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»Die Partnerschaftsformel
Wie wahrscheinlich ist der Traumpartner?«

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Konrad W. Sprai, Autor und Sexualfroscher

»Der Mann erträgt die Ehe aus Liebe zur Frau. Die Frau erträgt den Mann aus Liebe zur Ehe.«

(Gabriel Laub)

Ehe und feste Partnerschaft sind nicht tot!
Das Zusammenleben von Mann und Frau kann funktionieren, beherrschen die Partner einige grundlegende Spielregeln.
Der Sexualwissenschaftler Sprai untersuchte in diesem Zusammenhang sowohl die Probleme der Partnerschaftswahl, als auch die nach seiner Ansicht problematische Reglementierung des Instituts der Ehe durch Kirche und Staat. Ein brisantes Buch, das weit mehr ist als ein Ratgeber bei Partnerschaftsproblemen.

Entscheidung für die Hölle, Sachbuch

Unter der Überschrift "Die Suche nach dem Superweib" klärt Konrad W. Sprai über die Möglichkeit auf, den idealen Partner zu finden.

Das Buch hat nur eine einzige mathematische Formel und ist im übrigen leicht verständlich. (Obwohl die Formel bei vielen Menschen Erschaudern hervorruft.)

Entscheiden Sie selbst, ob Sie die Konzentration aufbringen, sich mit dem unten skizzierten Umstand ernsthaft zu beschäftigen.

 


Dieser Beitrag wird Ihnen helfen, nicht sofort die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen, wenn Sie immer an den falschen Partner geraten. Wir Menschen bemühen uns nämlich stets, unser Glück am Möglichen auszurichten. Aber auch das beinahe Unmögliche, der Griff nach den Sternen, ist möglich(!) nur eben unwahrscheinlich. Lesen Sie selbst.

Auszug aus obigem Buch:

Die Suche nach dem Superweib (dem Supermann)

...suchet und ihr werdet finden;
klopfet an, und es wird euch aufgetan werden!
Matthäus 7.7

Die banalsten Sprüche bergen oft die tiefsten Wahrheiten, nur niemand glaubt, dass man es einfach tun muss.
Wollen wir unser Single-Dasein beenden, müssen wir suchen, anklopfen und wieder suchen. Entscheiden Sie sich heute mit der Suche zu beginnen...

In einer wissenschaftlichen Studie über die Theorie des Omegapunktes befasst sich der Physiker Frank J. Tipler mit der modernen Kosmologie, Gott und der Auferstehung der Toten.

Tipler bejaht die Frage seiner Studenten nach dem Sex im Himmel, und seine Begründung ist so simpel wie einfach: »weil manche Menschen sich Sex wünschen.« Die akademische Vorstellung der meisten Theologen, das Leben nach dem Tode wäre nur erfüllt von geistigen Genüssen, ist danach falsch und entbehrt jeglicher Logik.

Als liebende Eltern geben wir ja auch unseren Kindern zur Belohnung das, was sie sich am meisten wünschen, sonst wäre es ja keine Belohnung. Wie viel größer, liebender und gütiger ist jedoch ein universeller Gott im Verhältnis zu den Menschen. So erschiene es nicht nur einfachen Menschen eher als Strafe denn als Belohnung für ein anständiges Leben auf Erden, wenn sie nach der zukünftigen Auferstehung der Toten den ganzen Tag Halleluja zu singen hätten. (Übrigens: Ein völlig ernst gemeinter Gedankengang.)

Würde dieser Sex im Himmel allerdings mit denselben Problemen und Zwiespältigkeiten wie auf Erden behaftet sein, so wäre sein Belohnungscharakter ebenfalls fragwürdig. Wie Tipler weiter ausführt, basieren die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Menschen, einen Liebespartner zu finden, auf der langen Zeit der Suche und den damit verbundenen hohen Transaktionskosten. Während ein allmächtiges Wesen oder eine allmächtige Struktur die Partner zusammenführen kann, die zueinander passen, erhoffen wir uns das heute von unseren begrenzten irdischen Möglichkeiten.

Dass dies schwierig ist, kann eine »einfache« Rechnung verdeutlichen.

Der für uns ideale Partner (iP) ist der, mit dem wir die höchst mögliche, sprich optimale, Beziehungsqualität erreichen. Seine Persönlichkeit (P) nach Subtraktion aller uns störenden Defekte (D) erreicht den höchsten Wert, und dessen Wert-Vorstellung (V) über uns (die Wünsche von Männern (M) und Frauen (F) zählen gleichermaßen) nähern sich unserem Wert (a) am weitesten an.

Die beste Beziehungsqualität ergibt sich so aus



iP ________________________________________
a [(VM = PF - DF) - (VF = PM - DM)] + 1.



iP ist ein maximaler theoretischer Wert, der innerhalb einer endlichen Bevölkerung wohl logisch erreicht werden kann, jedoch wahrscheinlich nie erreicht wird, weil a = 0 oder maximal an 0 angenährt sein muss. Da nur eine einzige Beziehung iP/1 logisch möglich ist, ist jede andere Beziehungsqualität < iP also iP/x, wobei x dem Differenzwert a [VM zu VF] +1 entspricht (Traumpartnerdifferenz).

Bedenken Sie dabei, dass bei 109 möglichen Partnern und der Annahme, dass sich alle Menschen unterscheiden, es 1018 -1 mögliche Beziehungen geben kann, die kleiner als iP/1 sind.

Die Auswahl ist, obwohl begrenzt, trotzdem riesig.

Natürlich ändern sich die Werte von Persönlichkeiten (P) und Defekten (D) im Laufe der Zeit; so verändert sich unsere VF bzw. unsere VM ebenfalls unmerklich, aber stetig.

Sofern diese »unmenschliche« Betrachtungsweise überhaupt einen praktischen Nutzen hat, birgt sie doch einen Trost: Auch den anderen Menschen ist es schier unmöglich, den idealen Partner zu finden (im Lotto gewinnen ist wahrscheinlicher).

Noch ein Umstand kann uns hoffen lassen: Glück ist natürlich weit unter dem Maximalwert iP/1 möglich, da niemand so vermessen sein wird, aus etwa 109 logisch möglichen Partner den idealsten Partner (iP/1) herausangeln zu wollen. Was wir wirklich suchen, ist daher eher der iPreal, mit dem wir trotz kleiner Fehler und Problemchen glücklich und zufrieden sein können (und er mit uns). Trotzdem träumen wir vom iP, vom Optimus maximus der möglichen Partner. Aber auch dieser würde sich an unsere Träume nur annähern können.

Was hier sehr abstrakt und unterkühlt erscheint, erleben wir praktisch, wenn wir uns Tage, Wochen oder Monate unterhalten, um unser Gegenüber besser kennen zulernen.

Das Gespräch, aber auch das beobachtbare Verhalten ist, wie jetzt leicht erkennbar wird, die uns verfügbare Membrane, die Informationsschleuse sozusagen, zum Inneren unserer Mitmenschen (Transaktion).

Wer uns anlacht, ist uns freundlich gesinnt. Wer weint, hat Kummer. Denn, lachen wir selbst jemanden an oder weinen wir, so ist dies kein intellektueller Prozess, sondern ein inneres Signal an die Außenwelt, dass wir uns freuen oder traurig sind.

Wie reagieren wir aber, stellen wir fest, dass im Inneren eines Menschen etwas nicht so funktioniert, wie wir es uns vorstellen?

Wir reagieren mit Angst und ziehen uns meist zurück. Manche Menschen nutzen diesen Umstand für sich aus, um besetzte Telefonzellen frei zu bekommen: »Könnten Sie mir bitte schon einmal das Telefonbuch herausgeben, ich muss dringend in der Nervenheilanstalt anrufen, sonst suchen die mich.«

Auch wir selbst sind zeitweise irr, sprich, wir funktionieren nicht nach den von uns selbst gesetzten Maßstäben. Wir können über diese Unberechenbarkeiten in uns nur selten reden, aber wir spüren, was gemeint ist.
Nicht von ungefähr kommen Redewendungen über abnormes Verhalten wie: »Wie wahnsinnig fuhr ich zurück.« oder: »Er hat sich wie ein Irrer benommen.«
Wir beurteilen also und zweifeln im Hinblick auf die Reflexion unserer eigenen Unberechenbarkeit das gefällte Urteil wieder an. Trotzdem bedeutet dies, dass wir auswählen wollen und nicht den Erstbesten nehmen. Warum wir das nicht tun, liegt u. a. daran, dass der Nutzen aus einer Partnerschaft nur in verhältnismäßig wenigen Fällen die Risiken übersteigt. Wer das nicht glauben kann, stelle sich vor, er müsste jeden Zehnten, dem er auf der Straße zufällig begegnet, heiraten.

Partnerwahl ist somit immer auch Risikominimierung, ohne ausreichende und gesicherte Informationen zu haben.

Denn, Entscheidungen mit allen Informationen führten uns sicher zu unserem iP/1.

Die Partner befragen sich deshalb nach ihren Zukunftsplänen und Charaktereigenschaften. Wir wollen keine unsteten, launischen Partner, wir wollen bei unserer Wahl sicher gehen, dass dieser Mensch möglichst immer so bleibt, wie er gerade ist, besser: wie wir ihn gerade sehen. Vielleicht glauben wir auch, dass die wenigen Fehler (oben als Defekte bezeichnet), die uns auffallen, in der Partnerschaft eliminiert werden können.
Da wir den Faktoren Zeit, Raum und Energie (auch Geld) unterliegen und gleichzeitig die notwendigen Informationen nicht zugänglich sind, erschwert sich die Suche nach einem Partner, je weniger Mittel uns zur Verfügung stehen.

Oftmals ist uns auch bewusst, dass wir an der Stelle, an der wir suchen, keinen geeigneten Partner finden können, trotzdem suchen wir da, weil es hell ist und wir nicht gerne im Dunkeln tappen.

Den begehrten Nichttrinker und Nichtraucher in der Eckkneipe nebenan zu treffen, ist dann auch eher unwahrscheinlich. Aber die Leute, die da verkehren, sind einem nicht fremd.

Den naturverbundenen, romantischen Individualisten am Badestrand von Playa del Inglés zu finden, ist unwahrscheinlich, aber die »beste Freundin« will dort ihren Urlaub verbringen, und alleine verreisen wollen wir nicht.

Dass viele Menschen eine Beziehung mit einem Arbeitskollegen anfangen, bedingt sich dadurch, dass uns die für eine Partnerwahl notwendigen Anfangsinformationen durch den täglichen Umgang miteinander offen liegen (wenig kosten). Der notwendige Informationsaustausch ist durch andere Faktoren gegeben, ein Abschöpfen unverdächtig, und jederzeit ist es uns möglich, auf den vorgegebenen Status »Nur-Kollege« zurückzugreifen.

Die Faktoren Zeit, Raum und Informationszugänglichkeit gelten natürlich auch an Orten, die überwiegend zum Zwecke der Begegnung eingerichtet sind. Keine Frage, dass Tanzlokale sich bestens dafür eignen, einen Partner zu finden. Auch hier ist es uns jederzeit möglich, uns auf den Status des »Nur-Tänzers« zurückzuziehen.

Doch rechnen wir die Sache durch.

In einem gut besuchten Tanzlokal ist die Anzahl der möglichen Partner begrenzt (Raum). Die uns zur Verfügung stehende Zeit ergibt sich aus den Öffnungszeiten der Lokalität und unserem eigenen Limit. So weit, so gut.Trotz der begrenzten Zahl der möglichen Partner gibt es einen, der den höchsten iP/x-Wert besitzt. Das ist natürlich alles andere als ideal, aber was soll’s. (Das »i« müsste man wahrscheinlich in Anführungszeichen setzen.)

Auch ist uns bewusst, dass die Welt sich außerhalb des Lokals fortsetzt, wir jeden möglichen, sprich vorhandenen, hohen iP/x-Wert zu anderen Menschen und Räumen relativieren.

Nehmen wir also an, 200 Personen befinden sich im Lokal, 100 davon sind vom gleichen Geschlecht, und davon befindet sich wiederum die Hälfte in fester und glücklicher Beziehung. Dann würde ¼ = 50 Personen als mögliche Partner in Frage kommen.

Irgendeiner unter diesen 50 hat den größten iP/x-Wert. Vielleicht ist er dieser iPreal, so hoffen wir, mit dem wir es probieren können. Doch wer ist es?

Eine amerikanische Firma verballhornte vor Jahren ihre Konkurrenz mit dem Werbeslogan »Where is the beef?«, indem zwei entrüstete Frauen im großen Brötchen des Konkurrenz-Hamburgers den winzigen Fleischklops suchten. Die Frage der Zeit in unserem Zusammenhang müsste lauten: »Where is the iP?«, denn sie wird täglich millionenfach (unbewusst) gestellt.

Es steht ihm nicht auf der Stirn geschrieben. Vor uns liegt ein großes Stück harter Selektionsarbeit. Haben wir ihn dann endlich gefunden, so besteht keinerlei Garantie, dass seine Traumpartnerdifferenz sich mit den erwähnten Risiken nur annährend bilanziert. Mit anderen Worten: Der oder die Beste von allen Besuchern kann für uns als nicht begehrenswert erscheinen, auch wenn wir annehmen, dass alle notwendigen Informationen für beide Seiten offen liegen (was natürlich nie der Fall ist).

Uns jedoch ist es nämlich gerade einmal möglich, Männchen von Weibchen zu unterscheiden. Mehr erkennen wir nicht. Wer von diesen jedoch disponibel ist, ist schon fraglicher. (Übrigens: Der Traummann, der jetzt bereits das fünfte Mal mit diesem billigen Flittchen tanzt. Und frau sich fragt, was der nur an ihr findet, hat in Relation zu ihrer Person mit großer Wahrscheinlichkeit einen geringen, zu der Dame, mit der er tanzt, einen großen iP/x-Wert.)

Lassen wir also den Neid und schauen uns weiter um. Wir werden etwa von 10 % der theoretisch möglichen 50 Partner annehmen, sie gehörten zu den bereits vergebenen Personen. (Weil wir z.B. nicht wissen, dass das nette Pärchen hinten in der Ecke Vater und Tochter sind.)

Und weitere ca. 10 % der vermeintlichen Singles sind unverrückbar vergeben, gehen nur alleine tanzen. Irgendwo in einer Masse von 200 Menschen befinden sich also weitestgehend unsichtbar 40 Menschen, die in Relation zu unserer Person unterschiedliche iP/x-Werte haben und potentiell uns als Partner zur Verfügung stehen.

Wie gesagt: Niemandem steht der iP/x-Wert auf die Stirn geschrieben. Wohlgemerkt der iP/x-Wert ist eine Variable zu uns und keine Beurteilung des Menschen an sich. Denn jeder im Lokal besitzt alle logisch möglichen Werte (iP/x1, 2, 3... ), wir auch. (Noch ein Trost!?)

Könnten wir durch ein kurzes und standardisiertes Frage- und Antwortspiel nun jede der potentiellen 50 Personen (40 echte plus 10 scheinbare), die uns als disponibel erscheinen, testen (Transaktion der notwendigen Informationen), und setzten wir dafür pro Informationsaustausch nur 10 Minuten an Zeit an, so würde unsere Befragung 500 Minuten dauern (das sind über acht Stunden).

Schweißgebadet und erschöpft wagen wir mit unserem »Ideal« nun ein Tänzchen und sind uns nicht sicher, dass nur 100 Meter weiter gerade ein verzweifelter Mensch mit einem zigfach größeren iP/x-Wert versucht, das Reserverad seines Wagens anzuschrauben.

Manche Frauen und vor allem Männer werden nun einwenden, dass durch einfache Sichtkontrolle mit den meisten Menschen erst gar kein Gespräch geführt werden müsste (iPreal durch Sichtkontrolle ausgeschlossen). Dieser Einwand hat den Anschein der Richtigkeit, hält jedoch einer Realitätsprüfung nicht lange stand.
Denn befragt man Paare, die nach eigenem Bekenntnis glücklich sind und, hätten sie nochmals die Wahl, den gleichen Partner wieder wählen würden (das sind nach einer nicht repräsentativen Umfrage des MDR weniger als 30 %), so ergibt sich ein anderes Bild.

»Ich hatte alles andere im Sinn, als ihn zu heiraten.«
»Er hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich dachte noch: ›Die arme Frau, die den einmal bekommt.‹ Heute bin ich 15 Jahre mit ihm zusammen.«
»Ich dachte, na ja, mit der gehst du einmal ins Bett und dann ist sowieso Schluss.«

Maria Riva aber bringt es mit der bloßen Sichtkontrolle auf den Punkt, wenn sie sagt:

»Es ist immer gefährlich, schön zu sein.«

In bezug auf die Suche nach unserem iP stellt sich die reine Sichtkontrolle als besondere Komplikation heraus, auf die wir noch zu sprechen kommen werden.

Unseren idealen Partner zu finden, müssen wir also den himmlischen Mechanismen der fernen Zukunft überlassen. Weil wir selbst innerhalb einer relativ kleinen Menschengruppe von nur 200 Personen unsere Schwierigkeiten haben. (Es ist ja auch möglich, dass unser Partner mit dem höchsten iP-Wert in China sitzt. Diese Rechnung überlassen wir gerne den 15 % selbstbestimmten, d. h. freiwilligen Singles. Die anderen sind nämlich auf der Suche nach einem Partner.)

Partnersuche reduziert sich, so betrachtet, auch für den eingefleischtesten Romantiker als Frage der Kommunikation. Kommunikation kostet, wie erwähnt, Energie und Zeit, wie jeder schmerzlich aus seiner monatlichen Telefonrechnung entnehmen kann.

Heiratsinstitute fangen mit dieser Tatsache Millionen von Singles als Kunden. Für zum Teil horrende Gebühren versuchen sie, ihrer Klientel weiszumachen, dass eben gerade ihr Institut oder ihre Methode der Vermittlung eine Gewähr dafür bietet, den Partner fürs Leben zu finden, indem sie die Suche angeblich optimieren und somit Transaktionskosten und Zeitdauer verkürzen. Abgesehen davon, dass die Zahl der sich im Pool befindlichen potentiellen Partner meist verschwindend gering ist, wird das oben beschriebene Problem nicht gelöst. Der Sucher, der jetzt eventuell zig Tausende Mark ärmer ist (böse Menschen könnten jetzt behaupten, dass Armut den Subtrahend D in obiger Gleichung vergrößert und somit den eigenen iP/x verändert), muss gleich dem 500-Minuten-Marathon im Tanzlokal das »standardisierte Frage- und Antwortspiel« auf anderer Ebene wiederholen.

Was in unserem Beispiel theoretisch 10 Minuten dauert, dauert jetzt mindestens einen Tag, nämlich: Kontaktadresse vom Institut bekommen, anrufen, verabreden, treffen, nein sagen, Institut anrufen. Eine Tatsache, die die wenigsten Kunden dieser Institute erkennen. Auch das Argument, dass man damit sichergeht, sein Gegenüber wäre frei und suche auch, ist schwach.

Die 50jährige Witwe, die sich auf die Institutsanzeige »Zahnarzt, jung dynamisch, mit Ferienhaus in Florida« gemeldet hat, sucht nicht den Autoschlosser, der das viele Geld dem Institut hinblätterte. Und umgekehrt will der »dynamische Zahnarzt« nicht die 50jährige Witwe, sondern die 27jährige Dolmetscherin. So wird dann am Schluss die Witwe mit dem Autoschlosser vermittelt, und beide können es sich nicht erklären, warum sie so ein säuerliches Drücken im Magen haben.

Fatal ist noch der Umstand, dass der im Tanzlokal angesprochene potentielle Partner im Grunde ehrlicher ist (d. h. weniger lügt) als der über das Institut. Mehr als einen Menschen persönlich zu sehen, vermag nämlich keine Fotografie zu bieten. Mehr als einen Menschen selbst zu befragen, vermag keine noch so wahrhaftige schriftliche Selbsteinschätzung.

Was jedoch noch in keiner Rechnung berücksichtigt wurde, ist die Gefahr des Prinzips der Nichtbefriedigung. Was soviel heißt, dass jeder partnerschaftlichen Interaktion ausschließlich die Selbstbefriedigung zugrunde liegt und allein dieser Umstand nicht, wie allgemein irrtümlich angenommen, die Befriedigung des Partners bedingt. Das soll heißen, was wir mit einem Partner erleben, erleben wir als innere Werte, das Partizipieren an den inneren Werten des anderen ist uns nicht möglich. So erhalten wir durch unsere Partner die entsprechende Reize, wodurch unsere eigene Erregung bis zur Befriedigung ansteigen kann.

Während ER also fragt: »War’s schön?«, denkt sie sich ihren Teil und lügt ihn eventuell an. Auch mit umgekehrten Vorzeichen bleibt dieses Prinzip gültig.

Besonders Frauen sind in dieser Hinsicht die Leidtragenden allzu egoistischer sexueller Manipulation. So wurde bereits manche Ehe im Himmel geschlossen und im Bett entschieden. So gesehen, wird alles Verstehen und alle Liebe klein gegen den Wunsch, sexuell befriedigt zu sein.

Das Prinzip der Nichtbefriedigung ist dann auch eine weitere große Unbekannte und verändert in fast allen Fällen den Subtrahenden D erheblich. Dazu kommt, dass nichts stärker schwankt als gerade unsere Einstellung zur Sexualität bzw. unsere Reaktion auf sexuelle Reize. Das muss nicht so sein, geben wir dem Partner die entsprechenden Informationen, die er braucht, um auch unsere inneren Werte einschätzen zu können. Da in Tanzlokalen oder an anderen öffentlichen Orten der Kuss eventuell möglich, nur vielleicht nicht erwünscht ist, sind wir schnell geneigt, die visuell und verbal erhaltenen Informationen zu den Anfangsreizen (sprich unseren inneren Reaktionen auf von außen kommende Reize) positiv zu addieren und zu folgern: »Mehr mit dem müsste ganz toll sein.« Leider ist dem oftmals nicht so.

Das »Superweib« muss also auf keinen Fall wie das Superweib aussehen.

Das tatsächliche Superweib hat natürlich einen Namen. In Söhnke Wortmanns Komödie »Das Superweib«, nach einem Roman von Hera Lind, spielt die 29jährige Wahl-Münchnerin Veronica Ferres die Hauptrolle.

Im Fragebogen des Diners Club Magazin antwortet dann dieses wahre Superweib, also der Mensch im Schauspieler, auf die Frage: Was ist Ihr Lieblingsbuch? »Liebe, Lust, Frust von Sprai.«

Bedenkt man, dass der Untertitel meines Buches lautet: »Über die Unfähigkeit der Männer Frauen glücklich zu machen«, lässt sich frei nach oben zitierter Maria Riva wirklich bestätigen, dass die Prinzipien der Nichtbefriedigung bei schönen Frauen gefährlicher wirken.

Die nächste Frage im selben Fragebogen lautete übrigens: »Wem möchten Sie mal so richtig die Meinung sagen und warum?« Die Antwort: »Dem Papst, weil er so weltfremd ist.« Dieser Superweib-Antwort ist von unserer Seite nichts mehr hinzuzufügen.

Einen Trost gibt uns der Physiker Tipler in bezug auf unsere Kommunikationsprobleme auf den Weg: »Ungefähr zwei Drittel der erwachsenen Menschen werden irgendwann in ihrem Leben von einer heftigen Leidenschaft zu einem Menschen des anderen Geschlechts ergriffen, die nicht gegenseitig ist: Es ist das Phänomen der unerwiderten Liebe. Der Omegapunkt (Gott, wie er im Rahmen dieser Theorie zu verstehen ist ) hat die Macht, eine solche Leidenschaft im Leben nach dem Tod in erwiderte Liebe zu verwandeln.« Na, bitte!

Wer sich bewusst macht, wie schwierig, ja beinahe unmöglich es ist, den iP auf dieser Welt zu finden, wird auch das Tanzlokalbeispiel nachvollziehen können.

In der Realität nehmen wir nämlich zuerst einmal Kontakt mit dem Kellner oder der Serviererin auf, und dann kommt lange nichts. Natürlich suchen wir, aber eben nicht wie im oben zitierten biblischen Sinne. Unsere Suche ist eher innerlich.

Da war er nun gerade, dieser nette Partner: Hübsch, elegant, soviel wir erkennen konnten, hatte er ein angenehmes Wesen usw. Bei dieser Person wären wir sicher nicht abgeneigt, ein bisschen Informationen auszutauschen, doch jetzt läuft er weiter, und wir verlieren ihn aus den Augen. Das ist natürlich kein Suchen, was wir hier beschreiben, ist ein Träumen. Doch mit wie vielen Fremden (um mit der besten Freundin bzw. seinem Kumpel zu plaudern, brauchen wir nicht »suchen zu gehen«) nehmen wir denn wirklichen Kontakt auf? Mit einem, zwei pro Tanzabend?

Sind wir nicht immer geneigt, auf ein Wunder zu warten? Wenn der andere den ersten Schritt täte, nicht so forsch, sondern eher sachte, dann, ja dann hätten wir eine reelle Chance. Aber er tut es nicht. So gehen dann die Frauen mit ihrer besten Freundin und die Männer mit ihrem Kumpel wieder nach Hause - unverrichteter Dinge und im Herzen einsam.

Elvira (28) aus Berlin-Friedrichshain sagte uns zu diesem Thema exemplarisch:

»Ich habe einen 4jährigen Jungen. Da sitzt man dann irgendwo im Straßencafé, muss sich um das Kind kümmern und versucht, die wohlige Frühlingssonne zu genießen. Aber Kontakt bekomme ich mit niemand. Wie denn auch? Ich kann doch als Frau nicht einfach jemand ansprechen?«

Wird sie denn ab und zu angesprochen?

»Ja, das schon. Aber da weiß ich immer gar nicht, wie ich mich verhalten soll. Man weiß ja auch nicht, was der dann will.«

Wie war das noch: Klopfet an und es wird Euch aufgetan. Wer selbst anklopft, je öfter desto besser, wird eine Reaktion bekommen. Der, an dessen Tür angeklopft wird, wird aufmachen müssen, sonst bleibt es für immer ein Geheimnis, wer draußen klopfte.

Manche Frau wird an dieser Stelle einzuwenden haben, dass die Welt voll verheirateter Sittenstrolche, Tagediebe, geschlechtskranken Kindesentführern und Bigamisten ist. Ohne dies jetzt wiederum nachzurechnen, ist darauf zu erwidern: »Ja, das wird schon so sein!« Sitzen wir in der Bar am Tresen, wird auch der reizende Wirt, der sich mit uns den ganzen Abend unterhalten hat, um anschließend behaupten zu können, wir hätten wieder niemand kennen gelernt, nicht ohne Fehl und Tadel sein. Aber zu dem haben wir ein gewisses Vertrauen, weil seine liebe Frau in der Restaurantküche steht.

Wer nicht jemandem den lieben Ehepartner ausspannen will, muss aber der Gattung des anderen Geschlechts schon ein wenig Vertrauen schenken, sonst klappt’s nie. Das Risiko, enttäuscht zu werden, ist immer noch besser, als sich das ganze Leben lang zu täuschen. Und zudem: Wir wissen ja, spätestens seit der Lektüre dieses Kapitels, den iP finden wir wahrscheinlich nicht.

Noch einen Fehler begehen sogenannte unfreiwillige Singles bei der Suche nach dem Superweib: Sie beißen sich am erstbesten Gesprächspartner fest. Nach langer (meist innerlicher) Suche und nur zaghaften Versuchen, einmal anzuklopfen, haben wir dann eines Tages eher durch Zufall jemand »kennen gelernt«.

Natürlich kennen wir die Person, die wir kennen gelernt haben, nicht, aber wir haben die ersten Informationen gesammelt. Es wäre nicht gut, ihn sofort mit unseren Vorurteilen zu überschütten, etwa dieser Art:

»Mit Menschen vom Sternzeichen Fisch komme ich nicht aus.«

Oder:

»Wenn der studiert hat, mag er mich bestimmt nicht.«

Noch »besser«:

»Bei dem ist sicher etwas faul, wenn der sich mit mir abgibt.«

So geht’s nicht!

***

Konrad W. Sprai:
Entscheidung für die Hölle? Zwischen Liebesglück und Eheleid

Die Gratwanderung
1 Abb. v. Gerald Schorm.
©1996, 160 Seiten - 20 x 11,5 cm. - broschiert
ISBN 3-926396-48-2
ISBN-13: 978-3926396488
11,25 Euro

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