Spekulation ab, legt Geld irgendwie an, spart und krampft, wird krank und bald darauf begraben. Das lebensgefährliche Leben ist nämlich bereits die größte Spekulation, die jeder von uns mit seinem nächsten Plan eingeht. Ist man also bereits in Spekulationen verstrickt, sollte man die finanziellen Angelegenheiten auch selbst in die Hand nehmen. Das Arbeiten nimmt einem ja auch niemand ab.

In die Hand nehmen heißt aber nicht: »Ich möchte auch mal probieren«. In die Hand nehmen bedeutet, sich begrifflich und methodisch die nötige Klarheit zu verschaffen. Nur so kann man das eigene Wunderdenken, die eigene und fremde Manipulation eindämmen. Vieles ist so oder so. »Wahr« ist fast alles. Entscheidend ist stets: was nicht stimmt! Was nicht sein kann. Der Nutzen von oberflächlichen Tipps und gut gemeinten Ratschlägen ist nämlich begrenzt. Die Schweinehälftenträger dieser Welt fühlen sich nicht angesprochen und die Rattenfänger modifizieren lediglich ihre Strategien. Und wie immer triefen die zahlreichen »Opfer« des Börsen- und Kapitalmarktgeschäfts vor Selbstmitleid.

Die Folge Täter, Opfer, Helfer ist nämlich so banal wie falsch. Nur am Schluss der sich wiederholenden Dramen, wenn das Geld weg ist, die Banken jede Schuld von sich weisen, die Ratgeber vorgeben, missverstanden worden zu sein, ist immer allen klar, dass die Verlierer auch die Opfer sind. Und der sensationsträchtige Medienzirkus stürzt sich auf »Emma, P. aus W.« und lässt sie erzählen, wie sie krank, bescheiden und hilflos ihre mühsam vom Mund abgesparten Groschen dem niederträchtigen Berater der Bank anvertraut hatte, weil sie etwas mehr Rendite haben wollte, als auf dem Kapitalmarkt üblich ist. So einfach kann Leben sein, will man nichts dazulernen.

Komplizierter werden die Sachverhalte, würde man die blutigen Nasen fragen, wo sie denn gewesen sind, als die »Superschnäppchen« wie sauer Bier angeboten wurden. »Na, ja«, würden sie erzählen, »ich war da zuerst sehr skeptisch, aber dann...«

Und immer hat ein anderer gesagt, versichert oder versprochen. Da es um das eigene Geld ging, hätte man ja selbst das eigene Gehirn bemühen können. Und hätte man auf dem Umweg des Überlegens festgestellt, dass man nicht weiß, was z. B. eine Schuldverschreibung ist, dass man nicht versteht, warum Börsenkurse steigen und fallen. Dass man sich nie überlegt hat, wer denn kauft, wenn angeblich »alle« verkaufen und wer verkauft, wenn »alle« kaufen. Dann wäre man keinen Schritt weitergekommen. Na und?! Es ist keine Schande, nicht zu wissen wie Börse und Kapitalmarkt funktionieren, man muss es auch niemand erzählen, man muss es sich nur merken.

Und bereits diese bescheidene Gedächtnisleistung, sich zu merken, was man nicht weiß, nicht zu machen, was man nicht kann, ersparte einem das persönliche Desaster und das Mitleid.

 

Faule Hunde kontrollieren die räudigen Füchse
bei der Jagd nach dummen Hühnern

 

Darum, so wenden Politiker und Verbraucherschützer ein, lassen sich die Leute ja beraten. Das mag schon sein. Jede Beratung, jede Belehrung begrenzt sich aber am Vermögen des Ratgebers und am Verstehen des Ratsuchenden. Es spielt keine Rolle, ob man z. B. das Wort »Risiko« in einer Beratung mit »ja, ja« quittiert. Verstanden hat man den Begriff erst, wenn man weiß, wie Risiken berechnet werden und wie das einzelne Risiko mit dem persönlichen Leben referiert.

Davon sind die Leute aber weit entfernt. Und nach zahlreichen Gesprächen mit Bankern, Fondsmanagern, Anlageberatern und Vermögensverwaltern weiß ich, dass diese Herrschaften meist über die Dinge schwatzen, die sie selbst in letzter Konsequenz nicht verstanden haben. Die globale Finanzkrise ist der beste Beweis dafür, was dabei herauskommt, kontrollieren faule Hunde die räudigen Füchse bei der Jagd nach dummen Hühnern. Wir kommen in diesem Buch darauf zurück.

Als mir eines Tages ein junger Bankangestellter im billigen Anzug erzählen wollte, dass die relativ hohe Ordergebühr der Bank damit gerechtfertigt wäre, weil ich bei seiner Bank eben auch Beratung in Anspruch nehmen könnte, fragte ich erschrocken zurück: »Wollen Sie mir drohen?«

Die direkte Art meines Partners wirkt Wunder!

 *

 Betrachten Sie, liebe Leserinnen und Leser, in Konsequenz dieser Episode auch unsere Ausführungen als eine Drohung. Per se steht es dem Angestellten der Bank nämlich nicht auf die Stirn geschrieben, wie viele Bretter seine Sicht behindern. Per se können auch wir Ihnen viel erzählen. Es nutzt Ihnen auch nichts, legen wir hier unsere Vermögensverhältnisse offen und prahlen mit akademischem Sachverstand. Es verführt Sie nur dazu, Ihren Verstand von dem einen Garderobehaken an den anderen zu hängen. Zudem gibt es sowohl dumme Akademiker wie vermögende Schwachköpfe.

Aber selbstverständlich wünschen wir Ihnen gute Unterhaltung und von Herzen alles Gute.


[1] Die Schilder »Wertpapier-/Anlageberatung« wurden später überall entfernt. Wer nicht anpreist, dass er berät, hat im Zweifel lediglich Kundenwünsche erfüllt.

Auszug aus: Gerald Archangeli, Kurt Kowalsky:
Börsenstrategien zwischen Wunder, Wahn & Aberglauben
©2010, 256 Seiten. - broschiert - 14,7 x 20,8 cm
ISBN-13: 978-3-926396-60-0
ISBN-10: 3-926396-60-1
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