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Unter der Überschrift "Die Suche nach
dem Superweib" klärt Konrad W. Sprai über die Möglichkeit auf, den
idealen Partner zu finden.
Das Buch hat nur eine einzige mathematische
Formel und ist im übrigen leicht verständlich. (Obwohl die Formel bei
vielen Menschen Erschaudern hervorruft.)
Entscheiden Sie selbst, ob Sie die Konzentration aufbringen, sich mit dem
unten skizzierten Umstand ernsthaft zu beschäftigen.
Dieser Beitrag wird Ihnen helfen, nicht
sofort die sprichwörtliche Flinte ins Korn zu werfen, wenn Sie immer an
den falschen Partner geraten. Wir Menschen bemühen uns nämlich stets,
unser Glück am Möglichen auszurichten. Aber auch das beinahe
Unmögliche, der Griff nach den Sternen, ist möglich(!) nur eben
unwahrscheinlich. Lesen Sie selbst.
Auszug aus obigem Buch:
Die Suche nach dem
Superweib (dem Supermann)
...suchet und
ihr werdet finden;
klopfet an, und es wird euch aufgetan werden!
Matthäus 7.7
Die banalsten
Sprüche bergen oft die tiefsten Wahrheiten, nur niemand glaubt, dass man
es einfach tun muss.
Wollen wir unser Single-Dasein beenden, müssen wir suchen, anklopfen und
wieder suchen. Entscheiden Sie sich heute mit der Suche zu beginnen...
In einer wissenschaftlichen Studie über die Theorie des Omegapunktes
befasst sich der Physiker Frank J. Tipler mit der
modernen Kosmologie, Gott und der Auferstehung der Toten.
Tipler bejaht die Frage seiner Studenten nach dem Sex im Himmel, und seine
Begründung ist so simpel wie einfach: »weil manche Menschen sich Sex
wünschen.« Die akademische Vorstellung der meisten Theologen, das Leben
nach dem Tode wäre nur erfüllt von geistigen Genüssen, ist danach
falsch und entbehrt jeglicher Logik.
Als liebende Eltern geben wir ja auch unseren Kindern zur Belohnung das,
was sie sich am meisten wünschen, sonst wäre es ja keine Belohnung. Wie
viel größer, liebender und gütiger ist jedoch ein universeller Gott im
Verhältnis zu den Menschen. So erschiene es nicht nur einfachen Menschen
eher als Strafe denn als Belohnung für ein anständiges Leben auf Erden,
wenn sie nach der zukünftigen Auferstehung der Toten den ganzen Tag
Halleluja zu singen hätten. (Übrigens: Ein völlig ernst gemeinter
Gedankengang.)
Würde dieser Sex im Himmel allerdings mit denselben Problemen und
Zwiespältigkeiten wie auf Erden behaftet sein, so wäre sein
Belohnungscharakter ebenfalls fragwürdig. Wie Tipler weiter ausführt,
basieren die Schwierigkeiten der gegenwärtigen Menschen, einen
Liebespartner zu finden, auf der langen Zeit der Suche und den damit
verbundenen hohen Transaktionskosten. Während ein allmächtiges Wesen
oder eine allmächtige Struktur die Partner zusammenführen kann, die
zueinander passen, erhoffen wir uns das heute von unseren begrenzten
irdischen Möglichkeiten.
Dass dies schwierig ist, kann eine »einfache« Rechnung verdeutlichen.
Der für uns ideale Partner (iP) ist der, mit dem wir die
höchst mögliche, sprich optimale, Beziehungsqualität erreichen. Seine
Persönlichkeit (P) nach Subtraktion aller uns störenden
Defekte (D) erreicht den höchsten Wert, und dessen Wert-Vorstellung
(V) über uns (die Wünsche von Männern (M) und
Frauen (F) zählen gleichermaßen) nähern sich unserem
Wert (a) am weitesten an.
Die beste Beziehungsqualität ergibt
sich so aus
iP ________________________________________
a [(VM = PF -
DF) - (VF = PM
- DM)] + 1.
iP ist ein maximaler theoretischer Wert, der innerhalb einer endlichen
Bevölkerung wohl logisch erreicht werden kann, jedoch wahrscheinlich nie
erreicht wird, weil a = 0 oder maximal an 0 angenährt sein muss.
Da nur eine einzige Beziehung iP/1 logisch möglich ist, ist jede andere
Beziehungsqualität < iP also iP/x, wobei x dem Differenzwert a [VM
zu VF] +1 entspricht (Traumpartnerdifferenz).
Bedenken Sie dabei, dass bei 109 möglichen Partnern und der
Annahme, dass sich alle Menschen unterscheiden, es 1018 -1
mögliche Beziehungen geben kann, die kleiner als iP/1 sind.
Die Auswahl ist, obwohl begrenzt, trotzdem riesig.
Natürlich ändern sich die Werte von Persönlichkeiten (P) und Defekten
(D) im Laufe der Zeit; so verändert sich unsere VF bzw. unsere
VM ebenfalls unmerklich, aber stetig.
Sofern diese
»unmenschliche« Betrachtungsweise überhaupt einen praktischen Nutzen
hat, birgt sie doch einen Trost: Auch den anderen Menschen ist es schier
unmöglich, den idealen Partner zu finden (im Lotto gewinnen ist
wahrscheinlicher).
Noch ein Umstand kann uns hoffen lassen: Glück ist natürlich
weit unter dem Maximalwert iP/1 möglich, da niemand so vermessen
sein wird, aus etwa 109 logisch möglichen Partner den
idealsten Partner (iP/1) herausangeln zu wollen. Was wir wirklich suchen,
ist daher eher der iPreal,
mit dem wir trotz kleiner Fehler und Problemchen glücklich und zufrieden
sein können (und er mit uns). Trotzdem träumen wir vom iP, vom Optimus
maximus der möglichen Partner. Aber auch dieser würde sich an unsere
Träume nur annähern können.
Was hier sehr abstrakt und unterkühlt erscheint, erleben wir praktisch,
wenn wir uns Tage, Wochen oder Monate unterhalten, um unser Gegenüber
besser kennen zulernen.
Das Gespräch, aber auch das beobachtbare Verhalten ist, wie jetzt leicht
erkennbar wird, die uns verfügbare Membrane, die Informationsschleuse
sozusagen, zum Inneren unserer Mitmenschen (Transaktion).
Wer uns anlacht, ist uns
freundlich gesinnt. Wer weint, hat Kummer. Denn, lachen wir selbst
jemanden an oder weinen wir, so ist dies kein intellektueller Prozess,
sondern ein inneres Signal an die Außenwelt, dass wir uns freuen oder
traurig sind.
Wie reagieren wir aber, stellen wir fest, dass im Inneren eines Menschen
etwas nicht so funktioniert, wie wir es uns vorstellen?
Wir reagieren mit Angst und ziehen uns meist zurück. Manche Menschen
nutzen diesen Umstand für sich aus, um besetzte Telefonzellen frei zu
bekommen: »Könnten Sie mir bitte schon einmal das Telefonbuch
herausgeben, ich muss dringend in der Nervenheilanstalt anrufen, sonst
suchen die mich.«
Auch wir selbst sind zeitweise irr, sprich, wir funktionieren nicht nach
den von uns selbst gesetzten Maßstäben. Wir können über diese
Unberechenbarkeiten in uns nur selten reden, aber wir spüren, was gemeint
ist.
Nicht von ungefähr kommen Redewendungen über abnormes Verhalten wie:
»Wie wahnsinnig fuhr ich zurück.« oder: »Er hat sich wie ein Irrer
benommen.«
Wir beurteilen also und zweifeln im Hinblick auf die Reflexion unserer
eigenen Unberechenbarkeit das gefällte Urteil wieder an. Trotzdem
bedeutet dies, dass wir auswählen wollen und nicht den Erstbesten nehmen.
Warum wir das nicht tun, liegt u. a. daran, dass der Nutzen aus einer
Partnerschaft nur in verhältnismäßig wenigen Fällen die Risiken
übersteigt. Wer das nicht glauben kann, stelle sich vor, er müsste jeden
Zehnten, dem er auf der Straße zufällig begegnet, heiraten.
Partnerwahl ist somit immer auch
Risikominimierung, ohne ausreichende und gesicherte Informationen zu
haben.
Denn, Entscheidungen mit allen
Informationen führten uns sicher zu unserem iP/1.
Die Partner befragen sich deshalb nach ihren Zukunftsplänen und
Charaktereigenschaften. Wir wollen keine unsteten, launischen Partner, wir
wollen bei unserer Wahl sicher gehen, dass dieser Mensch möglichst immer
so bleibt, wie er gerade ist, besser: wie wir ihn gerade sehen. Vielleicht
glauben wir auch, dass die wenigen Fehler (oben als Defekte bezeichnet),
die uns auffallen, in der Partnerschaft eliminiert werden können.
Da wir den Faktoren Zeit, Raum und Energie (auch Geld) unterliegen und
gleichzeitig die notwendigen Informationen nicht zugänglich sind,
erschwert sich die Suche nach einem Partner, je weniger Mittel uns zur
Verfügung stehen.
Oftmals ist uns auch bewusst, dass wir an der Stelle, an der wir suchen,
keinen geeigneten Partner finden können, trotzdem suchen wir da, weil es
hell ist und wir nicht gerne im Dunkeln tappen.
Den begehrten Nichttrinker und Nichtraucher in der Eckkneipe nebenan zu
treffen, ist dann auch eher unwahrscheinlich. Aber die Leute, die da
verkehren, sind einem nicht fremd.
Den naturverbundenen, romantischen Individualisten am Badestrand von Playa
del Inglés zu finden, ist unwahrscheinlich, aber die »beste Freundin«
will dort ihren Urlaub verbringen, und alleine verreisen wollen wir nicht.
Dass viele Menschen eine Beziehung mit einem Arbeitskollegen anfangen,
bedingt sich dadurch, dass uns die für eine Partnerwahl notwendigen
Anfangsinformationen durch den täglichen Umgang miteinander offen liegen
(wenig kosten). Der notwendige Informationsaustausch ist durch andere
Faktoren gegeben, ein Abschöpfen unverdächtig, und jederzeit ist es uns
möglich, auf den vorgegebenen Status »Nur-Kollege« zurückzugreifen.
Die Faktoren Zeit, Raum und Informationszugänglichkeit gelten natürlich
auch an Orten, die überwiegend zum Zwecke der Begegnung eingerichtet
sind. Keine Frage, dass Tanzlokale sich bestens dafür eignen, einen
Partner zu finden. Auch hier ist es uns jederzeit möglich, uns auf den
Status des »Nur-Tänzers« zurückzuziehen.
Doch rechnen wir die Sache durch.
In einem gut besuchten Tanzlokal
ist die Anzahl der möglichen Partner begrenzt (Raum). Die uns zur
Verfügung stehende Zeit ergibt sich aus den Öffnungszeiten der
Lokalität und unserem eigenen Limit. So weit, so gut.Trotz der begrenzten Zahl der möglichen Partner gibt es einen, der den
höchsten iP/x-Wert besitzt. Das ist natürlich alles andere als ideal,
aber was soll’s. (Das »i« müsste man wahrscheinlich in
Anführungszeichen setzen.)
Auch ist uns bewusst, dass die
Welt sich außerhalb des Lokals fortsetzt, wir jeden möglichen, sprich
vorhandenen, hohen iP/x-Wert zu anderen Menschen und Räumen relativieren.
Nehmen wir also an, 200 Personen befinden sich im Lokal, 100 davon sind
vom gleichen Geschlecht, und davon befindet sich wiederum die Hälfte in
fester und glücklicher Beziehung. Dann würde ¼ = 50 Personen als
mögliche Partner in Frage kommen.
Irgendeiner unter diesen 50 hat den größten iP/x-Wert. Vielleicht ist er
dieser iPreal, so hoffen wir, mit dem wir es
probieren können. Doch wer ist es?
Eine amerikanische Firma verballhornte vor Jahren ihre Konkurrenz mit dem
Werbeslogan »Where is the beef?«, indem zwei entrüstete Frauen im
großen Brötchen des Konkurrenz-Hamburgers den winzigen Fleischklops
suchten. Die Frage der Zeit in unserem Zusammenhang müsste lauten:
»Where is the iP?«, denn sie wird täglich millionenfach (unbewusst)
gestellt.
Es steht ihm nicht auf der Stirn geschrieben. Vor uns liegt ein großes
Stück harter Selektionsarbeit. Haben wir ihn dann endlich gefunden, so
besteht keinerlei Garantie, dass seine Traumpartnerdifferenz sich mit den
erwähnten Risiken nur annährend bilanziert. Mit anderen Worten: Der oder
die Beste von allen Besuchern kann für uns als nicht begehrenswert
erscheinen, auch wenn wir annehmen, dass alle notwendigen Informationen
für beide Seiten offen liegen (was natürlich nie der Fall ist).
Uns jedoch ist es nämlich gerade einmal möglich, Männchen von Weibchen
zu unterscheiden. Mehr erkennen wir nicht. Wer von diesen jedoch
disponibel ist, ist schon fraglicher. (Übrigens: Der Traummann, der jetzt
bereits das fünfte Mal mit diesem billigen Flittchen tanzt. Und frau sich
fragt, was der nur an ihr findet, hat in Relation zu ihrer Person mit
großer Wahrscheinlichkeit einen geringen, zu der Dame, mit der er tanzt,
einen großen iP/x-Wert.)
Lassen wir also den Neid und schauen uns weiter um. Wir werden etwa von 10
% der theoretisch möglichen 50 Partner annehmen, sie gehörten zu den
bereits vergebenen Personen. (Weil wir z.B. nicht wissen, dass das nette
Pärchen hinten in der Ecke Vater und Tochter sind.)
Und weitere ca. 10 % der vermeintlichen Singles sind unverrückbar
vergeben, gehen nur alleine tanzen. Irgendwo in einer Masse von 200
Menschen befinden sich also weitestgehend unsichtbar 40 Menschen, die in
Relation zu unserer Person unterschiedliche iP/x-Werte haben und
potentiell uns als Partner zur Verfügung stehen.
Wie gesagt: Niemandem
steht der iP/x-Wert auf die Stirn geschrieben. Wohlgemerkt
der iP/x-Wert ist eine Variable zu uns und keine Beurteilung des Menschen
an sich. Denn jeder im Lokal besitzt alle logisch möglichen Werte (iP/x1,
2, 3... ), wir auch. (Noch ein Trost!?)
Könnten wir durch ein kurzes und standardisiertes Frage- und Antwortspiel
nun jede der potentiellen 50 Personen (40 echte plus 10 scheinbare), die
uns als disponibel erscheinen, testen (Transaktion der notwendigen
Informationen), und setzten wir dafür pro Informationsaustausch nur 10
Minuten an Zeit an, so würde unsere Befragung 500 Minuten dauern (das
sind über acht Stunden).
Schweißgebadet und erschöpft wagen wir mit unserem »Ideal« nun ein
Tänzchen und sind uns nicht sicher, dass nur 100 Meter weiter gerade ein
verzweifelter Mensch mit einem zigfach größeren iP/x-Wert versucht, das
Reserverad seines Wagens anzuschrauben.
Manche Frauen und vor allem Männer werden nun einwenden, dass durch
einfache Sichtkontrolle mit den meisten Menschen erst gar kein Gespräch
geführt werden müsste (iPreal durch Sichtkontrolle
ausgeschlossen). Dieser Einwand hat den Anschein der Richtigkeit, hält
jedoch einer Realitätsprüfung nicht lange stand.
Denn befragt man Paare, die nach eigenem Bekenntnis glücklich sind und,
hätten sie nochmals die Wahl, den gleichen Partner wieder wählen würden
(das sind nach einer nicht repräsentativen Umfrage des MDR weniger als 30
%), so ergibt sich ein anderes Bild.
»Ich hatte alles andere im Sinn, als ihn zu heiraten.«
»Er hat mir überhaupt nicht gefallen. Ich dachte noch: ›Die arme Frau,
die den einmal bekommt.‹ Heute bin ich 15 Jahre mit ihm zusammen.«
»Ich dachte, na ja, mit der gehst du einmal ins Bett und dann ist sowieso
Schluss.«
Maria Riva aber bringt es mit der bloßen Sichtkontrolle auf den Punkt,
wenn sie sagt:
»Es ist immer
gefährlich, schön zu sein.«
In bezug auf die Suche nach
unserem iP stellt sich die reine Sichtkontrolle als besondere Komplikation
heraus, auf die wir noch zu sprechen kommen werden.
Unseren idealen Partner zu finden, müssen wir also den himmlischen
Mechanismen der fernen Zukunft überlassen. Weil wir selbst innerhalb
einer relativ kleinen Menschengruppe von nur 200 Personen unsere
Schwierigkeiten haben. (Es ist ja auch möglich, dass unser Partner mit
dem höchsten iP-Wert in China sitzt. Diese Rechnung überlassen wir gerne
den 15 % selbstbestimmten, d. h. freiwilligen Singles. Die anderen sind
nämlich auf der Suche nach einem Partner.)
Partnersuche reduziert sich, so betrachtet, auch für den
eingefleischtesten Romantiker als Frage der Kommunikation. Kommunikation
kostet, wie erwähnt, Energie und Zeit, wie jeder schmerzlich aus seiner
monatlichen Telefonrechnung entnehmen kann.
Heiratsinstitute fangen mit dieser Tatsache Millionen von Singles als
Kunden. Für zum Teil horrende Gebühren versuchen sie, ihrer Klientel
weiszumachen, dass eben gerade ihr Institut oder ihre Methode der
Vermittlung eine Gewähr dafür bietet, den Partner fürs Leben zu finden,
indem sie die Suche angeblich optimieren und somit Transaktionskosten und
Zeitdauer verkürzen. Abgesehen davon, dass die Zahl der sich im Pool
befindlichen potentiellen Partner meist verschwindend gering ist, wird das
oben beschriebene Problem nicht gelöst. Der Sucher, der jetzt eventuell
zig Tausende Mark ärmer ist (böse Menschen könnten jetzt behaupten,
dass Armut den Subtrahend D in obiger Gleichung vergrößert und somit den
eigenen iP/x verändert), muss gleich dem 500-Minuten-Marathon im
Tanzlokal das »standardisierte Frage- und Antwortspiel« auf anderer
Ebene wiederholen.
Was in unserem Beispiel theoretisch 10 Minuten dauert, dauert jetzt
mindestens einen Tag, nämlich: Kontaktadresse vom Institut bekommen,
anrufen, verabreden, treffen, nein sagen, Institut anrufen. Eine Tatsache,
die die wenigsten Kunden dieser Institute erkennen. Auch das Argument,
dass man damit sichergeht, sein Gegenüber wäre frei und suche auch, ist
schwach.
Die 50jährige Witwe, die sich auf die Institutsanzeige »Zahnarzt, jung
dynamisch, mit Ferienhaus in Florida« gemeldet hat, sucht nicht den
Autoschlosser, der das viele Geld dem Institut hinblätterte. Und
umgekehrt will der »dynamische Zahnarzt« nicht die 50jährige Witwe,
sondern die 27jährige Dolmetscherin. So wird dann am Schluss die Witwe
mit dem Autoschlosser vermittelt, und beide können es sich nicht
erklären, warum sie so ein säuerliches Drücken im Magen haben.
Fatal ist noch der Umstand, dass der im Tanzlokal angesprochene
potentielle Partner im Grunde ehrlicher ist (d. h. weniger lügt) als der
über das Institut. Mehr als einen Menschen persönlich zu sehen, vermag
nämlich keine Fotografie zu bieten. Mehr als einen Menschen selbst zu
befragen, vermag keine noch so wahrhaftige schriftliche
Selbsteinschätzung.
Was jedoch noch in keiner Rechnung berücksichtigt wurde, ist die Gefahr
des Prinzips der Nichtbefriedigung. Was soviel heißt, dass jeder
partnerschaftlichen Interaktion ausschließlich die Selbstbefriedigung
zugrunde liegt und allein dieser Umstand nicht, wie allgemein irrtümlich
angenommen, die Befriedigung des Partners bedingt. Das soll heißen, was
wir mit einem Partner erleben, erleben wir als innere Werte, das
Partizipieren an den inneren Werten des anderen ist uns nicht möglich. So
erhalten wir durch unsere Partner die entsprechende Reize, wodurch unsere
eigene Erregung bis zur Befriedigung ansteigen kann.
Während ER also fragt: »War’s schön?«, denkt sie sich ihren Teil und
lügt ihn eventuell an. Auch mit umgekehrten Vorzeichen bleibt dieses
Prinzip gültig.
Besonders Frauen sind in dieser Hinsicht die Leidtragenden allzu
egoistischer sexueller Manipulation. So wurde bereits manche Ehe im Himmel
geschlossen und im Bett entschieden. So gesehen, wird alles Verstehen und
alle Liebe klein gegen den Wunsch, sexuell befriedigt zu sein.
Das Prinzip der Nichtbefriedigung ist dann auch eine weitere große
Unbekannte und verändert in fast allen Fällen den Subtrahenden D
erheblich. Dazu kommt, dass nichts stärker schwankt als gerade unsere
Einstellung zur Sexualität bzw. unsere Reaktion auf sexuelle Reize. Das
muss nicht so sein, geben wir dem Partner die entsprechenden
Informationen, die er braucht, um auch unsere inneren Werte einschätzen
zu können. Da in Tanzlokalen oder an anderen öffentlichen Orten der Kuss
eventuell möglich, nur vielleicht nicht erwünscht ist, sind wir schnell
geneigt, die visuell und verbal erhaltenen Informationen zu den
Anfangsreizen (sprich unseren inneren Reaktionen auf von außen kommende
Reize) positiv zu addieren und zu folgern: »Mehr mit dem müsste ganz
toll sein.« Leider ist dem oftmals nicht so.
Das »Superweib« muss also auf keinen Fall wie das Superweib aussehen.
Das tatsächliche Superweib hat natürlich einen Namen. In Söhnke
Wortmanns Komödie »Das Superweib«, nach einem Roman von Hera Lind,
spielt die 29jährige Wahl-Münchnerin Veronica Ferres die
Hauptrolle.
Im Fragebogen des Diners Club Magazin antwortet dann
dieses wahre Superweib, also der Mensch im Schauspieler, auf die Frage:
Was ist Ihr Lieblingsbuch? »Liebe, Lust,
Frust von Sprai.«
Bedenkt man, dass der Untertitel meines Buches lautet: Ȇber die
Unfähigkeit der Männer Frauen glücklich zu machen«, lässt sich frei
nach oben zitierter Maria Riva wirklich bestätigen, dass
die Prinzipien der Nichtbefriedigung bei schönen Frauen gefährlicher
wirken.
Die nächste Frage im selben Fragebogen lautete übrigens: »Wem möchten
Sie mal so richtig die Meinung sagen und warum?« Die Antwort: »Dem
Papst, weil er so weltfremd ist.« Dieser Superweib-Antwort ist von
unserer Seite nichts mehr hinzuzufügen.
Einen Trost gibt uns der Physiker Tipler in bezug auf unsere
Kommunikationsprobleme auf den Weg: »Ungefähr zwei Drittel der
erwachsenen Menschen werden irgendwann in ihrem Leben von einer heftigen
Leidenschaft zu einem Menschen des anderen Geschlechts ergriffen, die
nicht gegenseitig ist: Es ist das Phänomen der unerwiderten Liebe. Der
Omegapunkt (Gott, wie er im Rahmen dieser Theorie zu verstehen ist ) hat
die Macht, eine solche Leidenschaft im Leben nach dem Tod in erwiderte
Liebe zu verwandeln.« Na, bitte!
Wer sich bewusst macht, wie schwierig, ja beinahe unmöglich es ist, den
iP auf dieser Welt zu finden, wird auch das Tanzlokalbeispiel
nachvollziehen können.
In der Realität nehmen wir nämlich zuerst einmal Kontakt mit dem Kellner
oder der Serviererin auf, und dann kommt lange nichts. Natürlich suchen
wir, aber eben nicht wie im oben zitierten biblischen Sinne. Unsere Suche
ist eher innerlich.
Da war er nun gerade, dieser nette Partner: Hübsch, elegant, soviel wir
erkennen konnten, hatte er ein angenehmes Wesen usw. Bei dieser Person
wären wir sicher nicht abgeneigt, ein bisschen Informationen
auszutauschen, doch jetzt läuft er weiter, und wir verlieren ihn aus den
Augen. Das ist natürlich kein Suchen, was wir hier beschreiben, ist ein
Träumen. Doch mit wie vielen Fremden (um mit der besten Freundin bzw.
seinem Kumpel zu plaudern, brauchen wir nicht »suchen zu gehen«) nehmen
wir denn wirklichen Kontakt auf? Mit einem, zwei pro Tanzabend?
Sind wir nicht immer geneigt, auf ein Wunder zu warten? Wenn der andere
den ersten Schritt täte, nicht so forsch, sondern eher sachte, dann, ja
dann hätten wir eine reelle Chance. Aber er tut es nicht. So gehen dann
die Frauen mit ihrer besten Freundin und die Männer mit ihrem Kumpel
wieder nach Hause - unverrichteter Dinge und im Herzen einsam.
Elvira (28) aus Berlin-Friedrichshain sagte uns zu diesem Thema
exemplarisch:
»Ich habe einen 4jährigen Jungen. Da sitzt man dann irgendwo im
Straßencafé, muss sich um das Kind kümmern und versucht, die wohlige
Frühlingssonne zu genießen. Aber Kontakt bekomme ich mit niemand. Wie
denn auch? Ich kann doch als Frau nicht einfach jemand ansprechen?«
Wird sie denn ab und zu angesprochen?
»Ja, das schon. Aber da weiß ich immer gar nicht, wie ich mich
verhalten soll. Man weiß ja auch nicht, was der dann will.«
Wie war das noch: Klopfet an und es wird Euch aufgetan. Wer selbst
anklopft, je öfter desto besser, wird eine Reaktion bekommen. Der, an
dessen Tür angeklopft wird, wird aufmachen müssen, sonst bleibt es für
immer ein Geheimnis, wer draußen klopfte.
Manche Frau wird an dieser Stelle einzuwenden haben, dass die Welt voll
verheirateter Sittenstrolche, Tagediebe, geschlechtskranken
Kindesentführern und Bigamisten ist. Ohne dies jetzt wiederum
nachzurechnen, ist darauf zu erwidern: »Ja, das wird schon so sein!«
Sitzen wir in der Bar am Tresen, wird auch der reizende Wirt, der sich mit
uns den ganzen Abend unterhalten hat, um anschließend behaupten zu
können, wir hätten wieder niemand kennen gelernt, nicht ohne Fehl und
Tadel sein. Aber zu dem haben wir ein gewisses Vertrauen, weil seine liebe
Frau in der Restaurantküche steht.
Wer nicht jemandem den lieben Ehepartner ausspannen will, muss aber der
Gattung des anderen Geschlechts schon ein wenig Vertrauen schenken, sonst
klappt’s nie. Das Risiko, enttäuscht zu werden, ist immer noch besser,
als sich das ganze Leben lang zu täuschen. Und zudem: Wir wissen ja,
spätestens seit der Lektüre dieses Kapitels, den iP finden wir
wahrscheinlich nicht.
Noch einen Fehler begehen sogenannte unfreiwillige Singles bei der Suche
nach dem Superweib: Sie beißen sich am erstbesten Gesprächspartner fest.
Nach langer (meist innerlicher) Suche und nur zaghaften Versuchen, einmal
anzuklopfen, haben wir dann eines Tages eher durch Zufall jemand »kennen
gelernt«.
Natürlich kennen wir die Person, die wir kennen gelernt haben, nicht,
aber wir haben die ersten Informationen gesammelt. Es wäre nicht gut, ihn
sofort mit unseren Vorurteilen zu überschütten, etwa dieser Art:
»Mit Menschen vom Sternzeichen Fisch komme ich nicht aus.«
Oder:
»Wenn der studiert hat, mag er mich bestimmt nicht.«
Noch »besser«:
»Bei dem ist sicher etwas faul, wenn der sich mit mir abgibt.«
So geht’s nicht!
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