- - -
h Holzinger Verlag, Berlin  
 

www.holzinger-verlag/faule-eier/interview

 
 
-

Autorenberatung in Fragen und Antworten

-

»Aber Bücherschreiben ist nicht viel besser als Baumwolle spinnen, und Spinnen ist das nächste am Betteln.«
 (Jean Paul)

Kann man mit Schreiben Geld verdienen?

Fast täglich hört man von Millionen-Auflagen. Sind 100.000 Bücher wirklich so viel?

Hat es bei der Vielzahl der jährlichen Neuerscheinungen dann überhaupt noch Sinn etwas zu schreiben?

Gute Bücher werden immer gelesen. Also werden auch gute Manuskripte immer wieder verlegt. Welche Chance habe ich bei einem großen Verlag verlegt zu werden?

Habe ich bei einem kleinen Verlag größere Chancen, mein Buch verlegt zu bekommen?

Ich hoffe immer noch auf den kleinen, idealistischen Verleger, der mir eine Chance einräumt. Gibt es diesen noch oder regiert nur noch das Geld?

Nach welchen Kriterien werden Manuskripte selektiert?

Ob Formbrief oder freundliche Worte: Wie sind die Absagen der Verlage zu beurteilen?

Ist alles was abgelehnt wird schlecht?

Ich soll Verlagskostenzuschuss bezahlen. Was ist davon zu halten?

Welche Autorenzuschussvereinbarung kann ich als Schriftsteller eingehen? Wie schütze ich mich vor Betrügern?

Was man bei einer Vertragsschließung (mit Autorenzuschuss) beachten sollte.

Was man bei einer klassischen Vertragsschließung beachten sollte

Was ist von Literaturagenten zu halten?

Vielleicht sollte ich erst einmal eine Schreibschule besuchen. Was raten Sie mir?

Wie wird man zum Profi? Was machen Hunderttausende falsch?

Kann man mit Schreiben Geld verdienen?

Ein alter Spruch sagt: Der Verleger wird vielleicht Millionär, der Autor selten, der Lektor nie. In einem einzigen Jahr kamen in Deutschland 1960 22.000, 1980 67.000 und 1998 78.000 neue Bücher auf den Markt. (nach Greiner, Ulrich in »Die Zeit«, v. 23.03.2000)

Liest ein einzelner Mensch jeden Tag ein Buch, so kann er in 40 Jahren gerade einmal 14.600 Bücher lesen. Niemand ist also in der Lage, die Neuerscheinungen nur eines Jahres in seinem Leben zu lesen. Sicher ist auch, dass es in einem Jahr mindestens 52 neue Millionäre gibt. Nicht durch schreiben, sondern durch Lotto spielen. Doch wir wollen hier keine Träume vernichten.

Hier eine Beispielrechnung: Werden 100.000 Bücher eines Werkes verkauft, so ergibt dies bei einem Buchpreis von angenommenen 29,- Euro einen Umsatzbezug von netto 2.710.280,- Euro. Bei einer Autorenhonorierung von seltenen 10%, hat also der Autor vor Steuer runde 271.000,- Euro verdient. Das ist viel Geld, doch 100.000 Bücher sind eine Menge Papier, das verkauft sein will.

Fast täglich hört man von Millionen-Auflagen. Sind 100.000 Bücher wirklich so viel?

Ein 80jähriger Mann kommt zum Arzt: »Herr Doktor, mein Schulfreund erzählt mir jeden Tag, wie gut er noch beim Liebe machen sei. Doch bei mir regt sich überhaupt nichts mehr. Bitte helfen Sie mir.«

»Nichts leichter als das«, antwortet der Arzt, »behaupten Sie doch einfach das gleiche.«

Wir leben in einer Zeit der großen Zahlen. Ist der Telefonanschluß drei Mal besetzt, sagt man ärgerlich: »Ich habe bereits zwanzig Mal angerufen - immer besetzt. Ich glaube, die haben den Telefonhörer daneben gelegt.« Wer am Postschalter fünf Minuten in der Schlange steht, sagt aufgebracht zum Schalterbeamten: »Jetzt warte ich bereits eine halbe Stunde.«

Die Informationen durch TV-Sendungen haben wohl in der Regel ein superscharfes Bild. Aber nirgendwo bekommt man die Garantie, dass die Wahrheit erzählt wird. Die Wahrheit ist nämlich oftmals durch 10 oder 20, vielleicht sogar durch 100 zu teilen. Das gilt besonders bei Auflagenstärken und Buchverkaufszahlen. Man schaltet den Fernseher ein, und ein Autor erzählt von seiner Millionenauflage. Sonderbar ist nur, dass Sie als Zuschauer bisher noch nie etwas über das Buch gehört haben. Doch der »Zuschauer« schaltet den Kasten nicht ärgerlich ab, sondern glaubt, dass er eben ein Kulturmuffel sei, weil ja angeblich zwei oder drei Millionen Menschen, schon vor dieser Sendung, das Buch kannten.

Eines unserer Bücher (ein Roman) stand zehn Mal hintereinander auf der Karstadt-Bestsellerliste, gleichzeitig erschien das Buch auf der Verkaufsliste von Stielke auf Platz 10, was bedeutet hat, dass das Buch in den Bahnhofsbuchhandlungen ebenfalls auf der Bestsellerliste stand. Schätzen Sie bitte: Wie viel Bücher wurden in einem Zeitraum von fünf Jahren verkauft?

4 Millionen (Konsalik hatte weltweit über 80 Millionen)? 1 Million (das sind dann pro Monat nur 1.666 Bücher)? 500.000 mindestens, weil Karstadt ein riesiges Unternehmen ist? oder: 250.000 (obwohl Sie das kaum glauben können)?

Na, haben Sie geschätzt? Bedenken Sie bitte, es handelt sich um einen Bestseller. Es sind mindestens 40 vierfarbige Zeitungsartikel erschienen. Der Autor ist mehr als 25 mal im Fernsehen aufgetreten. Haben Sie richtig geschätzt?

Leider nein! Bundesweite wurden nämlich weniger als 200.000 Bücher verkauft. Trotzdem war diese Veranstaltung ein großer Erfolg. Da speziell dieser Autor seine gesamten Einnahmen einem Tierheim spendete, haben sich auch noch die notleidenden Tiere darüber gefreut (und nicht nur die Verleger).

Dies also zu den großen Zahlen. Natürlich werden Wörterbücher, Schulbücher, Gesetzessammlungen oder bestimmte Sachbücher mit anderen Maßstäben zu messen sein als Belletristik. Trotzdem ist es immer ratsam, nicht alles zu glauben, was behauptet wird .

Fazit: »Aus Lügen, die wir glauben, werden Wahrheiten, mit denen wir leben. (Oliver Hassencamp).« 

Hat es bei der Vielzahl der jährlichen Neuerscheinungen dann überhaupt noch Sinn, etwas zu schreiben?

Die meisten Menschen schreiben, weil sie ein Bedürfnis danach haben, ihre Gedanken niederzuschreiben. Schreiben kann helfen eigene Probleme zu verarbeiten, eigene Gedanken zu reflektieren (Tagebuch). Schreiben kann auch Hobby sein, einfach nur Spaß machen. Viele Eltern schreiben auch Geschichten für ihre Kinder. Wer jedoch schreibt, um sein Produkt zu verkaufen, verlässt diese Ebene und begibt sich in einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Die Idylle der Schriftstellerei wechselt sich ab mit dem fast panischen Gedränge eines Angebotmarktes. Vergleichbar mit einem vollbesetzten Fußballstadion, in welches 180.000 Fans drängen, um ausschließlich in der ersten Reihe noch einen Platz zu bekommen.

»Man kann die Erfahrung nicht früh genug machen, wie entbehrlich man in der Welt ist«, meinte Goethe. Hat die Schreiberei also noch Sinn oder ist es ratsamer gleich zu kapitulieren?

Gegenfrage: Wie groß ist die Chance drei Richtige im Lotto zu haben? Angenommen Sie hätten seit Beginn der Lottoziehungen beispielsweise die Zahlen 3,18,21,24,32,44 getippt, jede Woche, Jahr für Jahr. Wie viele Dreier glauben Sie erzielt zu haben? 900?, 90? oder nur 9. Die letzte Antwort wäre richtig. Neun Dreier hätten Sie mit diesen Zahlen erzielt. (Und zwar am 16.10.1955 den ersten und am 18.9.99 den letzten). Ach so, fast hätten wir's vergessen zu erwähnen: Vier Richtige wurden bisher mit diesen Zufallszahlen nie gezogen, geschweige denn mehr. Und nun halten Sie diese Tatsachen einem Menschen vor, der vergangene Woche 6 Richtige hatte. Wollen wir ihm erzählen, dass die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen gegen Null tendiert? Wollen wir ihm raten, dass es sich nicht lohnt Lotto zu spielen, weil man pro Tipp nur etwa alle vier Jahre einen Dreier hat?

Die Plätze auf den Bestsellerlisten sind so frei, wie die Millionengewinne beim Deutschen Lottoblock. Wer seine Gewinnerwartung nicht zu hoch setzt, kann freudig überrascht werden. Wer mit Gewinn rechnet, wird sich die Wahrscheinlichkeiten vorrechnen lassen müssen.

Gute Bücher werden immer gelesen. Also werden auch gute Manuskripte immer wieder verlegt. Welche Chance habe ich bei einem großen Verlag verlegt zu werden?

Sie haben eine Chance, das ist unbestritten. Irgendwelche Manuskripte werden jährlich zu Büchern verarbeitet. Aber was ist ein gutes Buch? Messen wir es nach verkauften Exemplaren (Bestseller), so gibt es wenig zu streiten, wir müssen nur die Verkaufszahlen vergleichen. Hohe Verkaufszahlen sichern oder erhöhen den Gewinn. Welches Buchmanuskript nun gute Verkaufszahlen erzielen wird, ist eine Spekulation des Verlages. Spekulieren wir mit!

Wir betreten ein großes Verlagshaus.

Versetzen Sie sich nun in die Lage eines Unternehmers. Verleger sind nämlich nichts anderes als Unternehmer. Ein Krämer ist jedoch kein Mäzen, wie schon Goethes Verleger Goeschen formulierte.

Doch zurück in unsere Geschichte: Sie haben verschiedene Manuskripte, alle spannend und gut geschrieben. Ein paar Bücher sind von ausländischen Autoren, haben z.B. in den USA ein Millionenpublikum begeistert. Der Verleger kann sich ausrechnen, dass alleine die Werbeaussage: »Bereits 5 Millionen mal in den USA verkauft«, sich auszahlen wird. Ein paar Anfragen bestehen von irgendwelchen Gauklern, Serienstars, Talkmeister und Moderatoren. Vielleicht, so wird der Unternehmer denken, ist es rentabler ein Kochbuch von einem TV-Star, den bereits 40 Millionen Menschen kennen, herauszubringen, als den Gedichtband von Marlies M. aus Hohenasperg. Keine Frage, der Gedichtband dieser Hausfrau ist wertvoll und mit viel Liebe geschrieben. Aber das müssten man nun einem überforderten und desinteressierten Publikum erst einmal klar machen. Das Kochbuch ist noch gar nicht geschrieben. TV-Star XY kann überhaupt nicht schreiben, doch er kennt einen Journalisten, der ihm die 100 Seiten innerhalb von 10 Tagen zusammenschmiert. Natürlich kann niemand nach diesen Rezepten gut kochen, geschweige denn, das Resultat essen. Aber der Typ ist beliebt, bekannt und hat Erfolg bei Frauen.

Nun liegen noch ein paar Manuskripte von bekannten Politikern vor und etliche Manuskripte von Professoren, Wissenschaftlern, Nobelpreisträgern, Theaterkritikern, erfolgreichen Unternehmern und zahlreichen Journalisten. Die Qual der Wahl drückt auf die Stimmung. Man ist den Aktionären oder Teilhabern verpflichtet. Die Bilanz der letzten Jahre war nicht gerade gut, jetzt sollte man möglichst kein großes Risiko eingehen.

Den Gedichtband von Marlies M. hat man nun bereits zur Seite gelegt. Auf einem Wagen, draußen vor der Tür, liegen noch 2.000 Manuskripte. Die Lektoren der einzelnen Bereiche haben Sie nach Inhalt, Art und Form aufgelistet. Wie würde jemand entscheiden, der seine letzten 10.000,- Euro von seinem Sparbuch riskieren muss? Wie entscheidet sich dieser Verleger?

Eine Sekretärin hat einem Präsidenten die Hose geöffnet und will in ihrem Buch endlich einmal sagen, wie sie diese Sache sieht. Danach haben Sie das Kochbuch genommen (Sie müssen ja nichts danach kochen.). Natürlich kennen Sie niemand, der nach solchen Kochbüchern zu kochen versucht, aber als Geschenk taugt es immer. Und so geht es weiter. Ein paar Titel sind jetzt noch frei. Die Marketingabteilung berichtet, dass gerade Bücher von Flugzeugkatastrophen groß im kommen sind. Zwanzig Romane der 2.000 handeln von Flugzeugkatastrophen. Diese hat man nun zur Auswahl, der vorhandene Etat reicht nur noch für fünf Titel. Der Chef-Lektor hat aus diesen Titeln zehn ausgewählt. Die Vertreter meinen, es müssten Bilder drin sein. Wenn man die Rechte für die Bilder kaufen wollte, könnte man nur noch vier Titel verlegen. Der Chef lässt sich eine Tasse Kaffee bringen.
Schnitt! Kamera aus!

Vielleicht entscheidet man sich nun für Ihr Buch. Jetzt haben Sie Ihre Chance!

Ach so, entschuldigen Sie bitte, wir konnten ja nicht wissen, dass Sie einen Roman über einen Schäferhund geschrieben haben. In einem anderen Verlag zur gleichen Zeit, sagt gerade die Marketingabteilung, dass Tierbücher ganz groß im kommen sind. Schade nur, dass Ihr Manuskript im falschen Verlagshaus liegt.

Fassen wir zusammen: Es ist für einen Verlag risikoloser auf »fahrende Züge« aufzuspringen, als selbst Buchprojekte zu konzipieren und auf den Weg zu bringen. Die »Neuentdeckungen«, die dann noch veranstaltet werden unterliegen einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Ein großer und bekannter Verleger wurde gefragt, nach welchen Kriterien er seine Auswahl vornimmt. Er antwortete: »Ich schlage mir das Manuskript auf den Hinterkopf.« Etwas Wahres wird an dieser Aussage dran sein. Doch das Manuskript muss erst einmal in seine Hände kommen. Was bedeutet, dass man auf dem beschriebenen Wagen mit den geschätzten 2.000 Manuskripten liegen muss. Pförtner, Volontäre, Verlagsassistenten und bestenfalls Lektoren haben im Eilverfahren davor gnadenlos selektiert. Wie diese Selektion aussieht, beantworten wir weiter unten.

Habe ich bei einem kleinen Verlag größere Chancen, mein Buch verlegt zu bekommen?

Es ist klar, dass die größten Verlage die meisten Angebote bekommen. Die eingereichten Manuskripte werden in Tausendern gezählt. Je kleiner ein Verlag, desto größer ist also die Chance, dass sich wirklich jemand mit Ihrem Manuskript beschäftigt.

Je kleiner ein Verlag, desto direkter ist der Weg zum Entscheidungsträger. Es ist eine Binsenweisheit, dass Verlagshäuser ohne Pförtner diesen nicht zur Selektion der Manuskripte einsetzen können. Kleinen Verlagen bleibt in der Regel nichts anderes übrig, als selbst Buchprojekte zu konzipieren und auf den Weg zu bringen. Die »fahrenden Züge«, die Selbstläufer aus dem Ausland oder in Bezug auf die Prominenz des Autors, machen um die Büros der kleinen Verlage einen großen Bogen. Der Autor steht somit im Auswahlverfahren der »Verleger« nicht mehr in Konkurrenz mit Schreibern, gegen die er aus rein merkantilen Erwägungen keine Chance hat.

Aber kleine Verlage haben weniger Macht und Mittel ihre Bücher in den Markt zu drücken. Das ist der Grundsatz. Der Umkehrschluss ist aber unzulässig. Wer die Macht und Mittel hat, braucht sie nicht zwingend gerade für Ihr Buch einzusetzen.

Autoren sollten trotzdem grundsätzlich oben in der Hierarchie der Verlage mit ihrer Akquisition beginnen und nie unten.

Ich hoffe immer noch auf den kleinen, idealistischen Verleger, der mir eine Chance einräumt. Gibt es diesen noch oder regiert nur noch das Geld?

»Ideale haben merkwürdige Eigenschaften, unter anderem die, dass sie in ihr Gegenteil umschlagen, sobald man sie verwirklicht«, möchte man Robert Musil zitieren. Dazu eine kleine Geschichte: Vor vierzehn Jahren stand unser Verlag mit zehn kleinen anderen Verlegern in Verbindung. Die Idee war, sich zu einem losen Verband zusammenzuschließen, einen gemeinsamen Verlagsvertreter einzustellen usw. Schon nach kurzer Zeit kristallisierte es sich heraus, dass die Unterschiede der jeweiligen Verlegerpersönlichkeiten gravierend waren. Es gab Verleger, die »nebenher« irgendwo unselbständig arbeiten gingen, und ihren »Bauchladen-Verlag« von ihrem Gehalt finanzierten. Andere hatten bereits vier oder fünf Halbtagskräfte beschäftigt und appellierten bei der Lohnzahlung an den Idealismus ihrer Mitarbeiter. Wieder andere waren eher Künstler, Literaturkritiker, verhinderte Lektoren als Kaufleute. Nur wenige sahen das Buch als Ware. Nach einer zähen Diskussion brachen wir die Verhandlungen ab und notierten uns die Namen dieser Idealisten. Heute gibt es keinen einzigen dieser Wohltäter mehr. Vielleicht war unseren Autoren mit etwas Geschäftssinn mehr geholfen, weil wir ihre Werke nach wie vor lieferbar halten können.
Fazit: Wer die meisten Trinkgelder gibt, geht bankrott. Wer aber bankrott ist, wird überhaupt keine Trinkgelder mehr geben können. Die Freude einen idealistischen Verleger zu treffen, ist so für manchen Autoren leider nur kurz.

Es würde zu weit führen, die Grundsatzdiskussion über die moralische Verwerflichkeit, dass Geld die Welt regiert, an dieser Stelle zu führen. Nur soviel geben wir zu bedenken, regiert das Geld nicht, regieren Funktionäre, Verteilungspläne, Kommissionen, Mängellisten und dann immer auch bald Stacheldraht und Gewehre. Vielleicht hätten gerade Sie sich an einer Stelle ihres Manuskripts ungeschickt ausgedrückt. Es gab in Europa und besonders in Deutschland viele »Idee«-Anhänger, die Sie für einen einzigen missverständlichen Satz in ein Arbeitslager gesteckt hätten.

Nach welchen Kriterien werden Manuskripte selektiert?

Vordergründig ist dies einfach zu beantworten und trifft für Verlage jeder Größenordnung zu: Dem Grunde und dem Grade nach. Was heißt das?

Es spielt keine Rolle, welchen Qualitätsgrad Ihr Manuskript hat, der »Wissenschaftsverlag« verlegt Ihren Liebesroman nicht. Es braucht nicht darüber spekuliert werden, welche Marktchancen Ihr Bildband über die Kunst des 18. Jahrhunderts hat, der Taschenbuchverlag wird dafür keine Produktionskapazitäten haben. So wird das Unternehmen, das sich auf den Ankauf von Lizenzen spezialisiert hat, Ihr Manuskript bereits vom »Pförtner« zurückschicken lassen, da es ja keine eigenständigen Veranstaltungen unternimmt. Ein anderes Unternehmen hat seine Produktionspalette im Sommer des vergangenen Jahres festgelegt, die Manuskripte häufen sich aber so, dass man eigentlich für die nächsten fünf Jahre ausgebucht wäre. Irgendwann (aus reinen Kapazitätsgründen) wird die Anweisung kommen, alle weiteren Manuskripte mit Formschreiben »A1« zurückzuschicken. Ist die Grundlage also nicht vorhanden, gleicht der Autor einem Hijacker, der ein Segelflugzeug kapert, um sich nach Kuba abzusetzen. Sie werden lächeln. Die Post AG macht einen riesigen Umsatz mit blind versandten Manuskripten, die in irgendwelchen Verlagshäusern landen und (ist ausreichend Rückporto beigefügt) postwendend zurückgeschickt werden. Das Prinzip der Autoren lautet oft: Klappe auf, Affe rein, Klappe zu, Affe tot.

Wer glaubt, dass die eigentliche Arbeit eines Schriftstellers das Schreiben ist, der irrt.

Ja, natürlich macht es Mühe, herauszufinden was die einzelnen Verlage unternehmen, wie ihre Programme sind usw. Der Generation der Zapper, die täglich die Wahl zwischen 34 Fernsehkanälen per Fernbedienung hat, ist es schwer klar zu machen, dass die Götter eigentlich vor alles den Schweiß gesetzt haben. Wer glaubt, dass die eigentliche Arbeit eines Schriftstellers das Schreiben ist, und seine Vermarktung mit ein paar Kopien und Postpaketen erledigt wäre, der irrt. Die Arbeit fängt jetzt erst an. Haben Sie als Autor keinen Prominentenfaktor, keine Marktlücke und keinen Pressebonus, so kann man ohne weiteres mit einem Faktor 1:5 rechnen. D.h. benötigt der Autor 500 Stunden für die Schreibarbeit, so hat er etwa 2.500 Stunden für die Vermarktung seines Manuskriptes aufzuwenden. Dass Profis unter den Schreibern, einen großen Teil ihrer Vermarktungstätigkeit vor die eigentliche Schreibarbeit setzen, steht auf einem anderen Blatt. Diese Lektüre beschäftigt sich jedoch mit Autorenberatung, und es ist leider üblich, dass die Manuskripte, wenn man Beratung sucht, bereits in der Schublade liegen.

Kommen wir zur Selektion dem Grade nach. Wir nehmen an, dass die Grundlagen für einen Autorenvertrag gegeben sind. Sie stehen als Autor jetzt »nur« noch in Konkurrenz zu Autoren mit dem Prominentenfaktor null und keinem vorhandenen Pressebonus, was so viel bedeutet, dass Sie unter Marketinggesichtspunkten so unbekannt sind wie die legendäre Kirchenmaus. Die Frage der Marktlücke ist bereits beantwortet, und der Lektor würde nun gerne Ihr Manuskript zur Verlagnahme vorschlagen, vorausgesetzt es erscheint ihm dem Qualitätsgrad nach geeignet. Wir schreiben hier mit Absicht nicht von »gut« oder »schlecht«, denn Schopenhauer schrieb bestimmt »gut« und trotzdem sieht man so viele Menschen in der U-Bahn die Bild-Zeitung lesen. Haben Sie die beiden Bände »Die Welt als Wille und Vorstellung« bereits gelesen, und sind gerade bei den Bänden »Parerga und Paralipomena«, so sind Sie natürlich entschuldigt. Die über 700 Seiten der kleinen Schriften können Sie ja ein anderes Mal lesen.
Ja, es ist einfacher sich alle Musikstücke eines Genies wie Mozart anzuhören, als sich der Werke eines genialen Schriftstellers zu bemächtigen. Die Kunden in den Zeitungsläden kaufen dann auch überwiegend die »schlechten« Zeitungen, und es ist zu vermuten, dass es nicht am Preis dieser Zeitungen liegt. Ein Lektor hat während seines Studiums vieles gelesen. Vielleicht hat er sogar einen Lieblingsschriftsteller, vielleicht kann er nach 10 Jahren Verlagsarbeit keine Bücher mehr sehen. Wie dem auch sei, einigen wir uns darauf, dass er kein Übermensch ist. Glauben Sie ferner einem Kenner der Szene, dass unser kleiner Lektor wahrscheinlich in einem Büro sitzt, in das man keinen Hund einsperren dürfte, weil es ein Verstoß gegen das geltende Tierschutzgesetz wäre. Glauben Sie bitte auch, dass dieser Mensch, auf den Sie persönlich so große Hoffnungen setzen, ein Telefon hat und dieses ständig klingelt. Das ist nun mal so, wenn Autoren telefonisch nachfragen, ob ihr Manuskript angekommen sei. Wie lange braucht man jetzt schätzungsweise ein Manuskript durchzulesen? Der Autor erwartet ja schließlich, dass man seiner Arbeit gerecht wird.
Vielleicht wäre er bereit Änderungen vorzunehmen, vielleicht könnte man mit ihm darüber reden, dass er auf sein Honorar verzichtet, sicher wäre er damit einverstanden, dass sein Werk von einem Fachmann gänzlich überarbeitet würde, doch wüsste er, dass dieser »arrogante« Lektor nur ein paar Minuten in sein Manuskript schaut, um sich einen Überblick zu verschaffen, die blanke Wut würde ihn packen.
Wohl gemerkt: Unser Lektor ist am Selektieren.

  • Er hat nicht vor, handwerkliche Fehler in Ihrem Manuskript zu beseitigen.

  • Er recherchiert für Sie die Geschichte nicht zu Ende.

  • Er rümpft über Ihr schlechtes Deutsch nicht die Nase.

  • Und, er selbst kann keine Eier legen, aber er hat ein untrügliches Gefühl dafür, wenn eines faul ist.

Und nun halten Sie sich bitte fest: 50% aller uns eingereichten Manuskripte, sind handwerklich derart miserabel, dass, wollte man sie verbessern, die gesamte Geschichte neu geschrieben werden müsste.
Wer einmal etwas von der Gausschen Verteilungskurve gehört hat, wird nun einwenden, dass solche Entscheidungen und Urteile an den Rändern zwangsläufig unscharf sein müssten. Das kann nicht bestritten werden. Das Selektionsverfahren ist dem alltäglichen menschlichen Irrtum unterlegen. Eine geringe Anzahl von Manuskripten wird dadurch als »handwerklich schlecht« bewertet, obwohl der zweite Blick den Irrtum aufdecken würde, und wie zum Ausgleich werden einige Manuskripte durch diese »Zensur« kommen, obwohl man sie eigentlich dem Feuer übereignen müsste.

Vielleicht schlägt der Lektor sich Ihr Manuskript auf den Hinterkopf

Unser Lektor atmet jetzt erst einmal auf, hat er doch die Hälfte seiner Arbeit bereits getan. Die restlichen Manuskripte haben nun die Chance, dass sie quer gelesen werden. Kuriose Blüten kommen dabei zu Tage. Dramaturgische Mängel und kleinere Fehler im Aufbau, werden jetzt übergangen, ist alles irgendwie interessant und bekommt die Geschichte einen guten originellen Schluss. Doch wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe. Da verlaufen gut angelegte Geschichten im Sande. Da beschreibt der Autor eine »Rutsche«, indem er schreibt: »Wir haben hier eine Rutsche. Dies ist der erste Meter der Rutsche, nun kommt der zweite Meter der Rutsche...« (Spätestens jetzt kommt das Manuskript in den Postausgang.) Den dritten Meter der Rutsche, wartet der Lektor nicht ab. Von 100 Manuskripten bleiben nun noch etwa 10 übrig. Wir wollen jetzt annehmen, dass diese 10 Manuskripte gut sind. Alle zehn könnte man verlegen, für alle zehn hielte sich die Spekulation einer Neuemission auf dem hart umkämpften Buchmarkt in Grenzen. Fünf dieser Manuskripte schlägt nun der Lektor der Verlagskonferenz vor. Welche fünf?, werden Sie fragen. Wir wissen es nicht. Vielleicht schlägt er sie sich auf den Hinterkopf. Vielleicht fragt er einen Volontär im ersten Monat.

Wer dann die letzte Hürde, die Verlagskonferenz, überstanden hat, kann sich be-GLÜCK-wünschen.

Wir wissen nicht, ob der Vertriebsleiter etwas gegen Schäferhunde hat, der Marketingchef heute morgen in den Kot getreten ist, und deshalb nun mit betriebswirtschaftlichen Argumenten erklärt, dass Hunderomane keine Chance haben. Seien Sie froh, dass Sie sich die vielen Reden und Gegenreden nicht anhören müssen. Und trösten Sie sich mit dem Gedanken, dass Sie eventuell den gleichen Vornamen haben, wie der Lieblingsenkel des Chefs. Dass seine Entscheidung deshalb auf Ihr Manuskript gefallen ist, wird er nicht zugeben, aber Sie werden sowieso nur als Bestsellerautor die Gelegenheit haben mit ihm am kalten Büfett zu stehen.

Sie werden sich fragen, wie dies alles bei einem kleinen Verlag aussieht. Sie haben vielleicht die Vorteile mit dem Bauchladenbesitzer selbst zu reden. Sie können sich auch einbilden, dass Sie ihm telefonisch schon eine Menge Argumente geliefert haben, warum er gerade Ihr Manuskript in die nähere Entscheidung ziehen muss. Doch seien Sie sich darüber im Klaren, alle Stufen der Entscheidungsfindung geht dieser Verleger wie oben beschrieben durch. Vielleicht findet die Redaktionskonferenz dann im ehelichen Bett des Verlegers statt, Ihnen als Autor hilft es wenig. Gehören Sie zu den 50% der Vorab-Selektion, so wird er es Ihnen nicht sagen. Fallen Sie beim Querlesen durch das Raster, so wird er eventuell von Mängeln sprechen, aber insgesamt andere Kriterien vorbringen. Schickt er Ihr Manuskript aber zurück, weil er die Qual der Wahl hatte, so trösten Sie sich mit der alten Trapper- und Fallenstellerweisheit, die da heißt: »Einmal fängst du den Bären, ein andermal er dich.«

Doch keine Angst vor wilden Tieren! Die meisten Autoren warten mit dem Schmetterlingsnetz vor dem Hühnerstall. Die Chance, einen Bären zu fangen ist deshalb gleich Null. Die Gefahr, dass der Bär sie einfängt, ist proportional ein mental Vielfaches.

Ob Formbrief oder freundliche Worte: Wie sind die Absagen der Verlage zu beurteilen?

Lehnt ein Verlag ein Manuskript ab, bietet Ihnen jedoch mit gleicher Post einen Vorvertrag an, das Werk in zwei Jahren zu verlegen, so lohnt es sich dieses Angebot zu prüfen. Alles andere brauchen Sie sich nicht durchzulesen.

Mit der heutigen Computertechnik können Sie einen Formbrief, zusammengesetzt aus fertigen Textbausteinen sowieso nicht mehr von einem individuellen Antwortschreiben unterscheiden. Ärgern Sie sich also nicht über die angekreuzte Rückantwort, sie ist vielleicht ehrlicher als ein Brief, der den Eindruck von Individualität vermittelt.

Natürlich sieht die Welt für wenige Minuten ganz anders aus, fängt der Absagebrief mit den kleinen Wörtern an »Wir bedauern sehr...« oder mit einem »Leider sind wir derzeit...«. Immer folgt eine Absage. Sagt Ihnen eine freundliche Lektorin am Telefon, dass sie »selten so etwas Interessantes, Spannendes, Gutes gelesen hätte«, dass sie sich aber in der Verlagskonferenz oder beim Chef oder bei den übrigen Lektoren nicht habe durchsetzen können. So heißt das nur, dass sie den »schwarzen Peter« an eine für den Autor unerreichbare graue Masse abgibt. Sie brauchen diese Beurteilung noch nicht einmal im nächsten Manuskriptangebot zu erwähnen, sie wäre das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht.

Schreibt ein Verlag, dass das Manuskript nicht in die Programmstruktur passt, so besorgen Sie sich, wenn Sie selbstquälerisch des Pudels Kern wirklich ergründen wollen, den entsprechenden Verlagsprospekt. Gute Autoren haben dies bereits zuvor geprüft (siehe oben). Nun entscheiden Sie selbst.

Vielleicht schreibt der Verlag aber auch, dass die Kapazitäten erschöpft wären. Nun könnten Sie ja der irrigen Ansicht sein, dass Sie im nächsten Jahr eine reelle Chance hätten. Vergessen Sie's! Alle Verlage können über den Tellerrand hinausblicken. Wäre man der Ansicht, dass Ihr Manuskript im nächsten Jahr eine Chance hätte, so würde man versuchen Sie vertraglich zu binden. Damit die Autoren erst gar nicht ins Hoffen kommen, schreiben pfiffige Verlage deshalb: »Unsere Kapazität ist über Jahre hinaus ausgeschöpft...«, was heißen soll, verschonen Sie uns im nächsten Jahr mit dem selben Mist.

Ist alles was abgelehnt wird schlecht?

»Man spricht vergebens viel, um zu versagen; der andere hört von allem nur das Nein.« (Goethe)

Wir selbst haben einmal einem Autor geschrieben: »Ihr Manuskript könnte man an der einen oder anderen Stelle bestimmt noch verbessern. Und dies in jedem Satz.« Sicher hätte er sich noch mehr gefreut, hätten wir ihm die schätzungsweise 2.000 Änderungsvorschläge mitgeteilt. So hat er sich wahrscheinlich über diese »arroganten Verleger« nur geärgert. Diese etwas freche Antwort bedeutet jedoch noch lange nicht, dass das, was der Schreiber zu Papier gebracht hat, schlecht war. Ist eine Tagebucheintragung schlecht? Sicher doch nicht. Sie erfüllt ihren Zweck. Viele Liebesbriefe strotzen wahrscheinlich vor grammatikalischen und sonstigen Fehlern. Sind sie deshalb schlecht? Die Ablehnung eines Verlages bedeutet zuerst: Der Verlag sieht keine Chance dieses Manuskript zu vermarkten.
Diese Feststellung sagt weder aus, ob der ganzen Schreiberei einen Hang zur Weltliteratur innewohnt, noch dass nur ein einziger Satz irgendeine allgemein verbindliche Grundlage hätte.

Schreiben hat einen Selbstzweck. Schriftstücke sind immer geronnene Gedanken. Schreiben, Malen und Musizieren sind eine der graduell hervorragenden Merkmale, die den Menschen vom Tier unterscheiden. Im Hinblick darauf, wie flüchtig der Mensch und seine Gedanken sind, ist Kunst die einzige Form unsere Gedanken weiterleben zu lassen.
Was Verleger ablehnen sind potentielle Produkte für den Markt. Niemand in einer pluralistischen Gesellschaft wird Erfolg planen können. Zu viele unbekannte Faktoren spielen eine Rolle. Als würde man die Bewegungen eines Mobile, das von der Decke herabbaumelt berechnen können, versuchen die Marktforscher den Verlauf eines Produktes einzuschätzen. Ihre Spekulationen gehen oft daneben, doch wer wird es ihnen verübeln, wenn sie auf Grund von gewonnenen Erfahrungen ihr gutes Geld nicht verlieren wollen und sich deshalb so entscheiden wie sie sich entscheiden.

Wer meint, dass der potentielle Käufer sich zukünftig so oder so verhält, spekuliert. Auch die größten Konzerne, die besten Marktforscher liegen bei ihren Analysen oft daneben (im Verlagswesen spricht man von bis zu 80%). Die 20% der richtigen Prognosen müssen nun die Verluste wieder übertreffen. Wer dies verstanden hat, den wird der Zusammenbruch ganzer Verlagsimperien nicht mehr überraschen.

Das Buch als Kulturgut, als edles Gerinnungsprodukt eines einzigartigen Gedankenganges verschwindet, betrachtet man die Sache auf dieser Ebene. Bücher und Papiertaschentücher unterscheiden sich lediglich dadurch, dass Marcel Reich-Ranicki die einen manches Mal kommentiert, die anderen wahrscheinlich noch nicht einmal benutzt.

Ich soll Verlagskostenzuschuss bezahlen. Was ist davon zu halten?

Der Verlagskostenzuschuss wird in unterschiedlicher Form erhoben. Es gibt so viele Varianten, wie es Verlagsunternehmen gibt. Die klassische Verlagnahme beinhaltet, dass ein Verleger dem Schriftsteller die Kosten der Buchproduktion und des Marketings vorlegt. Der Autor bezahlt nichts, sondern bekommt für die Übertragung des Nutzungsrechts ein Honorar. Wir haben bereits oben den spekulativen Charakter solcher Veranstaltungen skizziert. Ein Verlagskostenzuschuss heißt nichts anderes, als dass der Verleger das Risiko (die Spekulation) auf den Autor abwälzt. Diese Lastenverteilung kann zum Teil oder in Gänze erfolgen, je nach dem wie das Projekt konzipiert ist.

Der Schriftsteller (Schrift kann so und so gestellt werden) ist normalerweise von seinem Werk überzeugt und versucht einen Verleger zu finden, der in sein Werk investiert. Nur ein Betrüger würde einen anderen dazu überreden wollen, in sein Projekt zu investieren, wenn er nicht selbst davon überzeugt wäre, dass dieses, sein Projekt, Chancen auf Erfolg hätte. Moralisch gesehen ist also an einer Risikostreuung zwischen Verlag und Autor nichts Verwerfliches.

Wer es sich als Schriftsteller leisten kann und die Risiken kennt, kann sich über die Meinung sämtlicher Lektoren, Literaturkritiker und Marktanalysten hinwegsetzen und sein Werk auf den Markt bringen. Für alle, denen der Kampf um die Gunst der Verlage für eine klassische Verlagnahme zu mühsam oder zu aussichtslos erscheint, steht dieser Weg grundsätzlich offen.

Doch die Gefahren liegen im Detail. Was ist zu unterscheiden?

  • Es gibt Verlage, die jede Autorenbeteiligung grundsätzlich ablehnen, weil nur die klassische Verlagnahme eine volle eigenverantwortliche Nutzungsrechtverwertung gewährleistet. Jede Beteiligung des Autors setzt den Verleger in ein anderes Rechtsverhältnis, was manche Unternehmen aus verständlichen Gründen ablehnen.

  • Und es gibt Verlage (wir gehören dazu), die sowohl klassisch- als auch mit Kostenbeteiligung der Autoren verlegen. Will ein Verlag Autorenbeteiligung, bzw. Kostenzuschuss (bei uns sind das etwa 50% aller Verlagnahmen) so bedeutet dies, dass er nicht bereit ist, das Risiko zu übernehmen. Der Verlag schätzt die Neuemission schlechter ein, als die Bücher, die er bereits ohne Beteiligung verlegte.
    Die Höhe der Autorenbeteiligung schwankt dann auch zwischen 25 und 100% der kalkulierten Kosten. Trotz der geringeren kaufmännischen Risiken sind uns Bücher, von denen wir von Anfang an überzeugt sind, und für die wir eine Marktlücke zu erkennen glauben, die liebsten. Dass wir dabei richtig liegen, bestätigt unsere 20jährige Erfahrung. Von allen klassischen Verlagnahmen (ohne Autorenbeteiligung) haben wir bis zum heutigen Tage bei 95% richtig gelegen und schreiben für die jeweiligen Projekte schwarze Zahlen. Dagegen stehen ganze 20% der Veranstaltungen, bei denen eine Risikobeteiligung von den Autoren verlangt wurde, die heute für den Schriftsteller einen Verdienst darstellen. (D.h. der jeweilige Autor hat seinen Verlagskostenzuschuss vollständig zurück und kann noch einen Gewinn für sich verbuchen.) Wer diesen Vergleich verstanden hat, wird den Sachverstand dieser »arroganten Verleger und Lektoren« in einem etwas anderen Licht sehen.

  • Nun gibt es noch Verlage, die ausschließlich Autorenbeteiligung verlangen. Man spricht von Dienstleisterverlagen. Sie haben zum Teil gute Lektoren, die die eingereichten Manuskripte (wenn irgendwie möglich) verbessern. Der Verlag lebt von der Differenz der Autorenzuschüsse und seinen Produktionskosten. Damit lebt es sich im Allgemeinen gut. Wer sein Geld aber als Händler zwischen Hersteller und Autor verdient, läuft die Gefahr in der Beurteilung der eingereichten schriftstellerischen Werke etwas zu großzügig zu sein. Das eingereichte Manuskript ist gut, sehr gut, empfehlenswert, ausgezeichnet, beachtenswert, usw. Bei soviel Lob bedarf es eigentlich nur noch einer Randbemerkung, dass der Autor noch einen größeren finanziellen Beitrag zu leisten hätte.

Welche Autorenzuschussvereinbarung kann ich als Schriftsteller eingehen? Wie schütze ich mich vor Betrügern?

Laut Strafgesetzbuch ist der Tatbestand des Betruges dann erfüllt, wenn falsche Tatsachen vorgespiegelt werden, um daraus einen Vermögensvorteil zu erzielen. Wohlgemerkt, wichtig ist der Vermögensvorteil und das Vorspiegeln falscher Tatsachen.

Schreibt ein Lektor »Ihr eingereichtes Manuskript ist hervorragend und verdient unsere höchste Bewunderung«, so ist das lediglich eine nicht strafbewehrte Lüge. Eine Vorspiegelung falscher Tatsachen wird dem Lektor nicht angelastet werden können, weil die Güte von schriftstellerischen Produkten und ihre Beurteilung jeder bewerten kann, wie es ihm beliebt. Es sei denn, Sie weisen nach, dass Sie nur eine Rolle Toilettenpapier eingereicht haben. Hält der Verlag nun seine vertraglichen Verpflichtungen ein, so wird man im weiten Rahmen der Vertragsfreiheit nicht mehr von Betrug sprechen können.

Ob der Schriftsteller dann sein Ziel erreicht, nämlich sein Werk einer möglichst großen Leserschaft nahe zubringen und eventuell noch ein kleines Honorar zu verdienen, steht auf einem anderen Blatt.

Lassen Sie uns erst auf die tatsächlichen Betrüger unter den Verlegern eingehen.

Eine Autorin von uns, wir nennen sie Marlies N., hatte bereits mehrere kleine Gedichte veröffentlicht. Von etwa zwanzig eingereichten Gedichten erklärten wir uns bereit, fünf abzudrucken, wenn sie dafür 10 Bücher dieser Anthologie kaufe. Für Marlies N. ein annehmbares Geschäft, weil man zehn Bücher z.B. auch zu Weihnachten verschenken kann. Voller Stolz rief sie uns wenige Tage nach dem Erscheinen dieser Anthologie an, und wollte nochmals 10 Bücher käuflich erwerben. Da Sie von uns auf jedes Buch Rabatt bekam, machte sie noch ein kleines Geschäft. Sie hatte nämlich bereits 20 Bücher in ihrem Bekanntenkreis verkauft. Wer verdient schon für nur fünf Gedichte 200,- Euro, mag sich unsere Autorin gefreut haben, und reichte uns alsbald ein ganzes Buch ihrer Gedichte ein. Wir schrieben ihr, dass wir keine Marktchancen sähen, und machten ihr ein Angebot mit einer Kostenbeteiligung von ca. 3.000 Euro. Das war für sie zuviel Geld. Dazu schrieb der Verleger noch eigenhändig kritische Anmerkungen und war von dem schriftstellerischen Werk alles andere als überzeugt.

Wie schön und wohlklingend las sich, im Gegensatz dazu, der Brief eines anderen Verlages. Das Werk wäre bewundernswert und von allerhöchster Qualität. Die Verlegerin freute sich riesig mit der hochbegabten Autorin in Verhandlungen treten zu dürfen. Frau N. fühlte sich endlich verstanden. Natürlich wollte Sie zu einer solchen wichtigen Verhandlung nicht alleine gehen, sondern nahm ihren anfangs noch recht skeptischen Gatten mit.

Die Vertragsverhandlungen fanden im ersten Hotel am Platze statt. Die Verlagsfrau scheute keine Kosten und Mühe, ihre Gäste zu bewirten. Sie schwärmte von den großen Festen, die ihr Verlag eben in diesem Hause veranstaltete und war voll des Lobes über soviel vermeintlich schriftstellerisches Talent. Nun begannen die eigentlichen Vertragsverhandlungen. Autorenzuschuss? Aber nein, bei diesem Verlag mussten doch die Autoren nichts zuzahlen. Eine kleine Gegenleistung wurde jedoch verlangt. Die Autorin musste einen Kredit bei einer Bank aufnehmen und der Verlag würde dann die laufenden Raten des Kredits aus den Bucherlösen zahlen. Marlies N. hätte sofort unterschrieben, doch ihr Mann blieb skeptisch. Er nahm den Autorenvertrag mit und ließ ihn von einem Rechtsanwalt überprüfen. Es soll nun Rechtsanwälte geben, die den ganzen lieben langen Tag nur Verkehrsrecht machen. Wir wissen nicht, was dieser Rechtsanwalt sagte, sicher ist nur, dass er unter zivilrechtlichen Aspekten nichts fand, was zu beanstanden gewesen wäre. So wurde der Vertrag unterschrieben. Die Sparkasse vergab einen Kredit und überwies die Kreditsumme von annährend 8.000,- Euro an den Verlag mit der sachverständigen und so höflichen netten Dame. 

Aus einem anderen Anlass trafen wir irgendwann den Mann unserer Autorin. Voller Stolz erzählte er uns diese vermeintliche Erfolgsgeschichte seiner Frau. Unsere erste Frage war: Wo ist das Buch? Das käme nächsten Monat heraus. Unsere zweite Frage, ließ seine Gesichtszüge entgleisen: Von welchen Bucherlösen soll denn dieser Kredit abbezahlt werden? Na, von den Erlösen des Buchverkaufs eben.

Das Datum der groß angepriesenen »Buchtaufe« rückte näher. Marlies N. nebst Gatten erhielten eine goldrandige Einladung und ein kleines Schreiben, dass auf Grund drucktechnischer Verzögerung, ihr Buch erst bei der nächsten Feier vorgestellt würde. Jetzt wolle man sich nur einmal gemeinsam treffen und die weiteren Strategien besprechen.

Sagen Sie selbst, ist es nicht schön mit seinem Verleger bereits die TV-Sendungen durchzugehen, in denen man im nächsten oder übernächsten Monat auftritt? »Ich wollte Sie bei Biolek unterbringen. Wäre es Ihnen am 1. Dienstag im September recht. Ich kann den Termin natürlich auch auf Oktober verschieben.« Bei solchen Sprüchen vergisst man leicht ein paar Nebensächlichkeiten. Man hat noch kein Buch gesehen. Die erste Rate des Kredits ist fällig. Alle anderen Autoren haben auch keine Bücher in der Hand, sondern sind gerade dabei entweder die Vertröstungsschreiben zu lesen, oder neue Verträge zu unterzeichnen. 

Wir brauchen nicht mehr zu betonen, dass nie ein Buch erschienen ist. Und nach aller Lebenserfahrung nie ein Buch für Marlies N. erscheinen wird.

Wir hören die Leser dieser Lektüre bereits rufen: »Diesen Verlag würde ich aber anzeigen!« Doch das ist leider eine Illusion. Die Betrüger kennen die einschlägigen Gesetze meist gut. Wie auch in diesem Fall, wurde Marlies N. noch einmal einen Monat vertröstet. Dann hieß es, das Buch kommt sicher vor Weihnachten heraus usw.. So verstreicht schnell ein halbes Jahr zwischen Hoffen und Bangen. Dann ist die Verlegerin verreist. Danach meldet sich der Anrufbeantworter und verweist auf vierwöchige Betriebsferien. Nach einem Jahr kommen dann die ersten Briefe (nicht vom Staatsanwalt) sondern von den Autoren. Die Angelegenheit ist auf einer zivilrechtlichen Ebene. Sie als Autor müssen nun auf Vertragserfüllung drängen. Das bedeutet Fristsetzung, warten, angemessene Nachfrist und warten. Dann setzen Sie eine neue Frist, zur Herausgabe der vereinnahmten Autorenvorschüsse, dann wieder eine Nachfrist. Jetzt haben Sie noch kein Geld, aber den Weg für einen Mahnbescheid geebnet und ein halbes Jahr später können Sie auf Ihre Kosten einen Gerichtsvollzieher losschicken, der Ihnen nach etwa sechs bis acht Wochen schriftlich mitteilt, dass die GmbH an der angegeben Adresse nicht auffindbar ist. Irgendwann treffen Sie nun die nette Verlegerin wieder. Sie glauben, dass die feine Dame vor Ihnen flüchtet? Weit gefehlt. Sie wird Ihnen noch anbieten, Sie ein paar Straßen mit ihrem neuen Cabriolet zu fahren. »Ihr Buch?«, wird sie erstaunt säuseln, »Ist das nicht längst erschienen? Na, das ist ja Betrug!« Schade, dass Sie der Dame nun nicht gegen das Schienbein treten können. Vielleicht so werden Sie glauben wollen, stimmt es ja, dass sie damals im Oktober vor drei Jahren nach Amerika zu einem anderen Verlag gewechselt war. Und dass dieser Betrüger, der neue Geschäftsführer ist, und eben nicht diese feine Dame.

Für Marlies N. waren die Raten bei der Sparkasse zu hoch. Irgendwann konnte sie überhaupt nicht mehr bezahlen und leistete eine eidesstattliche Versicherung. Ihrem Gatten aber wird unsere Frage immer noch in den Ohren klingen, die da hieß: »Von welchen Bucherlösen?«

Wären Sie dieser Betrügerin ebenfalls auf den Leim gegangen? Nein? Wir kennen Autoren, die für ihr bescheidenes Werk 60.000 Euro auf den Tisch des Verlages blätterten. Autorenerlös nach drei Jahren etwas weniger als 2.000 Euro. Für den Verlag ein gutes Geschäft. Den so geprellten Autoren ist eines gemeinsam: Sie haben ihr Werk und seine Erfolgsaussichten vollkommen falsch eingeschätzt. Die Gier nach Geld, Anerkennung und Erfolg hat ihren Blick für die Realitäten vernebelt. Man braucht wohl kein Ei legen zu können, um einzuschätzen, wenn eines faul ist. Aber Richter in eigener Sache zu sein ist wohl sehr schwer, wenn nicht unmöglich.

Was man bei einer Vertragsschließung (mit Autorenzuschuss) beachten sollte.

Verleger und Lektoren sind im allgemeinen skeptische und kritische Menschen. Autoren haben tausend Wünsche und Forderungen an sie, der typische Verleger träumt von einem Verlag ohne Autoren (doch das wird er nie zugeben). Haben Sie den Eindruck, dass man zu Ihnen besonders freundlich und herzlich ist, dass man Ihr Manuskript im Superlativ bewertet, dann ist höchste Vorsicht geboten.

Meint jemand, dass gerade Ihr Werk etwas besonderes und ausgezeichnetes sei, und will er trotzdem Sicherheitsleistungen, Autorenvorschüsse, Verlagskostenanteile von Ihnen kassieren, so hat er im ersten Teil seiner Behauptungen gelogen. Ihr Werk wurde wahrscheinlich noch nicht einmal durchgelesen. Die Lobhudelei ist ein Textbaustein im Computersystem.

Man will also Ihr schwerverdientes Geld. Das ist nicht so schlimm, der Bäcker will seine Brötchen auch bezahlt bekommen. Gehen Sie jedoch keine Verpflichtungen gegenüber Dritten ein (Bankkredite etc.). Immerhin sind Sie gerade im Begriff zu investieren ohne Unternehmer zu sein. Ursprünglich (Sie erinnern sich?) wollten Sie mit Ihrer Schreiberei Geld verdienen.

Überprüfen Sie, ob der Verlag tatsächlich auf dem Markt ist. Über www.buchhandel.de können Sie beispielsweise erfragen, wie viele Bücher der Verlag bereits angemeldet hat. Diese gemeldeten VlB-Titel sagen jedoch noch nichts darüber aus, ob die Bücher tatsächlich lieferbar sind. Nur Bücher, die Sie tatsächlich über den Buchhandel beziehen können, sagen etwas über die Arbeit des jeweiligen Verlages aus. Bestellen Sie also ein Buch über den Buchhandel, das Ihrem Manuskript nahe kommt, um einen Eindruck zu bekommen.

Glauben Sie keinen Beteuerungen, wie: »Wir sind eine hundertprozentige Tochter des XYZ-Verlages in Hamburg.« Namen sind Schall und Rauch. Manche Verlagsnamen glaubt man zu kennen, doch überprüft man seinen ersten Eindruck, so stellt man fest, dass es sich um eine Namensähnlichkeit handelt.

Fragen Sie Ihren Buchhändler wie lange der Verlag bereits existiert. Buchhändler haben ein Verzeichnis über alle Verlage vorliegen. Fragen Sie ferner den Buchhändler, ob Titel dieses Verlages über einen oder mehrere Sortimenter zu beziehen sind. Auch wenn der Verlag dem Buchhändler nicht bekannt ist, so kann er auf Grund seiner Unterlagen Ihnen doch eine Einschätzung des Unternehmens geben.

Wie viel Geld wird von Ihnen verlangt? Lassen Sie sich das schriftlich geben und bestehen Sie im Vorfeld darauf, dass man Ihnen ebenso schriftlich mitteilt, wie viele Bücher, mit welcher Seitenzahl, auf welchem Papier und mit welchem Einband für das Geld hergestellt werden sollen. Lassen Sie sich nicht auf die kommenden Zweit- und Drittauflagen vertrösten.

Bestätigt man Ihnen, dass Ihr Buch in 1. Auflage in einer bestimmten Stückzahl erscheint, so ermitteln Sie den Stückpreis, indem Sie den Kostenzuschuss durch die versprochene Stückzahl teilen. Nehmen Sie nun diesen so ermittelten Preis und schlagen Sie 110% drauf. Nehmen wir an, Sie kommen nun auf einen Preis von 29,- Euro. Wie das Buch beschaffen sein wird, wurde Ihnen ebenfalls mitgeteilt. Nun gehen Sie in eine Buchhandlung und suchen aus den dort vorrätigen Büchern vergleichbare Titel heraus. (Nicht den Roman mit dem Sachbuch vergleichen, das Hardcover mit der Broschur usw. Achten Sie auf die Seitenzahlen.) Sie müssen bei Ihrem Buchhändler Bücher finden, die zwischen 24,- und 34,- Euro liegen. Kosten vergleichbare Bücher jedoch nur 15,- Euro oder weniger, so ist das ein alarmierendes Zeichen. Die Preisdifferenzierungen (so heißt das in der Betriebswirtschaft) sind im Buchhandel nämlich nicht so groß. Ist der vom Verlag beabsichtigte Buchhandelspreis nun ebenfalls in einer Größenordnung von 29,- Euro, so können Sie davon ausgehen, dass die Kalkulation des Verlages im üblichen Preis-/Leistungsverhältnis liegt. Der Verlag hat mit einer Marge gerechnet, welche die Herstellungskosten durch den Autor abdecken lässt. Dann erzielt er noch einen kleinen Gewinn, was ihm auch gegönnt sein soll. Kosten vergleichbare Bücher in der Buchhandlung jedoch nur 10,- Euro (gemeint sind immer die regulären Buchhandelspreise), Sie selbst haben aber eben diese 29,- Euro ermittelt, so bedeutet dies in der Regel, dass man sich auf Ihre Kosten eine goldene Nase verdienen will.

Nun zum Vertrag. Sie geben in aller Regel das ausschließliche Nutzungsrecht an den Verlag ab. Achten Sie darauf, dass dieses Nutzungsrecht zeitlich beschränkt ist, z.B. durch folgende Formulierungen:
»Das Nutzungsrecht wird auf die Dauer von fünf Jahren vergeben. Es verlängert sich um jeweils ein Jahr, wenn es nicht sechs Monate vor Ablauf der Nutzungsdauer von einer der Vertragsparteien gekündigt wird.«

»Der Verlag verpflichtet sich, das Buch über die Dauer von fünf Jahren lieferbar zu halten. Hält der Verlag die Lieferbarkeit nicht aufrecht, so fallen sämtliche Rechte an den Autor zurück.«

Nun achten Sie darauf, dass der Ladenverkaufspreis im Vertrag angegeben ist. Ausreden, wie »das ist nicht üblich« dürfen Sie nicht beeindrucken. Üblich ist, dass man mit offenen Karten spielt und die Geschäftspartner nicht betrügt!

Ferner muss jetzt im Vertrag die Beschaffenheit des zukünftigen Buches detailliert aufgeführt werden. Gleichzeitig beharren Sie auf einer Formulierung wie der folgenden:

»Der Verlag verpflichtet sich 1.000 Bücher in Erstauflage herzustellen. Der Autor wird bei Fertigstellung informiert und kann auf Verlangen die fertigen Bücher besichtigen.« Die Betonung liegt auf dem Wort Herstellung. Das Drucken ist nämlich keine Frage, manche Verlage sparen dann die Buchbinderkosten. Nun wollen Sie 10 Bücher bestellen, und es dauert vier bis sechs Wochen, bis Sie die Bücher geliefert bekommen, weil der Verlag erst wieder zwanzig Bücher binden lässt. Verlage lassen eventuell im Ausland drucken. Man kann von ihnen nicht verlangen, dass sie ihre Druckerei offenlegen. Doch die Bestätigung eines oder mehrerer Buchgroßhändler (KNV, Libri) ist nicht zu viel verlangt. Je mehr Ihr Vertragspartner sich bei diesem Passus windet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er Ihnen ein X für ein U vormachen will.

Achten Sie ferner auf eine Rabattklausel für Ihren Autoreneinkauf. Haben Sie pro Buch (Autorenzahlung/Stückzahl der ersten Auflage) 10,- Euro bezahlen müssen. So kann der Ladenverkaufspreis bei etwa 24,- Euro liegen.

Eine Formulierung, der Autor kann ein Buch für 4,- Euro ab Verlag beziehen, wäre für unsere Rechnung angemessen, so dass Sie letztlich 14,- Euro pro Buch bezahlen. Damit kaufen Sie die Bücher etwa so wie ein Buchhändler ein und können diese für 24,- Euro immer noch weiterverkaufen. Nur sind Sie Schriftsteller und wollen sich nicht als Markthändler betätigen, um Ihre Bücher zu verkaufen. Doch ein Vereinsvorstand oder Laienprediger hat eventuell einen potentiellen Kundenkreis und verkauft seine Bücher nebenher. Haben Sie diese Möglichkeit, eventuell ihr Buch nur aus diesem Grund geschrieben, so müssen Sie jetzt 417 Exemplare verkaufen, um Ihre Investition auf null zu stellen. Jedes weitere Buch ist ihr Gewinn. Uns sind Fälle bekannt, wo Autoren so gerechnet haben. Die ersten 100 Bücher kamen dann auch prompt bei Vertragsanlieferung. Irgendwann trafen nochmals 50 Exemplare ein, dann versiegte die Quelle. Abgesehen von den übrigen Punkten einer entsprechenden Vertragserfüllung, wäre der ganze Verlust und Ärger zu vermeiden gewesen, hätte man die 680 Km Autofahrt zum Verlagssitz nicht gescheut.

Beachten Sie bitte, dass unser Eigenverkaufsvorschlag sich auf Menschen bezieht, die in einem sicheren Absatzfeld tätig sind. Der Heilpraktiker z.B. wird keine Mühe haben seinen Patienten ein Buch zu verkaufen, wenn es sich um ein Thema handelt, das sich auf seinen Beruf bezieht. Meint aber der Rohrschlosser: »Kein Problem, ich verkaufe meinen Roman auf der Baustelle.«, so ist das wahrscheinlich eine Milchmädchenrechnung. Der erste Arbeitskollege wird ihm nämlich auf die Schulter schlagen und sagen: »Aber mir kannst du ja so ein Buch schenken.« Auch das Gespräch mit dem Buchhändler an der Ecke, ist nicht so ergiebig, wie es sich die Autoren erträumen. Vielleicht stellt er, um Sie nicht als Kunden zu verlieren, drei Ihrer Bücher ins Schaufenster. Nun laufen Sie jeden Tag an diesem Laden vorbei und sehen Ihre Bücher im Schaufenster. Vielleicht verkauft er nach Wochen eines, die restlichen gibt er Ihnen dann wieder mit. Hüten Sie sich ferner vor privaten Marktanalysen. »Ich stelle mich mit einem Tapeziertisch auf den Wochenmarkt. Zweitausend Leute laufen vorbei, jeder zehnte kauft ein Buch, so habe ich an einem Samstag bereits 200 Bücher verkauft.« Wenn dem wirklich so wäre, haben Sie den Superbestseller getippt. Rufen Sie den Direktor eines namhaften Verlaghauses an, und fragen Sie ihn ob er ein »kleines« Geschäft machen will. Sie selbst würden etwa 250.000 Euro Honorar bei Vertragsunterzeichnung (!) bekommen.
In Wirklichkeit müssen Sie aber froh sein, wenn die Marktstandgebühren Ihren Umsatz nicht übersteigen.

Bücher, die ab Verlag verkauft werden, bedürfen nun noch einer Honorierung. Als Autorenhonorar sind zwischen 5- und (seltenen) 10% des Buchverkaufpreises üblich. Zahlt der Verlag Ihnen 6% Autorenhonorar und schüttet noch Ihren Autorenvorschuss aus, so ergäbe das 11,20 Euro pro ab Verlag verkauftem Buch. Zahlt der Verlag jedoch 25% Autorenhonorar, aber Ihre Investition nicht zurück, so schlagen Sie dem Verleger den Vertrag um die Ohren.
Manche Verlage vertrösten nun auf die 2. und 3. Auflage. Vergessens Sie's! Eine zweite Auflage ist unwahrscheinlich. Dass ohne Ihre tatkräftige Hilfe überhaupt die erste Auflage verkauft wird, grenzt schon an ein Wunder. Vergessen Sie nicht: Bei einer verkaufbaren Stückzahl von 900 (wir veranschlagen hier 100 Bücher für Beleg-, Pflicht- und Presseexemplare) würden Sie, werden alle Bücher ab Verlag verkauft, nur 10.080 Euro zurückbekommen. Legen Sie aber das Geld auf ein Sparbuch, bekommen Sie 300,- Euro an Zinsen.

Dann muss eine Verramschungs-/ und Makulaturklausel im Vertrag enthalten sein. Z.B.
»Nach Ablauf der Lieferbarkeitsverpflichtung, kann der Verlag das Werk verramschen. Der Verlag ist verpflichtet, den Autor von einer beabsichtigten Verramschung bzw. Makulierung vorher zu informieren. Der Autor hat das Recht, durch einseitige Erklärung, die noch vorhandene Restauflage bei beabsichtigter Verramschung zum Ramschpreis, und bei beabsichtigter Makulierung unentgeltlich- ganz oder teilweise- ab Lager zu übernehmen.«

Die Nebenrechtsabtretung: Nebenrechte sind z.B. Taschenbuch- oder Filmrechte. 50% der Nebenrechtseinnahmen sind üblich. Steht in Ihrem Vertrag weniger, so will man für alle Fälle vorsorgen. Da die Autoren nicht richtig Bescheid wissen, könnte man sich ein Vielfaches des Autorenzuschusses einfach mal so nebenher in die Tasche stecken. Gehen Sie nicht darauf ein. 50% ist mehr als gerecht. Verkauft der Verlag z.B. eine Taschenbuchlizenz, so können beide Parteien mit einem warmen Geldregen rechnen. Doch Vorsicht Falle! Der Nebenrechtsvertrag zwischen den beiden Verlagen muss für Sie zustimmungspflichtig sein. Sonst verkauft Krauter A an seinen Freund Krauter B eine Lizenz für einen Apfel. Die Eier teilen sich die beiden hinter ihrem Rücken. Nebenrechtsvereinbarungen laufen also nur mit renommierten Verlagshäuser, alles andere ist wahrscheinlich das Papier nicht wert oder betrügerisch.

Fassen wir die Punkte, auf die Sie achten müssen, zusammen:

  • Alles in Ruhe und zu Hause durchlesen und überprüfen. Nichts sofort unterschreiben.

  • Überprüfen Sie ferner, ob der Verlag existiert. Kaufen Sie ein gleichartiges Buch über den Buchhandel.

  • Überprüfen Sie, ob die Bücher des Verlages im VLB-Verzeichnis gelistet sind.

  • Lassen Sie sich vertraglich versichern, wie viele Bücher in 1. Auflage hergestellt werden.

  • Berechnen Sie das Preis-/Leistungsverhältnis nach unseren Anregungen

  • Vergleichen Sie in einer Buchhandlung die beabsichtigte Veranstaltung mit ähnlichen Büchern anderer Verlage.

  • Achten Sie darauf, dass Sie Bücher günstig ab Verlag einkaufen können (notfalls alle).

  • Achten Sie darauf, dass Ihre gemachte Investition pro verkauftem Buch zurückbezahlt wird.

  • Rechnen Sie sich alles in Ruhe durch.

  • Achten Sie auf die Lieferbarkeitsverpflichtung.

  • Räumen Sie sich ein Kündigungsrecht ein.

  • Vergessen Sie nicht die Verramschungsklausel

  • Beharren Sie auf 50%ige Nebenrechtsnutzung.

Ignorieren Sie ferner Sprüche in den Anschreiben der Verlage. Z.B. die Aussage, wie »Ihr Buch wird allen Buchhändlern Deutschlands zum Kauf angeboten«, bedeutet nichts. Ein Buchhändler, der auf einem einzigen Buch sitzen bleibt, muss dafür drei andere Bücher verkaufen, dann hat er noch keinen Cent verdient. Da mag ein Buchvertreter nun gerne Ihr Buch anbieten, der Buchhändler wird es in der Regel nicht kaufen.

Bedenken Sie immer: Viele Fachleute haben Ihr Manuskript ignoriert, in dem man Ihnen eine Verlagnahme verweigerte. Nun findet ein anderer »Fachmann« Ihr Manuskript plötzlich gut, will aber Geld von Ihnen. Diese »Unternehmung« ist für Sie nur rentabel, wenn alle Zahlen einigermaßen aufgehen, und Sie noch einige Bücher selbst verkaufen können.
Dann haben Sie folgende Vorteile:

  • Sie haben Ihren Traum vom eigenen Buch erfüllt. Andere Leute kaufen sich vielleicht eine teure Armbanduhr, nur um mehr zu scheinen. Ihre Investition in das eigene Buch, ist da dann doch von anderer Qualität.

  • Sie haben die Chance, den Markt in Ihrem bescheiden Umfeld zu testen.

  • Interessiert Ihr Buch wirklich, so kommt auch der, dem Sie ein Buch schenken, wieder auf Sie zurück, weil er selbst ein paar Geschenke braucht.

  • Haben Sie die beruflichen oder sonstigen Voraussetzungen, können Sie bei geeigneter Vertragsgestaltung Ihr Buch selbst vermarkten und so noch Gewinn erzielen.

  • Sie haben die Möglichkeit eine oder mehrere Lesungen zu veranstalten, und bekommen so unmittelbar mit, welche Chancen Ihr Werk hat.

Auf was Sie wahrscheinlich verzichten müssen:

  • Ihr Buch ist im Buchhandel präsent. Eine Präsenz im Buchhandel wird die Ausnahme bleiben.

  • Die Medien werden mit großer Wahrscheinlichkeit Ihr Buch ignorieren. Vielleicht schreibt das ortsnahe Tageblatt etwas, doch nur deshalb, weil Sie die Herrschaften bereits fünf Mal persönlich besucht haben.

  • Druckt eine größere Zeitung eine Besprechung, so werden Sie keine Wunder erleben. Bei manchen Buchvorstellungen verkauft sich noch nicht einmal ein einziges Buch.

  • Ein Lizenzvertrag ist eine große Ausnahme. Bekommen Sie ihn doch, so haben Sie den Sprung als Autor in die »richtige« Verlagswelt geschafft.

Und nun geht es ans Bezahlen. Verlage hängen meist von allen möglichen Zulieferern ab. Da ist der Lektor, die Korrekturabteilung, die Satzwerkstatt, der Layouter, der Drucker und schließlich der Buchbinder. Da eng kalkuliert werden muss, kann man nicht einfach den Drucker wechseln, nur weil der einmal für vier Wochen Betriebsferien hat. Haben Sie nun die gesamte Summe bei Vertragsabschluß bezahlt, so warten Sie vielleicht lange. Dieser Gefahr ist ganz schnell abzuhelfen. Sie zahlen nur 10% der Vertragssumme ein und bestehen auf einen vertraglichen Erscheinungstermin. Folgender Passus wäre denkbar:

»Der Verlag sichert als Erscheinungstermin den .. .. .... zu. Wird der Erscheinungstermin um mehr als 30 Tage überschritten, so kann der Autor vom Vertrag zurücktreten. Die geleistete Anzahlung wird zu 100% zurückerstattet.«

Nun möchte aber auch der Verlag seinem Geld nicht unbedingt nachtrauern müssen. Geben Sie ihm für die restliche Summe eine Bankbürgschaft, die nur fällig wird, wenn der Vertrag vollständig erfüllt ist.
Nochmals zur Erinnerung: Der Vertrag ist nicht erfüllt, wenn man Ihnen im First-class-Hotel 10 Bücher überreicht. Sondern erst dann, wenn Sie sicher sein können, dass die gesamte Auflage körperlich in einwandfreiem Zustand vorhanden ist. Wir haben bereits von vielen Fällen gehört, bei denen die Verlage ein paar Bücher lieferten und dann war die Veranstaltung zu ende.

Es kann nicht oft genug gesagt werden. Es geht um eine Dienstleistung. Der Verleger legt Ihnen ja kein Geld aus, sondern er stellt seine Erfahrung, seine Herstellerbeziehungen und seine ISB-Nummer zur Verfügung. Dann nimmt er Ihr Buch eventuell noch in einen Werbeprospekt mit auf. Ein seriöser Verleger wird deshalb Ihre Veranstaltung durchrechnen und vielleicht mit 1.000,- Euro Gewinn kalkulieren. (Kommen Sie nicht auf die Idee, die Sache selbst zu produzieren, sie bezahlen die 1.000,- Euro drauf, weil die Verlage bei den Zulieferern bessere Konditionen haben.)

Für 1.000,- Euro Gewinn macht ein ernsthafter Geschäftsmann jedoch keinen großen Schmus. Kaufen Sie ein neues Auto, verdient das Unternehmen mehr, und Sie bekommen vielleicht gerade einmal eine Tasse Kaffee angeboten. Hat man aber vor, Sie um Ihr Geld zu betrügen, so hat man es auch nötig, Ihnen zu schmeicheln, Sie zum Sekt einzuladen und Ihnen das Gefühl zu geben, dass Sie ein großartiger Schriftsteller wären.

Was man bei einer klassischen Vertragsschließung beachten sollte

Bei der klassischen Verlagnahme zahlen Sie nichts, sondern der Verleger investiert in Ihr Werk eine Menge Geld. Es soll nun Autoren geben, denen bei der Vertragsverhandlung der sprichwörtliche Kamm schwillt. Es ist eine Frage von Macht und Ohnmacht. Verlegen wir selbst klassisch, so lassen wir eventuell mit uns reden, geht es um einen Prozentpunkt beim Autorenhonorar. Als annehmbare bis gute Vereinbarung könnte gelten:

»Der Verfasser erhält für jedes verkaufte und bezahlte Exemplar ein Honorar auf der Basis des um die darin enthaltene Mehrwertsteuer verminderten Ladenverkaufspreises. Das Honorar für Originalausgaben beträgt 9%
für Taschenbücher 6% bis zu 25.000 Exemplaren, 7% bis zu 50.000 Exemplaren, 8% darüber«

Doch Achtung! Mit obiger Formulierung werden bereits die Honorare der Taschenbuch(neben)rechte festgeschrieben. Es handelt sich um einen Verlag, der eben auch Taschenbücher herausgibt. Stellen Sie eines Tages fest, dass der Verlag bereits mit der Originalausgabe alles andere, als in Ihrem Sinne umgeht, ihr Buch z.B. plötzlich nicht mehr lieferbar ist, so dauert es fast ein Jahr, bis Sie aus dem Vertrag herauskommen, weil der Autor nach den üblichen Verfahren zuerst einmal den Verlag um eine Stellungsnahme bitten muss (3 Monate Frist). Dann heißt es, den Verlag aufzufordern, binnen der nächsten drei Monate das Buch wieder auf den Markt zu geben. Die Frist verstreicht. Auch wenn es nicht im Vertrag steht, müssen Sie nach BGB jetzt eine angemessene Nachfrist setzen. Nun sagt der Verlag: Wir bringen ein Taschenbuch heraus, es ist uns nicht zuzumuten, für ein paar Monate nochmals die Originalausgabe lieferbar zu halten. Dann verstreicht die Frist für das Taschenbuch. Nachfrist. Man kann Sie als Autor am langen Arm verhungern lassen, und uns sind Fälle bekannt, wo große Verlagshäuser dies mit ihren Autoren gemacht haben. Mehr als schwammig ist nämlich die übliche (!) Formulierung in den Verlagsverträgen: »Der Verlag ist verpflichtet, für das Werk angemessen zu werben.« Wollten Sie durch einen Rechtsanwalt und einen anschließenden Landgerichtsprozess prüfen lassen, was angemessen ist, so befinden Sie sich nun wirklich auf hoher See und in Gottes Hand. Die Verlage werden sich aber nur schwer auf konkrete Zusagen festlegen lassen.

Wir selbst teilen die Erlöse aus Nebenrechtsverwertungen in der Regel mit 50%, manche Verlage versuchen jedoch die ganze Sache auf 20/80 zu ihren Gunsten zu verschieben.

Die Frage der unangebrachten Forderungen ist immer auch eine Frage der Interessenabwägung. Bei einer großen Zahl der Autoren sind die Interessen am Anfang wenig merkantil. Sie wollen endlich publizieren. Je länger das Vertragsverhältnis aber läuft, desto mehr richtet sich ihr Interesse auf den schnöden Mammon, anstatt auf den schönen Schein. Dann ist der Vertrag jedoch unterzeichnet, die Prozente und Rechte sind festgezurrt.

Werden die Forderungen von Seiten des Autors z.B. für uns unannehmbar, so kann es ihm passieren, dass er sehr schnell ohne Vertrag das Büro verlassen muss. Die besonders »schlauen« Autoren erzählen uns, sie hätten noch ein anderes Verlagsangebot. Manche sollte es lieber nicht probieren, sich bei einer Pokerlüge erwischen zu lassen. Unser Gegenüber macht seinen ersten Autorenvertrag, hat eventuell bei einem anderen Verlag viel Lehrgeld bezahlen müssen, und es ist immer noch möglich auf diese Spekulation zu verzichten. Wir tun ihm ja nicht weh, er hat ja noch einen Verlag zur Auswahl.

Kurz: Auf dem Teppich bleiben hat immer seine Vorteile. Unter dem Teppich zu kriechen erwartet jedoch auch niemand. Immerhin braucht Sie der Verleger jetzt für Pressetermine. Eventuell werden Sie zu einer Talkshow eingeladen. Mit einem Duckmäuser kann man keine Bücher verkaufen. Wir haben so z.B. bereits interessante Themen abgelehnt, weil der Autor uns zu einfältig erschien.

Auf was Sie bei der Vertragsgestaltung achten müssen:

  • Sie brauchen Zeit, den neuen Vertrag zu Hause in Ruhe durchzulesen.

  • Jede Vertragsklausel muss Ihnen einleuchten. Fragen Sie lieber einmal mehr nach, als einmal zu wenig.

  • Sie achten darauf, Ihre Hauptrechte nur auf eine Nutzungsform zu vergeben, z.B. Hardcover/Broschur/Taschenbuch. Geben Sie die Rechte gleichzeitig für alle oder mehrere Nutzungsformen frei, gibt es für Sie nämlich keine Möglichkeiten mehr am Honorar nachzuverhandeln.

  • Sie achten darauf Ihre eigenen Bücher mit Verlagsrabatt kaufen zu können.

  • Sie achten darauf, dass Sie etwa 20 Freiexemplare erhalten.

  • Sie bestehen auf einer Kündigungsklausel. Es nützt Ihnen überhaupt nichts, wenn wohl Ihr Buch gedruckt ist, der Verlag aber auf den 3.000 einmal gedruckten Exemplaren festsitzt. Auf der einen Seite kann er seine Lieferverpflichtungen stets einhalten, auf der anderen Seite gibt es für das Buch kein Marketing-Konzept und die Bücher werden nicht weniger.

  • Die Kündigungsklausel kann so lauten: »Ist das Autorenhonorar in zwei aufeinanderfolgenden Jahren kleiner als 200,- Euro so hat der Autor das Recht (gem. Art. XY des Vertrages) die Verramschung/Makulierung binnen eines Jahres zu verlangen und erhält binnen einer Frist von ....Monaten seine Rechte zurück.

  • Auf die Verramschungs-/Makulierungsklausel haben wir Sie bereits weiter oben hingewiesen.

  • Was Sie auf keinen Fall eingehen sollten, sind Autorenverträge, die Sie an den Verlag derart binden, dass Sie andere Bücher auch dort verlegen lassen müssen. Ist Ihr Buch ein Erfolg, so bekommen Sie auch die nötige Erfahrung und können besser vergleichen.

Wurden nun die ersten 100.000 Bücher verkauft, so kann es Ihnen immerhin passieren, dass der Taxifahrer sagt: »Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor.« Na, immerhin. Bald schon brauchen Sie die Ratschläge auf dieser Seite nicht mehr, weil Sie sich einen eigenen Beistand leisten können. Immer gilt der Spruch: Wem der Herr ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. Wir haben es jedoch oben eindringlich beschrieben, wie hart und umkämpft der Buchmarkt ist. Wer heute als Autor zwischen 5.000 und 10.000 Bücher verkauft ist gut. Entschuldigung, Sie haben von anderen Zahlen geträumt, doch Träumen ist das eine, und die Realität das andere.

Was ist von Literaturagenten zu halten?

Gegenfrage: Was halten Sie von einem Heiligen? Ist er nun heilig, so ist es gut. Sagt er, dass er heilig ist, so ist es ein Schwätzer. Will er Geld für seine Wunder, so ist es ein Betrüger. Oh, Herr, gebe uns die Weisheit, den einen vom anderen zu unterscheiden.

Ein seriöser Literaturagent wird sich Ihr Manuskript genau so anschauen, wie ein Lektor eines großen Verlagshauses. Er spekuliert auf seine Kosten und sein Risiko, Ihr Manuskript an einen Verlag zu verkaufen. Dafür bekommt er von Ihren Honorarvereinbarungen prozentuale Anteile.

Es kostet Sie also nichts, hat der Agent keinen Erfolg. Es kostet Sie Honorar, wird Ihr Manuskript mit Hilfe eines Agenten verlegt. Gute Literaturagenten sind selten. Und meist sind sie ausgebucht. Jede Vermittlung kostet immer die gleiche Mühe und Arbeit, logischer Weise vermitteln sie eher lukrative Sachen. Ein guter Agent hat Beziehungen zu den großen Verlagshäusern, würden Sie einen für Ihre Sache gewinnen können, so wäre das sicherlich die halbe Miete.

In der Regel stoßen neue Autoren jedoch an die Schwätzer unter den Heiligen. Uns sind zwei Fälle bekannt, bei denen unsere Autoren im siebten Himmel schwebten, weil sie einen sog. Literaturagenten getroffen hatten, der ihnen das Blaue vom Himmel versprach. Leider verschwanden diese Buch-James-Bonde dann bald hinter ihren Anrufbeantwortern und arbeiten wahrscheinlich heute wieder bei der Städtischen Bibliothek im Hinterhof bei den Biotonnen. Man kann's ja mal versuchen.

Widerlich wird es nach unserer Meinung aber, wenn die unerfahrenen Autoren auf Agenturen stoßen, die ihnen versprechen, ihr Manuskript bei Eignung zu vermitteln. Da sieht die Welt doch plötzlich besser aus, wenn man als Autor endlich eine sachverständige Meinung hören kann. Konnte man mit den Ablehnungsschreiben der Verlage nun doch gar nichts anfangen. Die kostenlose »Beurteilung« lässt dann auch nicht lange auf sich warten. Getreu dem Spruch: Mit einem Doktortitel verkauft man jeden Scheiß, wird auf einer DIN A4 Seite ein sogenanntes Gutachten verschickt. Und es ist wirklich GUT. Aber man sollte auf das dicke Ende ACHTEN. »Um Ihr geschätztes Werk an geeignete Verlage vermitteln zu können, bedarf es leider einer umfangreichen Überarbeitung durch unser Lektorat.....«

Wer wird denn jetzt nicht zupacken wollen, so kurz vor dem Ziel? Hat doch der "Literatursachverständige" das Manuskript besser beurteilt, als der eigene Ehepartner (nachdem man ihm mit Scheidung drohte, sollte er das Buch nicht für »sehr gut« empfinden). Endlich hat man es jetzt schwarz auf weiß: Die Geschichte ist exzellent, die Dramaturgie ist fast sehr gut, die Zielgruppe ist ausgemacht, die Welt wartet auf dieses Werk. Nicht lange Zögern, heißt es, jetzt den richtigen Schritt in die richtige Richtung machen. Dem Autor werden nun für eine fachmännische Überarbeitung zwischen 1.000,- und 12.000,- Euro aus der Tasche gezogen. Und in Erwartung des bald fälligen großen Wurfs bezahlt man gerne an den Herrn Doktor.

Nach einiger Zeit bekommt der so hinters Licht Geführte sein Manuskript zurück. Tatsächlich, das Manuskript ist nicht wiederzuerkennen. Alles ist fein säuberlich abgeschrieben worden, irgendwelche Interpunktionsfehler wurden eliminiert (da müssen eine Menge Deutschlehrer in den Büroräumen sitzen), und wenn der Autor sich die Arbeit genau durchliest und mit dem ursprünglichen Manuskript vergleicht, entdeckt er hier und da eine kleine Änderung im Satzaufbau. Die Lektorierungsarbeit wird gekrönt durch ein hochgeistiges Exposé, das wir hier noch nicht einmal persiflieren möchten, weil der Spaß auch seine Grenzen haben muss. Das ganze sogenannte Exposé endet dann mit einer Note wie: Sehr empfehlenswert!

Wir hatten bisher vier solche Überarbeitungen in den Händen. Die schon mittelmäßigen Originale waren irgendwo besser, weil sie noch zeigten, dass der Schriftsteller ein Mensch ist und kein Schreibprogramm. Natürlich schlafen dann diesen akademisch verbrämten Agenten, die nicht mehr als ein Schreibbüro besitzen, die Füße ein. Das überarbeitete Manuskript findet keinen Verlag. Ob es wirklich angeboten wurde, wissen allein die Betrüger in Nadelstreifen. Kommen dann die Autoren zu uns, mit Manuskript, Exposé und Gutachten, so kann man eigentlich nur noch Mitleid haben. Aber das hilft bekanntlich wenig.

Vielleicht sollte ich erst einmal eine Schreibschule besuchen. Was raten Sie mir?

Wer zehn Mal den selben Artikel geschrieben hat, bis der Chefredakteur zufrieden war, wird diesen Besserwisser verfluchen und den Tag zum Teufel wünschen, an dem er die Volontariatsstelle bei der Zeitung bekommen hat. Solche »Schulen« verschaffen so manchem Schreiber den Durchbruch. Nun wird ein Volontariat bei der FAZ wahrscheinlich anders verlaufen, als ein Volontariat bei der Bild-Zeitung. Dass die Meister nicht vom Himmel fallen, wird jedoch gleich sein. Dem Verfasser dieser Lektüre (über 30 Bücher, zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, ungezählte Aufsätze, Gutachten und Artikel) beschleicht heute noch ein eigenartiges Gefühl, soll er für eine fremde Redaktion schreiben. Diese Aufträge, die verhältnismäßig gut bezahlt werden, bergen immer das Risiko, dass der verantwortliche Redakteur am Schluss zahlreiche Änderungswünsche vorbringt bzw. den gesamten Artikel verwirft. »Nein, so geht das nicht. Wir brauchen das ganz anders....« Für einen Schreiber, der normalerweise selbst Entscheidungsträger ist, oft zum Haare raufen. Hat man doch als Profi sich erst einmal das entsprechende Blättchen besorgt, um Duktus und Form festzustellen. Dann ist die Sache rund, und trotzdem passt sie dem anderen nicht ins Konzept.

Die gravierenden Unterschiede zwischen der Lehre bei einer Zeitungsredaktion und einer Schreibschule sind die unterschiedlichen Voraussetzungen auf allen Ebenen. Passt dem Volontär die Kritik seines Redakteurs nicht mehr, so kann er aufhören. Zahlreiche andere Bewerber warten bereits vor der Tür. Entsprechend gering sind die Rücksichten, die die Chefs der Redaktionsstuben auf die Befindlichkeiten ihrer Volontäre nehmen.

Bei einer Schreibschule ist der Lehrling jedoch Kunde! Die Schreibschule hat ein großes Interesse viele Lehrgänge zu verkaufen. Der Abschluss der Schreibschule ist ein schönes Blatt Papier.

Stellen Sie sich vor, ein Pilot würde von einer privaten Flugschule am Schluss seiner Ausbildung von dieser nur ein Zertifikat bekommen, um fliegen zu dürfen. Man könnte wahrscheinlich in kein Flugzeug mehr einsteigen, ohne um sein Leben fürchten zu müssen.

Nun ist es nicht lebensgefährlich, wenn man als Analphabet ein Schriftstellerdiplom in der Tasche hat. Marktwirtschaft hat eben sehr menschliche Züge. Und wo die Ausbildungsziele nicht allgemein anerkannt und standardisiert sind, entscheiden letztlich das Marketingkonzept und die wirtschaftlichen Interessen.

Sicher wird, wer bereits schriftstellerisches Talent besitzt, sein Wissen erweitern können. Oftmals sind die Lehrhefte, die von gewissen Schreibschulen verschickt werden, von guter Qualität und mit dem entsprechenden Sachverstand geschrieben. Das Problem ist die Lernkontrolle. Muss als Hausaufgabe eine Kurzgeschichte verfasst werden, so bekommt man nach einer Zeit diese auch korrigiert zurück. Wir haben jedoch den Eindruck, dass die Beurteilungen überwiegend nach dem Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass-System geschrieben sind. Der mit der Note »sehr gut« bewertete Deutsch-Aufsatz, Hauptschule, 9. Klasse ist eben im Hinblick auf die Anforderung, die an eine vermarktungsfähige Geschichte gestellt werden, mangelhaft.

Besonders skeptisch sehen wir Versprechungen mancher Schulen, die anschließend »im Rahmen ihrer Möglichkeiten«, den so ausgebildeten Schriftsteller an einen Verlag oder eine Zeitungsredaktion vermitteln wollen. »Schau mal«, meint dann die Schreibschülerin stolz, »meine Geschichte wurde in der Zeitung veröffentlicht.« Interessiert betrachtet man das entsprechende Blatt und sieht es zum ersten Mal im Leben. Alle Schreibschüler kennen es natürlich, weil das Blättchen wohl nur zu diesem Zweck aufgelegt wird. Das aber hat sich der potentielle Schriftsteller bei Vertragsabschluß eigentlich anders vorgestellt. Auch will er, ist er ehrlich, nach Abschluss nicht an einen Buchverlag vermittelt werden, der ihm dann gegen horrende Gebühren eine Veröffentlichungsmöglichkeit bietet. (Da werden auch Schreiber ohne Schreibschulenzertifikat aufgenommen.) So wie uns einmal ein starker Stotterer sein Rhetorik-Diplom zeigte, ist dem Schreibschulenabgänger anschließend nur schwer begreiflich zu machen, dass die Lektoren der klassischen Verlage ihre eigenen Kriterien zur Beurteilung eines Werkes haben.

Wie wird man zum Profi? Was machen Hunderttausende falsch?

Zum Abschluss wollen wir Ihnen noch eine kleine Geschichte erzählen. Sie wird Ihnen verdeutlichen, dass Sie sich die meisten bisherigen Fragen hätten selbst beantworten können.

Hunderttausende Menschen schreiben Geschichten und finden diese so gut, dass sie sie an einen Verlag zur Vermarktung schicken. Doch ihre angepriesenen Werke sind meist schlechter, als ein sogenannter Schundroman. In einem Werbespott einer Kreditkarte heißt es: »Schuhe: 112,90, Jeans: 85,20...« dann läuft der junge Mann auf ein Mädchen zu, und der Sprecher kommentiert weiter: »Merken, dass die Hose offen ist: Unbezahlbar!« Analog zu diesem Werbespott, könnte man für viele Autoren formulieren: »Bücher lesen: Gut, Schreibmaschine bedienen: gut, merken, dass man nicht schreiben kann: Unbezahlbar!« Wie kommt das?

Manche lesen täglich irgendwelche Bücher, ihr eigenes schriftstellerisches Können wird jedoch nicht besser. Wer mit stetig steigendem Interesse eine Geschichte liest, müsste vom Konsumenten auf die Ebene des Liebhabers kommen. Wer dies vermag, wird sich für die Stellung der Schrift öffnen können. Erst dann, wenn er sich für die Stellung der Schrift öffnet, wird er die Unterschiede zwischen dem was er liest, und dem was er selbst schreibt, erkennen und verstehen lernen.
So wie der normale Autofahrer konsumieren will, dass sein Wagen schnell oder bequem ist (und wenn etwas nicht funktioniert eine Werkstatt aufsucht), wird der Bücherkonsument nur die Spannung und Unterhaltung einer Geschichte lieben. »Funktioniert« beim Geschichtenkonsum etwas nicht, so wird er das Buch zur Seite legen. Der Autoliebhaber aber wird an seinem Lieblingsauto jedes Teil benennen können, und die Qualitätsunterschiede zu anderen Autos kennen. Nicht weil er Automechaniker gelernt hat, sondern weil er sich für die Einzelheiten und Funktionsweisen des Fahrzeuginnenlebens öffnete, seine Konstruktion und Funktionalität liebt. Ein großer Unterschied.

Reine Lesekonsumenten sind schlechte Schriftsteller. In einer Gesellschaft voll schwarzer, geschlossener Kästen (Black-Boxes), ist es nicht nötig zu wissen wie etwas funktioniert. Man drückt auf den Knopf und man bekommt was man will. Funktioniert es nicht mehr, schmeißt man am besten diesen schwarzen Kasten auf den Müll, weil der Spezialist, der die Funktionsweise noch überblicken könnte, teurer ist, als ein neuer, noch brillanterer Kasten. Warum, und wie diese Kästen funktionieren, ist für den einzelnen längst noch nicht mal im Ansatz durchschaubar.
Haben Sie sich einmal gefragt: Ob es in der Küche kälter wird, lässt man die Kühlschranktüre offen? Wie funktioniert ein Fernsehapparat? Es ist uns egal geworden, wir sind ja schließlich keine Techniker.

Warum erleben wir in einer Geschichte Spannung, Freude oder Trauer? Warum leiden wir mit dem fiktiven Romanhelden mit, und tausend Tote in den Nachrichten lassen uns kalt?
Eigentlich haben wir auch da keinen blassen Schimmer, warum dies so funktioniert, doch schreiben haben wir in der Schule gelernt. So versuchen wir, etwas »nachzubauen«, indem wir selbst eine Geschichte verfassen. Hat man nicht vor wenigen Wochen auch die Wohnung selbst tapeziert, ohne es gelernt zu haben? Die Zutaten aus dem Heimwerkermarkt waren billig und das Ergebnis ist akzeptabel. Das meinen wir wenigstens, da wir einen Vergleich zum Profi erst gar nicht anstellen. Doch was würde ein Fachmann zu unserer geklebten Tapete sagen? Muss ein Maler und Tapezierer nicht drei Jahre lernen, um seinen Beruf ausüben zu können? Ist das nicht vollkommen unnötig, wenn jeder, der keine zwei linken Hände hat, dies für billiges Geld selbst kann? Oder unterscheiden sich die einzelnen Arbeiten dem Grade nach doch erheblich, würde man nur einmal mit offenen Augen vergleichen?
Klingt die Melodie, die wir vor uns her trällern in unseren Ohren nicht solange gut, bis wir sie auf Tonband aufnehmen? Schnell trösten wir uns, dass es ja niemand höre. Doch ob wir fremden Menschen die Wohnung tapezieren, im Radio ein Lied singen oder für andere Menschen schreiben, immer verlassen wir die Ebene unseres Ich und versuchen in das andere, fremde Du einzudringen. Gleich einem Pfeil, verlässt uns der Gedanke, um sich in das Herz oder Hirn des Anderen einzubohren. Die Werber auf den Liftfasssäulen machen nichts anderes. Alles was wir mitzuteilen versuchen, und mag es nur das Gespräch über den Gartenzaun sein, wollen wir mit einem anderen Ich teilen.

Wer aber Babywindeln verkaufen will, wird seine Botschaft »Ich habe gute Windeln, die Dein Baby glücklich machen«, nicht an kinderlose Junggesellen richten. Dass diese seine Botschaft nicht aufnehmen, kann er verkraften. Die Pfeile, die er abschießt, gehen in Richtung der Mütter und Väter mit Babys.
So wird es niemand auf der Welt geben, der für alle Menschen schreiben kann. Man kann immer nur für einen bestimmten Leserkreis schreiben. Die Frage nach den Kurswertschwankungen bei Optionsscheinen, wird weniger Menschen interessieren, als den Ratgeber, wie man Freunde gewinnt. Auch wenn nicht beraten, sondern nur unterhalten werden soll, ist es notwendig, den Anderen an seiner Geschichte teilhaben zu lassen. Verschließt er sich, obwohl es ihn treffen soll, so prallt unser Pfeil an ihm ab. Wecken wir jedoch sein Interesse, so öffnet er sich für unsere Botschaft und unser Pfeil erreicht sein Inneres.

  • Interesse wecken bedeutet, den anderen auf die Botschaft einzustimmen. Nur in der Schule oder auf der Universität kann man die Menschen nötigen irgendetwas bestimmtes durchzulesen.

Doch wir sind keine Werbeplakatmaler, die nur einen Anreiz schaffen müssen. Unser Angebot, das wir mit jemand teilen wollen, ist wesentlich größer. Je länger unsere Geschichte ist, desto mehr Zeit fordern wir von unserem Gegenüber für unser Anliegen.

  • Der Leser muss also durch den Artikel gelockt werden, denn er soll ihn zu Ende lesen.

Wer ein Buch zur Seite legt, weil es ihn langweilt oder ärgert oder er es nicht versteht, entfernt unseren Pfeil, den wir so zielsicher abgeschossen haben aus seinem Inneren. Wem aber die Zuhörer beim Erzählen davonlaufen, braucht erst gar nicht anzufangen.

  • Der Leser muss das Werk so verstehen, wie der Schreiber es beabsichtigt.

Wir wollen keinen falschen Applaus. Wir wollen keine tragische Geschichte verfassen, über die sich die Menschen krumm lachen. Wir wollen nicht über einen Sachverhalt aufklären, erreichen aber nur mitleidiges Lächeln. »Merken, dass die Hose offen ist, ist eben wirklich unbezahlbar!«

  • Der Leser setzt sich mit dem Inhalt auseinander. Hallt unsere Geschichte in ihm nach, so hat er einen kleinen Anteil von uns in sich aufgenommen. Kommt der Leser zu der Überzeugung, dass dieser Anteil auch für andere wertvoll ist, so wird er das Werk weiterempfehlen.

Haben wir das obige verstanden, erkennen wir den Unterschied zwischen Konsumieren und Auseinandersetzen, so können wir unsere eigenen Werke reflektieren und mit offenen Augen die Unterschiede zu anderen erkennen. Dann lernen wir Schrift zu stellen. Unser Geschreibe ist nicht mehr zufällig spannend, tragisch, rührend oder niedlich, sondern bewusst. Und während diese Nabelschau noch im Gange ist, sehen wir plötzlich die Vielzahl der unterschiedlichen Menschen auf der anderen Seite. Wir hören nur zu, sagte Erich Fromm, weil wir nur darauf warten, wieder selber reden zu können. So sind sie, die da draußen. So wie wir selbst. Doch was wir mit einem Buch zu bieten haben, birgt für ihn nicht die Chance selbst zu reden. Bei uns kann man nur »zuhören«.
Versuchen wir zu verstehen, welch gewaltige Forderung wir an unser Gegenüber haben. Auf der anderen Straßenseite läuft ein Passant des Weges. Wohin geht er? Was beschäftigt ihn derzeit? Hat die Mutter mit den beiden Kindern heute Abend noch Zeit, ein Buch zu lesen?

Haben uns solche Fragen schon beschäftigt, dann haben wir die Chance, uns für unsere potentielle Leserschaft zu öffnen, sie lieben zu lernen. Und beim obigen skizzierten Schema der Kommunikation lesen wir nicht nur die Worte, sondern wir verstehen den Inhalt.

Nachdem wir nun selbst zum Kritiker unserer eigenen Geschichten geworden sind, holen wir wieder unser Schreibgerät und arbeiten darauf los. Vielleicht haben wir jetzt die Fähigkeit immer besser zu werden. Wir schreiben also, und nach 80, 90 oder 100 Seiten stellen wir fest, dass unser Werk rundum den obigen Anforderungen genügt. Wirklich? Ja, ganz sicher, denn unsere Freunde haben das Manuskript gelesen und uns gelobt. Der große Wurf steht unmittelbar bevor, denken wir. Unsere Augen bekommen den unnatürlichen Glanz von Geldmünzen, unser Sinnen und Streben ist am Anfang dieser Lektüre angekommen. Mit Schreiben kann man Geld verdienen! Wir sind sicher, dass diese unsere Geschichte die Herzen unserer Mitmenschen trifft. Schon sehen wir unser Werk in den Buchhandlungen im Schaufenster liegen. Unsere Hand signiert bei den zahlreichen Lesungen die eigenen Werke, und unser persönliches Ansehen steigt mit jedem verkauften Buch. Doch weit gefehlt. Zurück auf die Couch.

Was für Bücher stehen denn in den Buchhandlungen? Alle möglichen, werden wir ungeduldig sagen, Romane, Sachbücher, Ratgeber, Prosa, Gedichtbände...

Blind, weil wir nur uns sehen, erkennen wir nicht, was in den Buchhandlungen wirklich steht. Wie viele Seiten hat unser Lieblingsbuch? Wie viel Seiten haben die Bücher in den Drehregalen, welche die Taschenbücher anpreisen. 376, 416, 572 usw., ganz selten entdecken wir einen Roman unter 250 Seiten. Unser eigener Schriftsatz hat aber gerade einmal ganze 95 Seiten. Ja, stöhnt hier der geschulmeisterte Autor auf, es gibt ja auch Kurzgeschichten. Selbstverständlich. Wann hat er denn selbst, das letzte Buch mit Kurzgeschichten gekauft. Auf welcher Bestsellerliste steht denn die Anthologie mit den Kurzgeschichten? Seit ein Verlag Grimms Märchen in einem Buch gesammelt hat, schreiben die Menschen Kurzgeschichten und glauben es wären *ganze* Bücher.

In unserem Verlag kommen jeden Monat Manuskripte an, die etwas umfangreicheren als ein Deutschaufsatz sind. Lasset uns drei Hütten bauen, könnte man sagen, lasset sie uns zusammenstellen und als Eigenheim verkaufen. Was wir selbst lieben und kaufen sieht jedoch anders aus, wir selbst haben es nur noch nicht verstanden, weil wir bisher nur unseren Nabel betrachteten, andere Bücher nur solange lasen, bis wir selbst die Gelegenheit hatten zu schreiben.

Sollte es Ihnen, lieber Leser, auch so ergangen sein, so resignieren Sie bitte nicht. Ein gutes Manuskript bedarf einer guten Planung. Bevor die erste Seite beschrieben wird, muss der Weg und das Ziel abgesteckt werden. Was kümmert schon das Fundament, baut man eine Hütte. Wie viel mehr Planung und Berechnung ist jedoch notwendig, will man nur das Haus bauen in dem man selbst wohnt. Der Chefredakteur, der dem Volontär seine Geschichten zerreißt, der Kritiker, der an einem Roman kein gutes Haar lässt, ist in uns. Wir lassen diese Kritiker nicht zu Wort kommen, weil wir wie hypnotisiert auf unseren eigen Nabel schauen. Wer aber keinen Bezug nach außen findet, wird sein Tun und Lassen immer für gut befinden.

Wir wünschen Ihnen für Ihr schriftstellerisches Schaffen alles Gute.

 
 

nach oben nach oben

 
-
                                                                                                                                                                                           
   
-
 
-

Agentenromane

-

Anthologien

-

Biographien

-

Gedichte

-

Katzenromane

-

Kinderbücher

-

Lexikon

-

Romane

-

Sachbücher

Kirschbaum: OptionsscheineConradt, Alexander: Irmchen Busch, Stiefel, Malbuch Tulip Kirschbaum: Optionsscheine Bannier: Nackt Eichenberger: Der Siegermacher Auf der Suche nach Liebe Die Rentnerfarm
SchleifchenspielDer schönste Katzenroman der Welt Conradt: Träume von Avalon Ruge: Nina Christin will nur eins Bannier: Nackt Kleine Fluchten aus dem Staatsdienst Gohlke: Ohne Sinn Sprai: Liebe, Lust, Frust Hanstein/Puschkin
Conradt: Irmchen 4 Pranner: Der unverhoffte Stoß Painter: Integration Kleine Fluchten aus dem Staatsdienst Winkler: In Harmonie mit dem Universum Ruge Alexander Conradt: Irmchen II Wech u. a. Gedichte
Entscheidung für die Hölle Eichenberger: Faule Eier Friese/Kowalsky: Fluchtgefahr Kinderbuch: Kater Blödi Erlebnis an der Grenze Eichenberger: Der Siegermacher Kinderbuch: Kater Blödi
GesamtverzeichnisEichenberger: Faule Eier Parkinson: Durch die Hölle einer Krankheit Kurt Kowalsky: Fliegen müsste man können Kowalsky, Busch: Euer Zirkus mein Leben Wie knipst ein Glühwürmchen sein Licht an? Gluehwurm Liebe Der schönste Katzenroman der Welt Jack Painter: Posturale Integration
   
- -

 

Parkinson: Durch die Hölle einer Krankheit

 

 

 

 

 

Jean Moose: Schleifchenspiel

 

 

 

 

 

Nackt von Rudolf Moritz Bannier

 

 

 

 

 

Flick, Kowalsky: Kleine Fluchten aus dem Staatsdienst

 

 

 

 

 

 

Wie knipst ein Glühwürmchen das Licht aus?

 

 

 

 

 

 

Faule Eier, Agentenroman von Eichenberger, Holzinger-Verlag

 

 

 

 

 

Irmchen, Band 4, Holzinger-Verlag, Berlin

 

 

 

 

 

Der Siegermacher, Agentenroman vom Insider

 

 

 

 

 

Friese, Kurt Kowalsky: Fluchtgefahr

 

 

 

 

 

Rik deLisle

 

 

 

 

 

Konrad W. Sprai, Liebe, Lust, Frust, Holzinger Verlag

 

 

 

 

 

Busch, Geier, Kowalsky: Euer Zirkus mein Leben

 

 

 

 

 

Kirschbaum: Erfolg mit Optionsscheinen

 

 

 

 

 

Kurt Kowalsky: Fliegen müsste man können

 

 

 

 

 

Jack Painter: Posturale Integration

 

 

 

 

 

Friese, Kurt Kowalsky: Fluchtgefahr

 

 

 

 

 

Die Rentnerfarm

 

 

 

 

 

Konrad W. Sprai, Liebe, Lust, Frust, Holzinger Verlag

 

 

 

 

 

Painter, Erken: Integration

 

 

 

 

 

Alexander Conradt: Irmchen 3, Katzenroman

 

 

 

 

 

Wie knipst ein Glühwürmchen das Licht aus?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

lieferbare Bücher Holzinger-Verlag, Berlin
 
 
 
 
 
Autorenberatung, Holzinger-Verlag, Berlin
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Zähler Copyright 2009 by Hubert W. Holzinger, Berlin; Alle Rechte vorbehalten
 

Amazon-Shop Autorenberatung Bücher Haftungsausschluss Home Impressum Widerrufsbelehrung Kontakt Sitemap Sir Alec