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»Aber Bücherschreiben ist nicht
viel besser als Baumwolle spinnen, und Spinnen ist das nächste am
Betteln.«
(Jean Paul) |
Kann man mit Schreiben Geld verdienen?
Fast täglich hört man von Millionen-Auflagen. Sind
100.000 Bücher wirklich so viel?
Hat es bei der Vielzahl der
jährlichen Neuerscheinungen dann überhaupt noch Sinn etwas zu
schreiben?
Gute Bücher werden immer
gelesen. Also werden auch gute Manuskripte immer wieder verlegt. Welche
Chance habe ich bei einem großen Verlag verlegt zu werden?
Habe ich bei einem kleinen
Verlag größere Chancen, mein Buch verlegt zu bekommen?
Ich hoffe immer noch auf den
kleinen, idealistischen Verleger, der mir eine Chance einräumt. Gibt es
diesen noch oder regiert nur noch das Geld?
Nach welchen Kriterien werden
Manuskripte selektiert?
Ob Formbrief oder freundliche
Worte: Wie sind die Absagen der Verlage zu beurteilen?
Ist alles was abgelehnt wird schlecht?
Ich soll
Verlagskostenzuschuss bezahlen. Was ist davon zu halten?
Welche Autorenzuschussvereinbarung
kann ich als Schriftsteller eingehen? Wie schütze ich mich vor Betrügern?
Was man bei einer
Vertragsschließung (mit Autorenzuschuss) beachten sollte.
Was man bei einer
klassischen Vertragsschließung beachten sollte
Was ist von Literaturagenten zu halten?
Vielleicht sollte ich
erst einmal eine Schreibschule besuchen. Was raten Sie mir?
Wie wird man zum Profi? Was machen
Hunderttausende falsch? |
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Kann man mit Schreiben Geld verdienen?
Ein
alter Spruch sagt: Der Verleger wird vielleicht Millionär, der Autor
selten, der Lektor nie. In einem einzigen Jahr kamen in Deutschland
1960 22.000, 1980 67.000 und 1998 78.000 neue Bücher auf den Markt.
(nach Greiner, Ulrich in »Die Zeit«, v. 23.03.2000)
Liest ein einzelner Mensch jeden Tag ein
Buch, so kann er in 40 Jahren gerade einmal 14.600 Bücher
lesen. Niemand ist also in der Lage, die Neuerscheinungen nur
eines Jahres in seinem Leben zu lesen. Sicher ist auch, dass es in einem Jahr
mindestens 52 neue Millionäre gibt. Nicht durch schreiben,
sondern durch Lotto spielen. Doch wir wollen hier keine Träume
vernichten.
Hier eine Beispielrechnung: Werden 100.000
Bücher eines Werkes verkauft, so ergibt dies bei einem
Buchpreis von angenommenen 29,- Euro einen Umsatzbezug von netto
2.710.280,- Euro. Bei einer Autorenhonorierung von seltenen 10%,
hat also der Autor vor Steuer runde 271.000,- Euro verdient. Das ist viel Geld, doch 100.000 Bücher sind
eine Menge Papier, das verkauft sein will.
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Fast täglich hört man von Millionen-Auflagen. Sind
100.000 Bücher wirklich so viel?
Ein 80jähriger Mann kommt zum Arzt: »Herr
Doktor, mein Schulfreund erzählt mir jeden Tag, wie gut er noch
beim Liebe machen sei. Doch bei mir regt sich überhaupt nichts
mehr. Bitte helfen Sie mir.«
»Nichts leichter als das«,
antwortet der Arzt, »behaupten Sie doch einfach das gleiche.«
Wir leben in einer Zeit der großen Zahlen.
Ist der Telefonanschluß drei Mal besetzt, sagt man ärgerlich:
»Ich habe bereits zwanzig Mal angerufen - immer besetzt. Ich
glaube, die haben den Telefonhörer daneben gelegt.«
Wer am Postschalter fünf Minuten in der Schlange steht, sagt
aufgebracht zum Schalterbeamten: »Jetzt warte ich bereits eine
halbe Stunde.«
Die Informationen durch TV-Sendungen haben
wohl in der Regel ein superscharfes Bild. Aber nirgendwo bekommt
man die Garantie, dass die Wahrheit erzählt wird. Die Wahrheit ist
nämlich oftmals durch 10 oder 20, vielleicht sogar durch
100 zu teilen. Das gilt besonders bei Auflagenstärken und
Buchverkaufszahlen. Man schaltet den Fernseher ein, und ein
Autor erzählt von seiner Millionenauflage. Sonderbar ist nur, dass Sie als Zuschauer
bisher noch nie etwas über das Buch gehört haben. Doch der
»Zuschauer« schaltet den Kasten
nicht ärgerlich ab, sondern glaubt, dass er eben ein
Kulturmuffel sei, weil ja angeblich zwei oder drei Millionen
Menschen, schon vor dieser Sendung, das Buch
kannten.
Eines unserer Bücher (ein Roman) stand zehn
Mal hintereinander auf der Karstadt-Bestsellerliste,
gleichzeitig erschien das Buch auf der Verkaufsliste von Stielke
auf Platz 10, was bedeutet hat, dass das Buch in den
Bahnhofsbuchhandlungen ebenfalls auf der Bestsellerliste stand. Schätzen Sie bitte: Wie viel Bücher wurden
in einem Zeitraum von fünf Jahren verkauft?
4
Millionen (Konsalik hatte weltweit über 80 Millionen)? 1
Million (das sind dann pro Monat nur 1.666 Bücher)? 500.000
mindestens, weil Karstadt ein riesiges Unternehmen ist? oder: 250.000
(obwohl Sie das kaum glauben können)?
Na, haben Sie geschätzt? Bedenken Sie bitte,
es handelt sich um einen Bestseller. Es sind mindestens 40
vierfarbige Zeitungsartikel erschienen. Der Autor ist mehr als
25 mal im Fernsehen aufgetreten. Haben Sie richtig geschätzt?
Leider nein! Bundesweite
wurden nämlich weniger als 200.000 Bücher verkauft. Trotzdem
war diese Veranstaltung ein großer Erfolg. Da speziell dieser
Autor seine gesamten Einnahmen einem Tierheim spendete, haben
sich auch noch die notleidenden Tiere darüber gefreut (und
nicht nur die Verleger).
Dies also zu den großen Zahlen. Natürlich
werden Wörterbücher, Schulbücher, Gesetzessammlungen oder
bestimmte Sachbücher mit anderen Maßstäben zu messen sein als
Belletristik. Trotzdem ist es immer ratsam, nicht alles zu
glauben, was behauptet wird .
Fazit: »Aus Lügen, die wir glauben,
werden Wahrheiten, mit denen wir leben. (Oliver Hassencamp).«
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Hat es bei der Vielzahl der
jährlichen Neuerscheinungen dann überhaupt noch Sinn, etwas zu
schreiben?
Die
meisten Menschen schreiben, weil sie ein Bedürfnis danach
haben, ihre Gedanken niederzuschreiben. Schreiben kann helfen
eigene Probleme zu verarbeiten, eigene Gedanken zu reflektieren
(Tagebuch). Schreiben kann auch Hobby sein, einfach nur Spaß
machen. Viele Eltern schreiben auch Geschichten für ihre
Kinder. Wer jedoch schreibt, um sein Produkt zu verkaufen,
verlässt diese Ebene und begibt sich in einen gnadenlosen
Verdrängungswettbewerb. Die Idylle der Schriftstellerei
wechselt sich ab mit dem fast panischen Gedränge eines
Angebotmarktes. Vergleichbar mit einem
vollbesetzten Fußballstadion, in welches 180.000 Fans drängen,
um ausschließlich in der ersten Reihe noch einen Platz zu
bekommen.
»Man kann die Erfahrung nicht
früh genug machen, wie entbehrlich man in der Welt ist«, meinte Goethe.
Hat die Schreiberei also noch Sinn
oder ist es ratsamer gleich zu kapitulieren?
Gegenfrage:
Wie groß ist die Chance drei Richtige im Lotto zu haben?
Angenommen Sie hätten seit Beginn der Lottoziehungen
beispielsweise die Zahlen 3,18,21,24,32,44 getippt, jede Woche,
Jahr für Jahr. Wie viele Dreier glauben Sie erzielt zu haben?
900?, 90? oder nur 9. Die letzte Antwort wäre richtig. Neun
Dreier hätten Sie mit diesen Zahlen erzielt. (Und zwar am
16.10.1955 den ersten und am 18.9.99 den letzten). Ach so, fast
hätten wir's vergessen zu erwähnen: Vier Richtige wurden
bisher mit diesen Zufallszahlen nie gezogen, geschweige denn
mehr. Und nun halten Sie diese Tatsachen einem Menschen vor, der
vergangene Woche 6 Richtige hatte. Wollen wir ihm erzählen,
dass die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen gegen Null
tendiert? Wollen wir ihm raten, dass es sich nicht lohnt Lotto
zu spielen, weil man pro Tipp nur etwa alle vier Jahre einen
Dreier hat?
Die
Plätze auf den Bestsellerlisten sind so frei, wie die
Millionengewinne beim Deutschen Lottoblock. Wer seine
Gewinnerwartung nicht zu hoch setzt, kann freudig überrascht
werden. Wer mit Gewinn rechnet, wird sich die
Wahrscheinlichkeiten vorrechnen lassen müssen.
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Gute Bücher werden immer gelesen.
Also werden auch gute Manuskripte immer wieder verlegt. Welche
Chance habe ich bei einem großen Verlag verlegt zu werden?
Sie haben eine Chance, das ist unbestritten.
Irgendwelche Manuskripte werden jährlich zu Büchern
verarbeitet. Aber was ist ein gutes Buch? Messen wir es
nach verkauften Exemplaren (Bestseller), so gibt es wenig zu
streiten, wir müssen nur die Verkaufszahlen vergleichen. Hohe
Verkaufszahlen sichern oder erhöhen den Gewinn. Welches
Buchmanuskript nun gute Verkaufszahlen erzielen wird, ist eine
Spekulation des Verlages. Spekulieren wir mit!
Wir betreten ein großes Verlagshaus.
Versetzen Sie sich nun in die Lage eines
Unternehmers. Verleger sind nämlich nichts anderes als
Unternehmer. Ein Krämer ist jedoch kein Mäzen, wie schon
Goethes Verleger Goeschen formulierte.
Doch
zurück in unsere Geschichte: Sie haben verschiedene Manuskripte, alle
spannend und gut geschrieben. Ein paar Bücher sind von ausländischen
Autoren, haben z.B. in den USA ein Millionenpublikum begeistert. Der
Verleger kann sich ausrechnen, dass alleine die Werbeaussage: »Bereits
5 Millionen mal in den USA verkauft«, sich auszahlen wird. Ein paar
Anfragen bestehen von irgendwelchen Gauklern, Serienstars, Talkmeister
und Moderatoren. Vielleicht, so wird der Unternehmer denken, ist es
rentabler ein Kochbuch von einem TV-Star, den bereits 40 Millionen
Menschen kennen, herauszubringen, als den Gedichtband von Marlies M.
aus Hohenasperg. Keine Frage, der Gedichtband dieser Hausfrau ist
wertvoll und mit viel Liebe geschrieben. Aber das müssten man nun einem
überforderten und desinteressierten Publikum erst einmal klar machen.
Das Kochbuch ist noch gar nicht geschrieben. TV-Star XY kann überhaupt
nicht schreiben, doch er kennt einen Journalisten, der ihm die 100
Seiten innerhalb von 10 Tagen zusammenschmiert. Natürlich kann niemand
nach diesen Rezepten gut kochen, geschweige denn, das Resultat essen.
Aber der Typ ist beliebt, bekannt und hat Erfolg bei Frauen.
Nun liegen noch ein paar Manuskripte von
bekannten Politikern vor und etliche Manuskripte von
Professoren, Wissenschaftlern, Nobelpreisträgern,
Theaterkritikern, erfolgreichen Unternehmern und zahlreichen
Journalisten. Die Qual der Wahl drückt auf die Stimmung. Man
ist den Aktionären oder Teilhabern verpflichtet. Die Bilanz der
letzten Jahre war nicht gerade gut, jetzt sollte man möglichst
kein großes Risiko eingehen.
Den Gedichtband von Marlies M. hat man nun
bereits zur Seite gelegt. Auf einem Wagen, draußen vor der
Tür, liegen noch 2.000 Manuskripte. Die Lektoren der einzelnen
Bereiche haben Sie nach Inhalt, Art und Form aufgelistet. Wie
würde jemand entscheiden, der seine letzten 10.000,- Euro von
seinem Sparbuch riskieren muss? Wie entscheidet sich dieser
Verleger?
Eine Sekretärin hat einem Präsidenten die
Hose geöffnet und will in ihrem Buch endlich einmal sagen, wie
sie diese Sache sieht. Danach haben Sie das Kochbuch genommen
(Sie müssen ja nichts danach kochen.). Natürlich kennen Sie
niemand, der nach solchen Kochbüchern zu kochen versucht, aber
als Geschenk taugt es immer. Und so geht es weiter. Ein paar
Titel sind jetzt noch frei. Die Marketingabteilung berichtet,
dass gerade Bücher von Flugzeugkatastrophen groß im kommen
sind. Zwanzig Romane der 2.000 handeln von Flugzeugkatastrophen.
Diese hat man nun zur Auswahl, der vorhandene Etat reicht nur
noch für fünf Titel. Der Chef-Lektor hat aus diesen Titeln zehn ausgewählt.
Die Vertreter meinen, es müssten Bilder drin sein. Wenn man die
Rechte für die Bilder kaufen wollte, könnte man nur noch vier
Titel verlegen. Der Chef lässt sich eine Tasse Kaffee bringen.
Schnitt! Kamera aus!
Vielleicht entscheidet man sich nun
für Ihr Buch. Jetzt haben Sie Ihre Chance!
Ach so, entschuldigen Sie bitte, wir konnten
ja nicht wissen, dass Sie einen Roman über einen Schäferhund
geschrieben haben. In einem anderen Verlag zur gleichen Zeit,
sagt gerade die Marketingabteilung, dass Tierbücher ganz groß
im kommen sind. Schade nur, dass Ihr Manuskript im falschen
Verlagshaus liegt.
Fassen wir zusammen: Es ist für einen Verlag
risikoloser auf »fahrende Züge« aufzuspringen, als selbst
Buchprojekte zu konzipieren und auf den Weg zu bringen. Die
»Neuentdeckungen«, die dann noch veranstaltet werden
unterliegen einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Ein
großer und bekannter Verleger wurde gefragt, nach welchen
Kriterien er seine Auswahl vornimmt. Er antwortete: »Ich
schlage mir das Manuskript auf den Hinterkopf.« Etwas Wahres
wird an dieser Aussage dran sein. Doch das Manuskript muss erst
einmal in seine Hände kommen. Was bedeutet, dass man auf dem
beschriebenen Wagen mit den geschätzten 2.000 Manuskripten
liegen muss. Pförtner, Volontäre, Verlagsassistenten und
bestenfalls Lektoren haben im Eilverfahren davor gnadenlos
selektiert. Wie diese Selektion aussieht, beantworten wir weiter
unten.
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Habe ich bei einem kleinen
Verlag größere Chancen, mein Buch verlegt zu bekommen?
Es ist klar, dass die größten Verlage die
meisten Angebote bekommen. Die eingereichten Manuskripte werden
in Tausendern gezählt. Je kleiner ein Verlag, desto größer
ist also die Chance, dass sich wirklich jemand mit Ihrem
Manuskript beschäftigt.
Je kleiner ein Verlag, desto direkter ist der
Weg zum Entscheidungsträger. Es ist eine Binsenweisheit, dass
Verlagshäuser ohne Pförtner diesen nicht zur Selektion der
Manuskripte einsetzen können. Kleinen Verlagen bleibt in der
Regel nichts anderes übrig, als selbst Buchprojekte zu
konzipieren und auf den Weg zu bringen. Die »fahrenden Züge«,
die Selbstläufer aus dem
Ausland oder in Bezug auf die Prominenz des Autors, machen um
die Büros der kleinen Verlage einen großen Bogen. Der Autor
steht somit im Auswahlverfahren der »Verleger« nicht mehr in
Konkurrenz mit Schreibern, gegen die er aus rein merkantilen Erwägungen
keine Chance hat.
Aber kleine Verlage haben weniger Macht und
Mittel ihre Bücher in den Markt zu drücken. Das ist der
Grundsatz. Der Umkehrschluss ist aber unzulässig. Wer die Macht
und Mittel hat, braucht sie nicht zwingend gerade für Ihr Buch
einzusetzen.
Autoren sollten trotzdem grundsätzlich oben
in der Hierarchie der Verlage mit ihrer Akquisition beginnen und
nie unten.
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Ich hoffe immer noch auf den
kleinen, idealistischen Verleger, der mir eine Chance einräumt. Gibt es
diesen noch oder regiert nur noch das Geld?
»Ideale haben merkwürdige Eigenschaften,
unter anderem die, dass sie in ihr Gegenteil umschlagen, sobald man sie
verwirklicht«, möchte man Robert Musil zitieren. Dazu eine
kleine Geschichte: Vor vierzehn
Jahren stand unser Verlag mit zehn kleinen
anderen Verlegern in Verbindung. Die Idee war, sich zu einem losen Verband
zusammenzuschließen, einen gemeinsamen Verlagsvertreter
einzustellen usw. Schon nach kurzer Zeit kristallisierte es sich
heraus, dass die Unterschiede der jeweiligen Verlegerpersönlichkeiten
gravierend waren. Es gab Verleger, die »nebenher« irgendwo
unselbständig arbeiten gingen, und ihren »Bauchladen-Verlag«
von ihrem Gehalt finanzierten. Andere hatten bereits vier oder fünf
Halbtagskräfte beschäftigt und appellierten bei der
Lohnzahlung an den Idealismus ihrer Mitarbeiter. Wieder andere
waren eher Künstler, Literaturkritiker, verhinderte Lektoren
als Kaufleute. Nur wenige sahen das Buch als Ware. Nach einer zähen
Diskussion brachen wir die Verhandlungen ab und notierten uns
die Namen dieser Idealisten. Heute gibt es keinen einzigen
dieser Wohltäter mehr. Vielleicht war unseren Autoren mit
etwas Geschäftssinn mehr geholfen, weil wir ihre Werke nach wie
vor lieferbar halten können.
Fazit: Wer die meisten Trinkgelder gibt, geht bankrott.
Wer aber bankrott ist, wird überhaupt keine Trinkgelder mehr
geben können. Die Freude einen idealistischen Verleger
zu treffen, ist so für manchen Autoren leider nur kurz.
Es würde zu weit führen, die
Grundsatzdiskussion über die moralische Verwerflichkeit, dass
Geld die Welt regiert, an dieser Stelle zu führen. Nur soviel
geben wir zu bedenken, regiert das Geld nicht, regieren Funktionäre,
Verteilungspläne, Kommissionen, Mängellisten und dann immer
auch bald Stacheldraht und Gewehre. Vielleicht hätten gerade Sie
sich an einer Stelle ihres Manuskripts ungeschickt ausgedrückt.
Es gab in Europa und besonders in Deutschland viele »Idee«-Anhänger,
die Sie für einen einzigen missverständlichen Satz in ein
Arbeitslager gesteckt hätten.
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Nach welchen Kriterien werden
Manuskripte selektiert?
Vordergründig ist dies einfach zu beantworten
und trifft für Verlage jeder Größenordnung zu: Dem Grunde und
dem Grade nach. Was heißt das?
Es spielt keine Rolle, welchen Qualitätsgrad Ihr
Manuskript hat, der »Wissenschaftsverlag« verlegt Ihren Liebesroman nicht.
Es braucht nicht darüber spekuliert werden, welche Marktchancen Ihr Bildband
über die Kunst des 18. Jahrhunderts hat, der Taschenbuchverlag wird dafür
keine Produktionskapazitäten haben. So wird das Unternehmen, das sich auf
den Ankauf von Lizenzen spezialisiert hat, Ihr Manuskript bereits vom
»Pförtner« zurückschicken lassen, da es ja keine eigenständigen
Veranstaltungen unternimmt. Ein anderes Unternehmen hat seine
Produktionspalette im Sommer des vergangenen Jahres festgelegt, die
Manuskripte häufen sich aber so, dass man eigentlich für die nächsten fünf
Jahre ausgebucht wäre. Irgendwann (aus reinen Kapazitätsgründen) wird die
Anweisung kommen, alle weiteren Manuskripte mit Formschreiben »A1«
zurückzuschicken. Ist die Grundlage also nicht vorhanden, gleicht der Autor
einem Hijacker, der ein Segelflugzeug kapert, um sich nach Kuba abzusetzen.
Sie werden lächeln. Die Post AG macht einen riesigen Umsatz mit blind
versandten Manuskripten, die in irgendwelchen Verlagshäusern landen und (ist
ausreichend Rückporto beigefügt) postwendend zurückgeschickt werden. Das
Prinzip der Autoren lautet oft: Klappe auf, Affe rein, Klappe zu, Affe tot.
Wer glaubt, dass die eigentliche Arbeit eines
Schriftstellers das Schreiben ist, der irrt.
Ja, natürlich macht es Mühe, herauszufinden
was die einzelnen Verlage unternehmen, wie ihre Programme sind
usw. Der Generation der Zapper, die täglich die Wahl zwischen 34
Fernsehkanälen per Fernbedienung hat, ist es schwer klar zu
machen, dass die Götter eigentlich vor alles den Schweiß gesetzt
haben. Wer glaubt, dass die eigentliche Arbeit eines
Schriftstellers das Schreiben ist, und seine Vermarktung mit ein
paar Kopien und Postpaketen erledigt wäre, der irrt. Die Arbeit
fängt jetzt erst an. Haben Sie als Autor keinen
Prominentenfaktor, keine Marktlücke und keinen Pressebonus, so
kann man ohne weiteres mit einem Faktor 1:5 rechnen. D.h.
benötigt der Autor 500 Stunden für die Schreibarbeit, so hat er
etwa 2.500 Stunden für die Vermarktung seines Manuskriptes
aufzuwenden. Dass Profis unter den Schreibern, einen großen Teil
ihrer Vermarktungstätigkeit vor die eigentliche Schreibarbeit
setzen, steht auf einem anderen Blatt. Diese Lektüre beschäftigt
sich jedoch mit Autorenberatung, und es ist leider üblich, dass die
Manuskripte, wenn man Beratung sucht, bereits in der Schublade
liegen.
Kommen wir zur Selektion dem Grade nach.
Wir nehmen an, dass die Grundlagen für einen Autorenvertrag
gegeben sind. Sie stehen als Autor jetzt »nur« noch in Konkurrenz
zu Autoren mit dem Prominentenfaktor null und keinem vorhandenen
Pressebonus, was so viel bedeutet, dass Sie unter
Marketinggesichtspunkten so unbekannt sind wie die legendäre
Kirchenmaus. Die Frage der Marktlücke ist bereits beantwortet,
und der Lektor würde nun gerne Ihr Manuskript zur Verlagnahme
vorschlagen, vorausgesetzt es erscheint ihm dem Qualitätsgrad
nach geeignet. Wir schreiben hier mit Absicht nicht von »gut«
oder »schlecht«, denn Schopenhauer schrieb bestimmt »gut« und
trotzdem sieht man so viele Menschen in der U-Bahn die
Bild-Zeitung lesen. Haben Sie die beiden Bände »Die Welt als
Wille und Vorstellung« bereits gelesen, und sind gerade bei den
Bänden »Parerga und Paralipomena«, so sind Sie natürlich
entschuldigt. Die über 700 Seiten der kleinen Schriften können
Sie ja ein anderes Mal lesen.
Ja, es ist einfacher sich alle Musikstücke eines Genies wie
Mozart anzuhören, als sich der Werke eines genialen
Schriftstellers zu bemächtigen. Die Kunden in den Zeitungsläden
kaufen dann auch überwiegend die »schlechten« Zeitungen, und es
ist zu vermuten, dass es nicht am Preis dieser Zeitungen liegt.
Ein Lektor hat während seines Studiums vieles gelesen.
Vielleicht hat er sogar einen Lieblingsschriftsteller,
vielleicht kann er nach 10 Jahren Verlagsarbeit keine Bücher
mehr sehen. Wie dem auch sei, einigen wir uns darauf, dass er
kein Übermensch ist. Glauben Sie ferner einem Kenner der Szene,
dass unser kleiner Lektor wahrscheinlich in einem Büro sitzt, in
das man keinen Hund einsperren dürfte, weil es ein Verstoß gegen
das geltende Tierschutzgesetz wäre. Glauben Sie bitte auch, dass
dieser Mensch, auf den Sie persönlich so große Hoffnungen
setzen, ein Telefon hat und dieses ständig klingelt. Das ist nun
mal so, wenn Autoren telefonisch nachfragen, ob ihr Manuskript
angekommen sei. Wie lange braucht man jetzt schätzungsweise ein
Manuskript durchzulesen? Der Autor erwartet ja schließlich, dass
man seiner Arbeit gerecht wird.
Vielleicht wäre er bereit Änderungen vorzunehmen, vielleicht
könnte man mit ihm darüber reden, dass er auf sein Honorar
verzichtet, sicher wäre er damit einverstanden, dass sein Werk
von einem Fachmann gänzlich überarbeitet würde, doch wüsste er,
dass dieser »arrogante« Lektor nur ein paar Minuten in sein
Manuskript schaut, um sich einen Überblick zu verschaffen, die
blanke Wut würde ihn packen.
Wohl gemerkt: Unser Lektor ist am Selektieren.
-
Er hat nicht vor, handwerkliche Fehler in
Ihrem Manuskript zu beseitigen.
-
Er recherchiert für Sie die Geschichte
nicht zu Ende.
-
Er rümpft über Ihr schlechtes Deutsch
nicht die Nase.
-
Und, er selbst kann keine Eier legen,
aber er hat ein untrügliches Gefühl dafür, wenn eines faul
ist.
Und nun halten Sie sich bitte fest: 50% aller
uns eingereichten Manuskripte, sind handwerklich derart
miserabel, dass, wollte man sie verbessern, die gesamte
Geschichte neu geschrieben werden müsste.
Wer einmal etwas von der Gausschen Verteilungskurve gehört hat,
wird nun einwenden, dass solche Entscheidungen und Urteile an
den Rändern zwangsläufig unscharf sein müssten. Das kann nicht
bestritten werden. Das Selektionsverfahren ist dem alltäglichen
menschlichen Irrtum unterlegen. Eine geringe Anzahl von
Manuskripten wird dadurch als »handwerklich schlecht« bewertet,
obwohl der zweite Blick den Irrtum aufdecken würde, und wie zum
Ausgleich werden einige Manuskripte durch diese »Zensur« kommen,
obwohl man sie eigentlich dem Feuer übereignen müsste.
Vielleicht schlägt der Lektor sich Ihr
Manuskript auf den Hinterkopf
Unser Lektor atmet jetzt erst einmal auf, hat
er doch die Hälfte seiner Arbeit bereits getan. Die restlichen
Manuskripte haben nun die Chance, dass sie quer gelesen werden.
Kuriose Blüten kommen dabei zu Tage. Dramaturgische Mängel und
kleinere Fehler im Aufbau, werden jetzt übergangen, ist alles
irgendwie interessant und bekommt die Geschichte einen guten
originellen Schluss. Doch wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das
Ende sehe. Da verlaufen gut angelegte Geschichten im Sande. Da
beschreibt der Autor eine »Rutsche«, indem er schreibt: »Wir
haben hier eine Rutsche. Dies ist der erste Meter der Rutsche,
nun kommt der zweite Meter der Rutsche...« (Spätestens jetzt
kommt das Manuskript in den Postausgang.) Den dritten Meter der
Rutsche, wartet der Lektor nicht ab. Von 100 Manuskripten
bleiben nun noch etwa 10 übrig. Wir wollen jetzt annehmen, dass diese 10
Manuskripte gut sind. Alle zehn könnte man verlegen, für alle
zehn hielte sich die Spekulation einer Neuemission auf dem hart
umkämpften Buchmarkt in Grenzen. Fünf dieser Manuskripte schlägt
nun der Lektor der Verlagskonferenz vor. Welche fünf?, werden
Sie fragen. Wir wissen es nicht. Vielleicht schlägt er sie sich
auf den Hinterkopf. Vielleicht fragt er einen Volontär im ersten
Monat.
Wer dann die letzte Hürde, die
Verlagskonferenz, überstanden hat, kann sich be-GLÜCK-wünschen.
Wir wissen nicht, ob der Vertriebsleiter
etwas gegen Schäferhunde hat, der Marketingchef heute morgen in
den Kot getreten ist, und deshalb nun mit
betriebswirtschaftlichen Argumenten erklärt, dass Hunderomane
keine Chance haben. Seien Sie froh, dass Sie sich die vielen
Reden und Gegenreden nicht anhören müssen. Und trösten Sie sich
mit dem Gedanken, dass Sie eventuell den gleichen Vornamen
haben, wie der Lieblingsenkel des Chefs. Dass seine Entscheidung
deshalb auf Ihr Manuskript gefallen ist, wird er nicht zugeben,
aber Sie werden sowieso nur als Bestsellerautor die Gelegenheit
haben mit ihm am kalten Büfett zu stehen.
Sie werden sich fragen, wie dies alles
bei einem kleinen Verlag aussieht. Sie haben vielleicht die
Vorteile mit dem Bauchladenbesitzer selbst zu reden. Sie können
sich auch einbilden, dass Sie ihm telefonisch schon eine Menge
Argumente geliefert haben, warum er gerade Ihr Manuskript in die
nähere Entscheidung ziehen muss. Doch seien Sie sich darüber im
Klaren, alle Stufen der Entscheidungsfindung geht dieser
Verleger wie oben beschrieben durch. Vielleicht findet die
Redaktionskonferenz dann im ehelichen Bett des Verlegers statt,
Ihnen als Autor hilft es wenig. Gehören Sie zu den 50% der Vorab-Selektion,
so wird er es Ihnen nicht sagen. Fallen Sie beim Querlesen durch
das Raster, so wird er eventuell von
Mängeln sprechen, aber insgesamt andere Kriterien vorbringen.
Schickt er Ihr Manuskript aber zurück, weil er die Qual der Wahl
hatte, so trösten Sie sich mit der alten Trapper- und
Fallenstellerweisheit, die da heißt: »Einmal fängst du den
Bären, ein andermal er dich.«
Doch keine Angst vor wilden Tieren! Die
meisten Autoren warten mit dem Schmetterlingsnetz vor dem
Hühnerstall. Die Chance, einen Bären zu fangen ist deshalb
gleich Null. Die Gefahr, dass der Bär sie einfängt, ist
proportional ein mental Vielfaches.
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Ob Formbrief oder freundliche
Worte: Wie sind die Absagen der Verlage zu beurteilen?
Lehnt ein Verlag ein Manuskript ab, bietet
Ihnen jedoch mit gleicher Post einen Vorvertrag an, das Werk in
zwei Jahren zu verlegen, so lohnt es sich dieses Angebot zu
prüfen.
Alles andere brauchen Sie sich nicht durchzulesen.
Mit der heutigen Computertechnik können Sie
einen Formbrief, zusammengesetzt aus fertigen Textbausteinen
sowieso nicht mehr von einem individuellen Antwortschreiben
unterscheiden. Ärgern Sie sich also nicht über die angekreuzte
Rückantwort, sie ist vielleicht ehrlicher als ein Brief, der den
Eindruck von Individualität vermittelt.
Natürlich sieht die Welt für wenige Minuten
ganz anders aus, fängt der Absagebrief mit den kleinen Wörtern
an »Wir bedauern sehr...« oder mit einem »Leider sind wir
derzeit...«. Immer folgt eine Absage. Sagt Ihnen eine
freundliche Lektorin am Telefon, dass sie »selten so etwas
Interessantes, Spannendes, Gutes gelesen hätte«, dass sie sich
aber in der Verlagskonferenz oder beim Chef oder bei den
übrigen Lektoren nicht habe durchsetzen können. So heißt das
nur, dass sie den »schwarzen Peter« an eine für den Autor
unerreichbare graue Masse abgibt. Sie brauchen diese
Beurteilung
noch nicht einmal im nächsten Manuskriptangebot zu erwähnen, sie
wäre das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht.
Schreibt ein Verlag, dass das Manuskript
nicht in die Programmstruktur passt, so besorgen Sie sich, wenn
Sie selbstquälerisch des Pudels Kern wirklich ergründen wollen,
den entsprechenden Verlagsprospekt. Gute Autoren haben dies
bereits zuvor geprüft (siehe oben). Nun entscheiden Sie selbst.
Vielleicht schreibt der Verlag aber auch,
dass die Kapazitäten erschöpft wären. Nun könnten Sie ja der
irrigen Ansicht sein, dass Sie im nächsten Jahr eine reelle
Chance hätten. Vergessen Sie's! Alle Verlage können über den
Tellerrand hinausblicken. Wäre man der Ansicht, dass Ihr
Manuskript im nächsten Jahr eine Chance hätte, so würde man
versuchen Sie vertraglich zu binden. Damit die Autoren erst gar
nicht ins Hoffen kommen, schreiben pfiffige Verlage deshalb:
»Unsere Kapazität ist über Jahre hinaus ausgeschöpft...«,
was heißen soll, verschonen Sie uns im nächsten Jahr mit dem
selben Mist.
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Ist alles was abgelehnt wird schlecht?
»Man spricht vergebens viel, um
zu versagen; der andere hört von allem nur das Nein.« (Goethe)
Wir selbst haben einmal einem Autor
geschrieben: »Ihr Manuskript könnte man an der einen oder
anderen Stelle bestimmt noch verbessern. Und dies in jedem
Satz.« Sicher hätte er sich noch mehr gefreut, hätten wir ihm
die schätzungsweise 2.000 Änderungsvorschläge mitgeteilt. So
hat er sich wahrscheinlich über diese »arroganten Verleger«
nur geärgert. Diese etwas freche Antwort bedeutet jedoch noch
lange nicht, dass das, was der Schreiber zu Papier gebracht hat,
schlecht war. Ist eine Tagebucheintragung schlecht? Sicher doch
nicht. Sie erfüllt ihren Zweck. Viele Liebesbriefe strotzen
wahrscheinlich vor grammatikalischen und sonstigen Fehlern. Sind
sie deshalb schlecht? Die Ablehnung eines Verlages bedeutet
zuerst:
Der Verlag sieht keine Chance dieses Manuskript zu vermarkten.
Diese Feststellung sagt weder aus, ob der ganzen Schreiberei
einen Hang zur Weltliteratur innewohnt, noch dass nur ein
einziger Satz irgendeine allgemein verbindliche Grundlage
hätte.
Schreiben hat einen Selbstzweck.
Schriftstücke sind immer geronnene Gedanken. Schreiben, Malen
und Musizieren sind eine der graduell hervorragenden Merkmale,
die den Menschen vom Tier unterscheiden. Im Hinblick darauf, wie
flüchtig der Mensch und seine Gedanken sind, ist Kunst die
einzige Form unsere Gedanken weiterleben zu lassen.
Was Verleger ablehnen sind potentielle Produkte für den Markt. Niemand in
einer pluralistischen Gesellschaft wird Erfolg planen können.
Zu viele unbekannte Faktoren spielen eine Rolle. Als würde man
die Bewegungen eines Mobile, das von der Decke herabbaumelt
berechnen können, versuchen die Marktforscher den Verlauf eines
Produktes einzuschätzen. Ihre Spekulationen gehen oft daneben,
doch wer wird es ihnen verübeln, wenn sie auf Grund von
gewonnenen Erfahrungen ihr gutes Geld nicht verlieren wollen und
sich deshalb so entscheiden wie sie sich entscheiden.
Wer meint, dass der potentielle Käufer sich
zukünftig so oder so verhält, spekuliert. Auch die größten
Konzerne, die besten Marktforscher liegen bei ihren Analysen oft
daneben (im Verlagswesen spricht man von bis zu 80%). Die 20%
der richtigen Prognosen müssen nun die Verluste wieder
übertreffen. Wer dies verstanden hat, den wird der
Zusammenbruch ganzer Verlagsimperien nicht mehr überraschen.
Das Buch als Kulturgut, als edles
Gerinnungsprodukt eines einzigartigen Gedankenganges
verschwindet, betrachtet man die Sache auf dieser Ebene. Bücher
und Papiertaschentücher unterscheiden sich lediglich
dadurch, dass Marcel Reich-Ranicki die einen manches Mal
kommentiert, die anderen wahrscheinlich noch nicht einmal
benutzt.
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Ich soll
Verlagskostenzuschuss bezahlen. Was ist davon zu halten?
Der Verlagskostenzuschuss wird in
unterschiedlicher Form erhoben. Es gibt so viele Varianten, wie
es Verlagsunternehmen gibt. Die klassische Verlagnahme
beinhaltet, dass ein Verleger dem Schriftsteller die Kosten der
Buchproduktion und des Marketings vorlegt. Der Autor bezahlt
nichts, sondern bekommt für die Übertragung des Nutzungsrechts
ein Honorar. Wir haben bereits oben den spekulativen Charakter
solcher Veranstaltungen skizziert. Ein Verlagskostenzuschuss
heißt nichts anderes, als dass der Verleger das Risiko (die
Spekulation) auf den Autor abwälzt. Diese Lastenverteilung kann
zum Teil oder in Gänze erfolgen, je nach dem wie das
Projekt konzipiert ist.
Der Schriftsteller (Schrift kann so und so
gestellt werden) ist normalerweise von seinem Werk überzeugt
und versucht einen Verleger zu finden, der in sein Werk
investiert. Nur ein Betrüger würde einen anderen dazu
überreden wollen, in sein Projekt zu investieren, wenn er nicht
selbst davon überzeugt wäre, dass dieses, sein Projekt,
Chancen auf Erfolg hätte. Moralisch gesehen ist also an einer
Risikostreuung zwischen Verlag und Autor nichts Verwerfliches.
Wer es sich als Schriftsteller leisten kann
und die Risiken kennt, kann sich über die Meinung sämtlicher
Lektoren, Literaturkritiker und Marktanalysten hinwegsetzen und
sein Werk auf den Markt bringen. Für alle, denen der Kampf um
die Gunst der Verlage für eine klassische Verlagnahme zu
mühsam oder zu aussichtslos erscheint, steht dieser Weg
grundsätzlich offen.
Doch die Gefahren liegen im Detail. Was
ist zu unterscheiden?
-
Es gibt Verlage, die jede
Autorenbeteiligung grundsätzlich ablehnen, weil nur die
klassische Verlagnahme eine volle eigenverantwortliche
Nutzungsrechtverwertung gewährleistet. Jede Beteiligung des
Autors setzt den Verleger in ein anderes Rechtsverhältnis,
was manche Unternehmen aus verständlichen Gründen
ablehnen.
-
Und es gibt Verlage (wir gehören dazu),
die sowohl klassisch- als auch mit Kostenbeteiligung der
Autoren verlegen. Will ein Verlag Autorenbeteiligung, bzw.
Kostenzuschuss (bei uns sind das etwa 50% aller Verlagnahmen) so
bedeutet dies, dass er
nicht bereit ist, das Risiko zu übernehmen. Der Verlag
schätzt die Neuemission schlechter ein, als die Bücher,
die er bereits ohne Beteiligung verlegte.
Die Höhe der Autorenbeteiligung schwankt dann auch zwischen
25 und 100% der kalkulierten Kosten. Trotz der geringeren
kaufmännischen Risiken sind uns Bücher, von denen wir von
Anfang an überzeugt sind, und für die wir eine Marktlücke
zu erkennen glauben, die liebsten. Dass wir dabei richtig
liegen, bestätigt unsere 20jährige Erfahrung. Von allen
klassischen Verlagnahmen (ohne Autorenbeteiligung) haben wir
bis zum heutigen Tage bei 95% richtig gelegen und schreiben
für die jeweiligen Projekte schwarze Zahlen. Dagegen stehen
ganze 20% der Veranstaltungen, bei denen eine
Risikobeteiligung von den Autoren verlangt wurde, die heute
für den Schriftsteller einen Verdienst darstellen. (D.h.
der jeweilige Autor hat seinen Verlagskostenzuschuss
vollständig zurück und kann noch einen Gewinn für sich
verbuchen.) Wer diesen Vergleich verstanden hat, wird den
Sachverstand dieser »arroganten Verleger und Lektoren« in
einem etwas anderen Licht sehen.
-
Nun gibt es noch Verlage, die
ausschließlich Autorenbeteiligung verlangen. Man spricht
von Dienstleisterverlagen. Sie haben zum Teil gute Lektoren,
die die eingereichten Manuskripte (wenn irgendwie möglich)
verbessern. Der Verlag lebt von der Differenz der
Autorenzuschüsse und seinen Produktionskosten. Damit lebt
es sich im Allgemeinen gut. Wer sein Geld aber als Händler
zwischen Hersteller und Autor verdient, läuft die Gefahr in
der Beurteilung der eingereichten schriftstellerischen Werke
etwas zu großzügig zu sein. Das eingereichte Manuskript
ist gut, sehr gut, empfehlenswert, ausgezeichnet,
beachtenswert, usw. Bei soviel Lob bedarf es eigentlich nur
noch einer Randbemerkung, dass der Autor noch einen
größeren finanziellen Beitrag zu leisten hätte.
|
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Welche Autorenzuschussvereinbarung
kann ich als Schriftsteller eingehen? Wie schütze ich mich vor Betrügern?
Laut Strafgesetzbuch ist der Tatbestand des
Betruges dann erfüllt, wenn falsche Tatsachen vorgespiegelt
werden, um daraus einen Vermögensvorteil zu erzielen.
Wohlgemerkt, wichtig ist der Vermögensvorteil und das
Vorspiegeln falscher Tatsachen.
Schreibt ein Lektor »Ihr eingereichtes
Manuskript ist hervorragend und verdient unsere höchste
Bewunderung«, so ist das lediglich eine nicht strafbewehrte
Lüge. Eine Vorspiegelung falscher Tatsachen wird dem Lektor
nicht angelastet werden können, weil die Güte von
schriftstellerischen Produkten und ihre Beurteilung jeder
bewerten kann, wie es ihm beliebt. Es sei denn, Sie weisen nach,
dass Sie nur eine Rolle Toilettenpapier eingereicht haben. Hält
der Verlag nun seine vertraglichen Verpflichtungen ein, so wird
man im weiten Rahmen der Vertragsfreiheit nicht mehr von Betrug
sprechen können.
Ob der Schriftsteller dann sein Ziel erreicht, nämlich sein Werk einer möglichst großen Leserschaft
nahe zubringen und eventuell noch ein kleines Honorar zu
verdienen, steht auf einem anderen Blatt.
Lassen Sie uns erst auf die tatsächlichen
Betrüger unter den Verlegern eingehen.
Eine Autorin von uns, wir nennen sie Marlies
N., hatte bereits mehrere kleine Gedichte veröffentlicht. Von
etwa zwanzig eingereichten Gedichten erklärten wir uns bereit,
fünf abzudrucken, wenn sie dafür 10 Bücher dieser Anthologie
kaufe. Für Marlies N. ein annehmbares Geschäft, weil man zehn
Bücher z.B. auch zu Weihnachten verschenken kann. Voller Stolz
rief sie uns wenige Tage nach dem Erscheinen dieser
Anthologie an, und wollte nochmals 10 Bücher käuflich
erwerben. Da Sie von uns auf jedes Buch Rabatt bekam, machte sie
noch ein kleines Geschäft. Sie hatte nämlich bereits 20
Bücher in ihrem Bekanntenkreis verkauft. Wer verdient schon
für nur fünf Gedichte 200,- Euro, mag sich unsere Autorin
gefreut haben, und reichte uns alsbald ein ganzes Buch ihrer
Gedichte ein. Wir schrieben ihr, dass wir keine Marktchancen
sähen, und machten ihr ein Angebot mit einer Kostenbeteiligung
von ca. 3.000 Euro. Das war für sie zuviel Geld. Dazu
schrieb der Verleger noch eigenhändig kritische Anmerkungen und
war von dem schriftstellerischen Werk alles andere als
überzeugt.
Wie schön und wohlklingend las sich, im
Gegensatz dazu, der Brief eines anderen Verlages. Das Werk
wäre bewundernswert und von allerhöchster Qualität. Die Verlegerin freute sich riesig mit der hochbegabten Autorin in
Verhandlungen treten zu dürfen. Frau N. fühlte sich endlich
verstanden. Natürlich wollte Sie zu einer solchen wichtigen
Verhandlung nicht alleine gehen, sondern nahm ihren anfangs noch
recht skeptischen Gatten mit.
Die Vertragsverhandlungen fanden im ersten
Hotel am Platze statt. Die Verlagsfrau scheute keine Kosten und
Mühe, ihre Gäste zu bewirten. Sie schwärmte von den großen
Festen, die ihr Verlag eben in diesem Hause veranstaltete und
war voll des Lobes über soviel vermeintlich
schriftstellerisches Talent. Nun begannen die eigentlichen
Vertragsverhandlungen. Autorenzuschuss? Aber nein, bei diesem
Verlag mussten doch die Autoren nichts zuzahlen. Eine kleine
Gegenleistung wurde jedoch verlangt. Die Autorin musste einen
Kredit bei einer Bank aufnehmen und der Verlag würde dann die
laufenden Raten des Kredits aus den Bucherlösen zahlen. Marlies N. hätte
sofort unterschrieben, doch ihr Mann blieb skeptisch. Er nahm
den Autorenvertrag mit und ließ ihn von einem Rechtsanwalt
überprüfen. Es soll nun Rechtsanwälte geben, die den ganzen
lieben langen Tag nur Verkehrsrecht machen. Wir wissen nicht,
was dieser Rechtsanwalt sagte, sicher ist nur, dass er unter
zivilrechtlichen Aspekten nichts fand, was zu beanstanden
gewesen wäre. So wurde der Vertrag unterschrieben. Die
Sparkasse vergab einen Kredit und überwies die Kreditsumme von
annährend 8.000,- Euro an den Verlag mit der sachverständigen
und so höflichen netten Dame.
Aus einem anderen Anlass trafen
wir irgendwann den Mann unserer Autorin. Voller Stolz erzählte er
uns diese vermeintliche Erfolgsgeschichte seiner Frau. Unsere
erste Frage war: Wo ist das Buch? Das käme nächsten Monat
heraus. Unsere zweite Frage, ließ seine Gesichtszüge
entgleisen: Von welchen Bucherlösen soll denn dieser Kredit
abbezahlt werden? Na, von den Erlösen des Buchverkaufs eben.
Das Datum der groß angepriesenen
»Buchtaufe« rückte näher. Marlies N. nebst Gatten erhielten
eine goldrandige Einladung und ein kleines Schreiben, dass auf
Grund drucktechnischer Verzögerung, ihr Buch erst bei der
nächsten Feier vorgestellt würde. Jetzt wolle man sich nur
einmal gemeinsam treffen und die weiteren Strategien besprechen.
Sagen Sie selbst, ist es nicht schön mit
seinem Verleger bereits die TV-Sendungen durchzugehen, in denen
man im nächsten oder übernächsten Monat auftritt? »Ich
wollte Sie bei Biolek unterbringen. Wäre es Ihnen am 1.
Dienstag im September recht. Ich kann den Termin natürlich auch
auf Oktober verschieben.« Bei solchen Sprüchen vergisst man
leicht ein paar Nebensächlichkeiten. Man hat noch kein Buch
gesehen. Die erste Rate des Kredits ist fällig. Alle anderen
Autoren haben auch keine Bücher in der Hand, sondern sind
gerade dabei entweder die Vertröstungsschreiben zu lesen, oder
neue Verträge zu unterzeichnen.
Wir brauchen nicht mehr zu
betonen, dass nie ein Buch erschienen ist. Und nach aller
Lebenserfahrung nie ein Buch für Marlies N. erscheinen wird.
Wir hören die Leser dieser Lektüre bereits
rufen: »Diesen Verlag würde ich aber anzeigen!« Doch das ist
leider eine Illusion. Die Betrüger kennen die einschlägigen
Gesetze meist gut. Wie auch in diesem Fall, wurde Marlies N.
noch einmal einen Monat vertröstet. Dann hieß es, das Buch
kommt sicher vor Weihnachten heraus usw.. So verstreicht schnell
ein halbes Jahr zwischen Hoffen und Bangen. Dann ist die
Verlegerin verreist. Danach meldet sich der Anrufbeantworter und
verweist auf vierwöchige Betriebsferien. Nach einem Jahr kommen
dann die ersten Briefe (nicht vom Staatsanwalt) sondern von den
Autoren. Die Angelegenheit ist auf einer zivilrechtlichen Ebene.
Sie als Autor müssen nun auf Vertragserfüllung drängen. Das
bedeutet Fristsetzung, warten, angemessene Nachfrist und warten. Dann setzen Sie
eine neue Frist, zur Herausgabe der vereinnahmten
Autorenvorschüsse, dann wieder eine Nachfrist. Jetzt haben Sie
noch kein Geld, aber den Weg für einen Mahnbescheid geebnet und
ein halbes Jahr später können Sie auf Ihre Kosten einen
Gerichtsvollzieher losschicken, der Ihnen nach etwa sechs bis
acht Wochen schriftlich mitteilt, dass die GmbH an der angegeben
Adresse nicht auffindbar ist. Irgendwann treffen Sie nun die
nette Verlegerin wieder. Sie glauben, dass die feine Dame vor Ihnen
flüchtet? Weit gefehlt. Sie wird Ihnen noch anbieten, Sie
ein paar Straßen mit ihrem neuen Cabriolet zu fahren. »Ihr
Buch?«, wird sie erstaunt säuseln, »Ist das nicht längst
erschienen? Na, das ist ja Betrug!« Schade, dass Sie der Dame
nun nicht gegen das Schienbein treten können. Vielleicht so
werden Sie glauben wollen, stimmt es ja, dass sie damals im
Oktober vor drei Jahren nach Amerika zu einem anderen Verlag
gewechselt war. Und dass dieser Betrüger, der neue
Geschäftsführer ist, und eben nicht diese feine Dame.
Für Marlies N. waren die Raten bei der
Sparkasse zu hoch. Irgendwann konnte sie überhaupt nicht mehr
bezahlen und leistete eine eidesstattliche Versicherung. Ihrem
Gatten aber wird unsere Frage immer noch in den Ohren klingen,
die da hieß: »Von welchen Bucherlösen?«
Wären Sie dieser Betrügerin ebenfalls auf
den Leim gegangen? Nein? Wir kennen Autoren, die für ihr
bescheidenes Werk 60.000 Euro auf den Tisch des Verlages
blätterten. Autorenerlös nach drei Jahren etwas weniger als
2.000 Euro. Für den Verlag ein gutes Geschäft. Den so
geprellten Autoren ist eines gemeinsam: Sie haben ihr Werk und
seine Erfolgsaussichten vollkommen falsch eingeschätzt. Die
Gier nach Geld, Anerkennung und Erfolg hat ihren Blick für die
Realitäten vernebelt. Man braucht wohl kein Ei legen zu
können, um einzuschätzen, wenn eines faul ist. Aber Richter in
eigener Sache zu sein ist wohl sehr schwer, wenn nicht
unmöglich.
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Was man bei einer
Vertragsschließung (mit Autorenzuschuss) beachten sollte.
Verleger und Lektoren
sind im allgemeinen skeptische und kritische Menschen. Autoren
haben tausend Wünsche und Forderungen an sie, der typische
Verleger träumt von einem Verlag ohne Autoren (doch das wird er
nie zugeben). Haben Sie den Eindruck, dass man zu Ihnen
besonders freundlich und herzlich ist, dass man Ihr Manuskript
im Superlativ bewertet, dann ist höchste Vorsicht geboten.
Meint jemand, dass
gerade Ihr Werk etwas besonderes und ausgezeichnetes sei, und
will er trotzdem Sicherheitsleistungen, Autorenvorschüsse,
Verlagskostenanteile von Ihnen kassieren, so hat er im ersten
Teil seiner Behauptungen gelogen. Ihr Werk wurde wahrscheinlich
noch nicht einmal durchgelesen. Die Lobhudelei ist ein
Textbaustein im Computersystem.
Man will also Ihr
schwerverdientes Geld. Das ist nicht so schlimm, der Bäcker will
seine Brötchen auch bezahlt bekommen. Gehen Sie jedoch keine
Verpflichtungen gegenüber Dritten ein (Bankkredite etc.).
Immerhin sind Sie gerade im Begriff zu investieren ohne
Unternehmer zu sein. Ursprünglich (Sie erinnern sich?) wollten
Sie mit Ihrer Schreiberei Geld verdienen.
Überprüfen Sie, ob
der Verlag tatsächlich auf dem Markt ist. Über
www.buchhandel.de
können Sie beispielsweise erfragen, wie viele Bücher der
Verlag bereits angemeldet hat. Diese gemeldeten VlB-Titel sagen
jedoch noch nichts darüber aus, ob die Bücher tatsächlich
lieferbar sind. Nur Bücher, die Sie tatsächlich über den
Buchhandel beziehen können, sagen etwas über die Arbeit des
jeweiligen Verlages aus. Bestellen Sie also ein Buch über den
Buchhandel, das Ihrem Manuskript nahe kommt, um einen Eindruck
zu bekommen.
Glauben Sie keinen
Beteuerungen, wie: »Wir sind eine hundertprozentige Tochter des
XYZ-Verlages in Hamburg.« Namen sind Schall und Rauch. Manche
Verlagsnamen glaubt man zu kennen, doch überprüft man seinen
ersten Eindruck, so stellt man fest, dass es sich um eine
Namensähnlichkeit handelt.
Fragen Sie Ihren
Buchhändler wie lange der Verlag bereits existiert.
Buchhändler haben ein Verzeichnis über alle Verlage vorliegen.
Fragen Sie ferner den Buchhändler, ob Titel dieses Verlages
über einen oder mehrere Sortimenter zu beziehen sind. Auch wenn
der Verlag dem Buchhändler nicht bekannt ist, so kann er auf
Grund seiner Unterlagen Ihnen doch eine Einschätzung des
Unternehmens geben.
Wie viel Geld wird von
Ihnen verlangt? Lassen Sie sich das schriftlich geben und
bestehen Sie im Vorfeld darauf, dass man Ihnen ebenso
schriftlich mitteilt, wie viele Bücher, mit welcher Seitenzahl,
auf welchem Papier und mit welchem Einband für das Geld
hergestellt werden sollen. Lassen Sie sich nicht auf die
kommenden Zweit- und Drittauflagen vertrösten.
Bestätigt man Ihnen,
dass Ihr Buch in 1. Auflage in einer bestimmten Stückzahl
erscheint, so ermitteln Sie den Stückpreis, indem Sie den
Kostenzuschuss durch die versprochene Stückzahl teilen. Nehmen
Sie nun diesen so ermittelten Preis und schlagen Sie 110% drauf.
Nehmen wir an, Sie kommen nun auf einen Preis von 29,- Euro. Wie
das Buch beschaffen sein wird, wurde Ihnen ebenfalls mitgeteilt.
Nun gehen Sie in eine Buchhandlung und suchen aus den dort
vorrätigen Büchern vergleichbare Titel heraus. (Nicht den
Roman mit dem Sachbuch vergleichen, das Hardcover mit der
Broschur usw. Achten Sie auf die Seitenzahlen.) Sie müssen bei
Ihrem Buchhändler Bücher finden, die zwischen 24,- und 34,-
Euro liegen. Kosten vergleichbare Bücher jedoch nur 15,- Euro
oder weniger, so ist das ein alarmierendes Zeichen. Die Preisdifferenzierungen (so heißt das in der
Betriebswirtschaft) sind im Buchhandel nämlich nicht so groß. Ist
der vom Verlag beabsichtigte Buchhandelspreis nun ebenfalls in
einer Größenordnung von 29,- Euro, so können Sie davon
ausgehen, dass die Kalkulation des Verlages im üblichen
Preis-/Leistungsverhältnis liegt. Der Verlag hat mit einer
Marge gerechnet, welche die Herstellungskosten durch den Autor
abdecken lässt. Dann erzielt er noch einen kleinen Gewinn, was
ihm auch gegönnt sein soll. Kosten vergleichbare Bücher in der
Buchhandlung jedoch nur 10,- Euro (gemeint sind immer die
regulären Buchhandelspreise), Sie selbst haben aber eben diese
29,- Euro ermittelt, so bedeutet dies in der Regel, dass man
sich auf Ihre Kosten eine goldene Nase verdienen will.
Nun zum Vertrag. Sie
geben in aller Regel das ausschließliche Nutzungsrecht an den
Verlag ab. Achten Sie darauf, dass dieses Nutzungsrecht zeitlich
beschränkt ist, z.B. durch folgende Formulierungen:
»Das Nutzungsrecht wird auf die Dauer von fünf Jahren
vergeben. Es verlängert sich um jeweils ein Jahr, wenn es nicht
sechs Monate vor Ablauf der Nutzungsdauer von einer der
Vertragsparteien gekündigt wird.«
»Der Verlag
verpflichtet sich, das Buch über die Dauer von fünf Jahren
lieferbar zu halten. Hält der Verlag die Lieferbarkeit nicht
aufrecht, so fallen sämtliche Rechte an den Autor zurück.«
Nun achten Sie darauf,
dass der Ladenverkaufspreis im Vertrag angegeben ist. Ausreden,
wie »das ist nicht üblich« dürfen Sie nicht beeindrucken.
Üblich ist, dass man mit offenen Karten spielt und die
Geschäftspartner nicht betrügt!
Ferner muss jetzt im
Vertrag die Beschaffenheit des zukünftigen Buches detailliert
aufgeführt werden. Gleichzeitig beharren Sie auf einer
Formulierung wie der folgenden:
»Der
Verlag verpflichtet sich 1.000 Bücher in Erstauflage
herzustellen. Der Autor wird bei Fertigstellung informiert und
kann auf Verlangen die fertigen Bücher besichtigen.« Die
Betonung liegt auf dem Wort Herstellung. Das Drucken ist nämlich
keine Frage, manche Verlage sparen dann die Buchbinderkosten.
Nun wollen Sie 10 Bücher bestellen, und es dauert vier bis sechs
Wochen, bis Sie die Bücher geliefert bekommen, weil der Verlag
erst wieder zwanzig Bücher binden lässt. Verlage lassen eventuell im
Ausland drucken. Man kann von ihnen nicht verlangen, dass sie
ihre Druckerei offenlegen. Doch die Bestätigung eines oder
mehrerer Buchgroßhändler (KNV, Libri) ist nicht zu
viel verlangt. Je mehr Ihr Vertragspartner sich bei
diesem Passus windet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit,
dass er Ihnen ein X für ein U vormachen will.
Achten Sie ferner auf
eine Rabattklausel für Ihren Autoreneinkauf. Haben Sie pro Buch
(Autorenzahlung/Stückzahl der ersten Auflage) 10,- Euro
bezahlen müssen. So kann der Ladenverkaufspreis bei etwa 24,-
Euro liegen.
Eine Formulierung, der
Autor kann ein Buch für 4,- Euro ab Verlag beziehen, wäre für
unsere Rechnung angemessen, so dass Sie letztlich 14,- Euro pro
Buch bezahlen. Damit kaufen Sie die Bücher etwa so wie ein
Buchhändler ein und können diese für 24,- Euro immer noch
weiterverkaufen. Nur sind Sie Schriftsteller und wollen sich
nicht als Markthändler betätigen, um Ihre Bücher zu verkaufen.
Doch ein Vereinsvorstand oder Laienprediger hat eventuell einen
potentiellen Kundenkreis und verkauft seine Bücher nebenher.
Haben Sie diese Möglichkeit, eventuell ihr Buch nur aus diesem
Grund geschrieben, so müssen Sie jetzt 417
Exemplare verkaufen, um Ihre Investition auf null zu stellen.
Jedes weitere Buch ist ihr Gewinn. Uns sind Fälle bekannt, wo
Autoren so gerechnet haben. Die ersten 100 Bücher kamen dann
auch prompt bei Vertragsanlieferung. Irgendwann trafen nochmals
50 Exemplare ein, dann versiegte die Quelle. Abgesehen von den
übrigen Punkten einer entsprechenden Vertragserfüllung, wäre
der ganze Verlust und Ärger zu vermeiden gewesen, hätte man
die 680 Km Autofahrt zum Verlagssitz nicht gescheut.
Beachten Sie bitte, dass unser Eigenverkaufsvorschlag sich auf
Menschen bezieht, die in einem sicheren Absatzfeld tätig sind.
Der Heilpraktiker z.B. wird keine Mühe haben seinen Patienten
ein Buch zu verkaufen, wenn es sich um ein Thema handelt, das
sich auf seinen Beruf bezieht. Meint aber der Rohrschlosser:
»Kein Problem, ich verkaufe meinen Roman auf der Baustelle.«, so
ist das wahrscheinlich eine Milchmädchenrechnung. Der erste
Arbeitskollege wird ihm nämlich auf die Schulter schlagen und
sagen: »Aber mir kannst du ja so ein Buch schenken.« Auch das
Gespräch mit dem Buchhändler an der Ecke, ist nicht so ergiebig,
wie es sich die Autoren erträumen. Vielleicht stellt er, um Sie
nicht als Kunden zu verlieren, drei Ihrer Bücher ins
Schaufenster. Nun laufen Sie jeden Tag an diesem Laden vorbei
und sehen Ihre Bücher im Schaufenster. Vielleicht verkauft er
nach Wochen eines, die restlichen gibt er Ihnen dann wieder mit.
Hüten Sie sich ferner vor privaten Marktanalysen.
»Ich stelle mich mit einem Tapeziertisch auf den Wochenmarkt.
Zweitausend Leute laufen vorbei, jeder zehnte kauft ein Buch, so
habe ich an einem Samstag bereits 200 Bücher verkauft.« Wenn
dem wirklich so wäre, haben Sie den Superbestseller getippt.
Rufen Sie den Direktor eines namhaften Verlaghauses an, und
fragen Sie ihn ob er ein »kleines« Geschäft machen will. Sie
selbst würden etwa 250.000 Euro Honorar bei
Vertragsunterzeichnung (!) bekommen.
In Wirklichkeit müssen Sie aber froh sein, wenn die
Marktstandgebühren Ihren Umsatz nicht übersteigen.
Bücher, die ab Verlag
verkauft werden, bedürfen nun noch einer Honorierung. Als
Autorenhonorar sind zwischen 5- und (seltenen) 10% des
Buchverkaufpreises üblich. Zahlt der Verlag Ihnen 6%
Autorenhonorar und schüttet noch Ihren Autorenvorschuss aus, so
ergäbe das 11,20 Euro pro ab Verlag verkauftem Buch. Zahlt der
Verlag jedoch 25% Autorenhonorar, aber Ihre Investition nicht
zurück, so schlagen Sie dem Verleger den Vertrag um die Ohren.
Manche Verlage vertrösten nun auf die 2. und 3. Auflage.
Vergessens Sie's! Eine zweite Auflage ist unwahrscheinlich. Dass
ohne Ihre tatkräftige Hilfe überhaupt die erste Auflage
verkauft wird, grenzt schon an ein Wunder. Vergessen
Sie nicht: Bei einer verkaufbaren Stückzahl von 900 (wir
veranschlagen hier 100 Bücher für Beleg-, Pflicht- und
Presseexemplare) würden Sie, werden alle Bücher ab Verlag
verkauft, nur 10.080 Euro zurückbekommen. Legen Sie aber das
Geld auf ein Sparbuch, bekommen Sie 300,- Euro an Zinsen.
Dann muss eine
Verramschungs-/ und Makulaturklausel im Vertrag enthalten sein.
Z.B.
»Nach Ablauf der Lieferbarkeitsverpflichtung, kann der Verlag
das Werk verramschen. Der Verlag ist verpflichtet, den Autor von
einer beabsichtigten Verramschung bzw. Makulierung vorher zu
informieren. Der Autor hat das Recht, durch einseitige
Erklärung, die noch vorhandene Restauflage bei beabsichtigter
Verramschung zum Ramschpreis, und bei beabsichtigter Makulierung
unentgeltlich- ganz oder teilweise- ab Lager zu übernehmen.«
Die
Nebenrechtsabtretung: Nebenrechte sind z.B. Taschenbuch- oder
Filmrechte. 50% der Nebenrechtseinnahmen sind üblich. Steht in
Ihrem Vertrag weniger, so will man für alle Fälle vorsorgen.
Da die Autoren nicht richtig Bescheid wissen, könnte man sich
ein Vielfaches des Autorenzuschusses einfach mal so nebenher in
die Tasche stecken. Gehen Sie nicht darauf ein. 50% ist mehr als
gerecht. Verkauft der Verlag z.B. eine Taschenbuchlizenz, so
können beide Parteien mit einem warmen Geldregen rechnen. Doch
Vorsicht Falle! Der Nebenrechtsvertrag zwischen den beiden
Verlagen muss für Sie zustimmungspflichtig sein. Sonst verkauft
Krauter A an seinen Freund Krauter B eine Lizenz für einen
Apfel. Die Eier teilen sich die beiden hinter ihrem Rücken.
Nebenrechtsvereinbarungen laufen also nur mit renommierten
Verlagshäuser, alles andere ist wahrscheinlich das Papier nicht
wert oder betrügerisch.
Fassen wir die Punkte,
auf die Sie achten müssen, zusammen:
-
Alles in Ruhe und
zu Hause durchlesen und überprüfen. Nichts sofort
unterschreiben.
-
Überprüfen Sie
ferner, ob der Verlag existiert. Kaufen Sie ein
gleichartiges Buch über den Buchhandel.
-
Überprüfen Sie,
ob die Bücher des Verlages im VLB-Verzeichnis gelistet
sind.
-
Lassen Sie sich
vertraglich versichern, wie viele Bücher in 1. Auflage
hergestellt werden.
-
Berechnen Sie das
Preis-/Leistungsverhältnis nach unseren Anregungen
-
Vergleichen Sie in
einer Buchhandlung die beabsichtigte Veranstaltung mit
ähnlichen Büchern anderer Verlage.
-
Achten Sie darauf,
dass Sie Bücher günstig ab Verlag einkaufen können
(notfalls alle).
-
Achten Sie darauf,
dass Ihre gemachte Investition pro verkauftem Buch
zurückbezahlt wird.
-
Rechnen Sie sich
alles in Ruhe durch.
-
Achten Sie auf die
Lieferbarkeitsverpflichtung.
-
Räumen Sie sich
ein Kündigungsrecht ein.
-
Vergessen Sie nicht
die Verramschungsklausel
-
Beharren Sie auf
50%ige Nebenrechtsnutzung.
Ignorieren Sie ferner
Sprüche in den Anschreiben der Verlage. Z.B. die Aussage, wie
»Ihr Buch wird allen Buchhändlern Deutschlands zum Kauf
angeboten«, bedeutet nichts. Ein Buchhändler, der auf einem
einzigen Buch sitzen bleibt, muss dafür drei andere Bücher
verkaufen, dann hat er noch keinen Cent verdient. Da mag ein
Buchvertreter nun gerne Ihr Buch anbieten, der Buchhändler wird
es in der Regel nicht kaufen.
Bedenken Sie immer:
Viele Fachleute haben Ihr Manuskript ignoriert, in dem man Ihnen
eine Verlagnahme verweigerte. Nun findet ein anderer
»Fachmann« Ihr Manuskript plötzlich gut, will aber Geld von
Ihnen. Diese »Unternehmung« ist für Sie nur rentabel, wenn
alle Zahlen einigermaßen aufgehen, und Sie noch einige Bücher
selbst verkaufen können.
Dann haben Sie folgende Vorteile:
-
Sie haben Ihren
Traum vom eigenen Buch erfüllt. Andere Leute kaufen sich
vielleicht eine teure Armbanduhr, nur um mehr zu scheinen.
Ihre Investition in das eigene Buch, ist da dann doch von
anderer Qualität.
-
Sie haben die
Chance, den Markt in Ihrem bescheiden Umfeld zu testen.
-
Interessiert Ihr
Buch wirklich, so kommt auch der, dem Sie ein Buch schenken,
wieder auf Sie zurück, weil er selbst ein paar Geschenke
braucht.
-
Haben Sie die
beruflichen oder sonstigen Voraussetzungen, können Sie bei
geeigneter Vertragsgestaltung Ihr Buch selbst vermarkten und
so noch Gewinn erzielen.
-
Sie haben die
Möglichkeit eine oder mehrere Lesungen zu veranstalten, und
bekommen so unmittelbar mit, welche Chancen Ihr Werk hat.
Auf was Sie
wahrscheinlich verzichten müssen:
-
Ihr Buch ist im Buchhandel
präsent. Eine Präsenz im Buchhandel wird
die Ausnahme bleiben.
-
Die Medien werden
mit großer Wahrscheinlichkeit Ihr Buch ignorieren.
Vielleicht schreibt das ortsnahe Tageblatt etwas, doch nur
deshalb, weil Sie die Herrschaften bereits fünf Mal
persönlich besucht haben.
-
Druckt eine
größere Zeitung eine Besprechung, so werden Sie keine
Wunder erleben. Bei manchen Buchvorstellungen verkauft sich
noch nicht einmal ein einziges Buch.
-
Ein Lizenzvertrag
ist eine große Ausnahme. Bekommen Sie ihn doch, so haben
Sie den Sprung als Autor in die »richtige« Verlagswelt
geschafft.
Und nun geht es ans
Bezahlen. Verlage hängen meist von allen möglichen Zulieferern
ab. Da ist der Lektor, die Korrekturabteilung, die
Satzwerkstatt, der Layouter, der Drucker und schließlich der
Buchbinder. Da eng kalkuliert werden muss, kann man nicht
einfach den Drucker wechseln, nur weil der einmal für vier
Wochen Betriebsferien hat. Haben Sie nun die gesamte Summe bei
Vertragsabschluß bezahlt, so warten Sie vielleicht lange.
Dieser Gefahr ist ganz schnell abzuhelfen. Sie zahlen nur 10%
der Vertragssumme ein und bestehen auf einen vertraglichen
Erscheinungstermin. Folgender Passus wäre denkbar:
»Der Verlag
sichert als Erscheinungstermin den .. .. .... zu. Wird der
Erscheinungstermin um mehr als 30 Tage überschritten, so kann
der Autor vom Vertrag zurücktreten. Die geleistete Anzahlung
wird zu 100% zurückerstattet.«
Nun möchte aber auch
der Verlag seinem Geld nicht unbedingt nachtrauern müssen.
Geben Sie ihm für die restliche Summe eine Bankbürgschaft, die
nur fällig wird, wenn der Vertrag vollständig erfüllt ist.
Nochmals zur Erinnerung: Der Vertrag ist nicht
erfüllt, wenn man Ihnen im First-class-Hotel 10 Bücher
überreicht. Sondern erst dann, wenn Sie sicher sein können,
dass die gesamte Auflage körperlich in einwandfreiem Zustand vorhanden
ist. Wir haben bereits von vielen Fällen gehört, bei denen
die Verlage ein paar Bücher lieferten und dann war die
Veranstaltung zu ende.
Es kann nicht oft genug
gesagt werden. Es geht um eine Dienstleistung. Der Verleger legt
Ihnen ja kein Geld aus, sondern er stellt seine Erfahrung, seine
Herstellerbeziehungen und seine ISB-Nummer zur Verfügung. Dann
nimmt er Ihr Buch eventuell noch in einen Werbeprospekt mit auf.
Ein seriöser Verleger wird deshalb Ihre Veranstaltung
durchrechnen und vielleicht mit 1.000,- Euro Gewinn kalkulieren.
(Kommen Sie nicht auf die Idee, die Sache selbst zu produzieren,
sie bezahlen die 1.000,- Euro drauf, weil die Verlage bei den
Zulieferern bessere Konditionen haben.)
Für
1.000,- Euro Gewinn macht ein ernsthafter Geschäftsmann jedoch
keinen großen Schmus. Kaufen Sie ein neues Auto, verdient das
Unternehmen mehr, und Sie bekommen vielleicht gerade einmal eine
Tasse Kaffee angeboten. Hat man aber vor, Sie um Ihr Geld zu
betrügen, so hat man es auch nötig, Ihnen zu schmeicheln, Sie
zum Sekt einzuladen und Ihnen das Gefühl zu geben, dass Sie ein
großartiger Schriftsteller wären.
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|
Was man bei einer
klassischen Vertragsschließung beachten sollte
Bei der klassischen Verlagnahme zahlen Sie
nichts, sondern der Verleger investiert in Ihr Werk eine Menge
Geld. Es soll nun Autoren geben, denen bei der
Vertragsverhandlung der sprichwörtliche Kamm schwillt. Es ist
eine Frage von Macht und Ohnmacht. Verlegen wir selbst
klassisch, so lassen wir eventuell mit uns reden, geht es um
einen Prozentpunkt beim Autorenhonorar. Als annehmbare bis gute
Vereinbarung könnte gelten:
»Der Verfasser erhält für jedes
verkaufte und bezahlte Exemplar ein Honorar auf der Basis des
um die darin enthaltene Mehrwertsteuer verminderten
Ladenverkaufspreises. Das Honorar für Originalausgaben
beträgt 9%
für Taschenbücher 6% bis zu 25.000 Exemplaren, 7% bis zu
50.000 Exemplaren, 8% darüber«
Doch Achtung! Mit obiger Formulierung werden
bereits die Honorare der Taschenbuch(neben)rechte
festgeschrieben. Es handelt sich um einen Verlag, der eben auch
Taschenbücher herausgibt. Stellen Sie eines Tages fest, dass
der Verlag bereits mit der Originalausgabe alles andere, als in
Ihrem Sinne umgeht, ihr Buch z.B. plötzlich nicht mehr
lieferbar ist, so dauert es fast ein Jahr, bis Sie aus dem
Vertrag herauskommen, weil der Autor nach den üblichen
Verfahren zuerst einmal den Verlag um eine Stellungsnahme bitten
muss (3 Monate Frist). Dann heißt es, den Verlag aufzufordern,
binnen der nächsten drei Monate das Buch wieder auf den Markt
zu geben. Die Frist verstreicht. Auch wenn es nicht im Vertrag
steht, müssen Sie nach BGB jetzt eine angemessene Nachfrist
setzen. Nun sagt der Verlag: Wir bringen ein Taschenbuch heraus,
es ist uns nicht zuzumuten, für ein paar Monate nochmals die
Originalausgabe lieferbar zu halten. Dann verstreicht die Frist
für das Taschenbuch. Nachfrist. Man kann Sie als Autor am
langen Arm verhungern lassen, und uns sind Fälle bekannt, wo
große Verlagshäuser dies mit ihren Autoren gemacht haben. Mehr
als schwammig ist nämlich die übliche (!) Formulierung in den
Verlagsverträgen: »Der Verlag ist verpflichtet, für das
Werk angemessen zu werben.« Wollten Sie durch einen
Rechtsanwalt und einen anschließenden Landgerichtsprozess
prüfen lassen, was angemessen ist, so befinden Sie sich nun
wirklich auf hoher See und in Gottes Hand. Die Verlage werden
sich aber nur schwer auf konkrete Zusagen festlegen lassen.
Wir selbst teilen die Erlöse aus
Nebenrechtsverwertungen in der Regel mit 50%, manche Verlage
versuchen jedoch die ganze Sache auf 20/80 zu ihren Gunsten zu
verschieben.
Die Frage der unangebrachten Forderungen ist
immer auch eine Frage der Interessenabwägung. Bei einer großen
Zahl der Autoren sind die Interessen am Anfang wenig merkantil.
Sie wollen endlich publizieren. Je länger das
Vertragsverhältnis aber läuft, desto mehr richtet sich ihr
Interesse auf den schnöden Mammon, anstatt auf den schönen
Schein. Dann ist der Vertrag jedoch unterzeichnet, die Prozente
und Rechte sind festgezurrt.
Werden die Forderungen von Seiten des Autors
z.B. für uns unannehmbar, so kann es ihm passieren, dass er
sehr schnell ohne Vertrag das Büro verlassen muss. Die
besonders »schlauen« Autoren erzählen uns, sie hätten noch
ein anderes Verlagsangebot. Manche sollte es lieber nicht
probieren, sich bei einer Pokerlüge erwischen zu lassen. Unser
Gegenüber macht seinen ersten Autorenvertrag, hat eventuell bei
einem anderen Verlag viel Lehrgeld bezahlen müssen, und es ist
immer noch möglich auf diese Spekulation zu verzichten. Wir tun
ihm ja nicht weh, er hat ja noch einen Verlag zur Auswahl.
Kurz: Auf dem Teppich bleiben hat immer seine
Vorteile. Unter dem Teppich zu kriechen erwartet jedoch auch
niemand. Immerhin braucht Sie der Verleger jetzt für
Pressetermine. Eventuell werden Sie zu einer Talkshow
eingeladen. Mit einem Duckmäuser kann man keine Bücher
verkaufen. Wir haben so z.B. bereits interessante Themen
abgelehnt, weil der Autor uns zu einfältig erschien.
Auf was Sie bei der Vertragsgestaltung achten
müssen:
-
Sie brauchen Zeit, den neuen Vertrag zu
Hause in Ruhe durchzulesen.
-
Jede Vertragsklausel muss Ihnen
einleuchten. Fragen Sie lieber einmal mehr nach, als einmal
zu wenig.
-
Sie achten darauf, Ihre Hauptrechte nur
auf eine Nutzungsform zu vergeben, z.B.
Hardcover/Broschur/Taschenbuch. Geben Sie die Rechte
gleichzeitig für alle oder mehrere Nutzungsformen frei,
gibt es für Sie nämlich keine Möglichkeiten mehr am
Honorar nachzuverhandeln.
-
Sie achten darauf Ihre eigenen Bücher
mit Verlagsrabatt kaufen zu können.
-
Sie achten darauf, dass Sie etwa 20
Freiexemplare erhalten.
-
Sie bestehen auf einer
Kündigungsklausel. Es nützt Ihnen überhaupt nichts,
wenn wohl Ihr Buch gedruckt ist, der Verlag aber auf den
3.000 einmal gedruckten Exemplaren festsitzt. Auf der einen
Seite kann er seine Lieferverpflichtungen stets einhalten,
auf der anderen Seite gibt es für das Buch kein
Marketing-Konzept und die Bücher werden nicht weniger.
-
Die Kündigungsklausel kann so lauten:
»Ist das Autorenhonorar in zwei aufeinanderfolgenden Jahren
kleiner als 200,- Euro so hat der Autor das Recht (gem. Art.
XY des Vertrages) die Verramschung/Makulierung binnen eines
Jahres zu verlangen und erhält binnen einer Frist von
....Monaten seine Rechte zurück.
-
Auf die
Verramschungs-/Makulierungsklausel haben wir Sie bereits
weiter oben hingewiesen.
-
Was Sie auf keinen Fall eingehen sollten,
sind Autorenverträge, die Sie an den Verlag derart binden,
dass Sie andere Bücher auch dort verlegen lassen müssen.
Ist Ihr Buch ein Erfolg, so bekommen Sie auch die nötige
Erfahrung und können besser vergleichen.
Wurden nun die ersten 100.000 Bücher
verkauft, so kann es Ihnen immerhin passieren, dass der
Taxifahrer sagt: »Irgendwie kommen Sie mir bekannt vor.« Na,
immerhin. Bald schon brauchen Sie die Ratschläge auf dieser
Seite nicht mehr, weil Sie sich einen eigenen Beistand leisten
können. Immer gilt der Spruch: Wem der Herr ein Amt gibt, dem
gibt er auch Verstand. Wir haben es jedoch oben eindringlich
beschrieben, wie hart und umkämpft der Buchmarkt ist. Wer heute
als Autor zwischen 5.000 und 10.000 Bücher verkauft ist gut.
Entschuldigung, Sie haben von anderen Zahlen geträumt, doch
Träumen ist das eine, und die Realität das andere.
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Was ist von Literaturagenten zu halten?
Gegenfrage: Was halten
Sie von einem Heiligen? Ist er nun heilig, so ist es gut. Sagt
er, dass er heilig ist, so ist es ein Schwätzer. Will er Geld für
seine Wunder, so ist es ein Betrüger. Oh, Herr, gebe
uns die Weisheit, den einen vom anderen zu unterscheiden.
Ein seriöser
Literaturagent wird sich Ihr Manuskript genau so anschauen, wie
ein Lektor eines großen Verlagshauses. Er spekuliert auf seine
Kosten und sein Risiko, Ihr Manuskript an einen Verlag zu
verkaufen. Dafür bekommt er von Ihren Honorarvereinbarungen
prozentuale Anteile.
Es kostet Sie also
nichts, hat der Agent keinen Erfolg. Es kostet Sie Honorar, wird
Ihr Manuskript mit Hilfe eines Agenten verlegt. Gute
Literaturagenten sind selten. Und meist sind sie ausgebucht.
Jede Vermittlung kostet immer die gleiche Mühe und Arbeit,
logischer Weise vermitteln sie eher lukrative Sachen. Ein guter
Agent hat Beziehungen zu den großen Verlagshäusern, würden Sie
einen für Ihre Sache gewinnen können, so wäre das sicherlich
die halbe Miete.
In der Regel
stoßen neue Autoren jedoch an die Schwätzer unter den
Heiligen. Uns sind zwei Fälle bekannt, bei denen
unsere Autoren im siebten Himmel schwebten, weil sie einen sog.
Literaturagenten getroffen hatten, der ihnen das Blaue vom
Himmel versprach. Leider verschwanden diese Buch-James-Bonde
dann bald hinter ihren Anrufbeantwortern und arbeiten
wahrscheinlich heute wieder bei der Städtischen Bibliothek im
Hinterhof bei den Biotonnen. Man kann's ja mal versuchen.
Widerlich
wird es nach unserer Meinung aber, wenn die unerfahrenen Autoren
auf Agenturen stoßen, die ihnen versprechen, ihr Manuskript bei
Eignung zu vermitteln. Da sieht die Welt doch plötzlich besser
aus, wenn man als Autor endlich eine sachverständige Meinung hören
kann. Konnte man mit den Ablehnungsschreiben der Verlage nun
doch gar nichts anfangen. Die kostenlose »Beurteilung« lässt
dann auch nicht lange auf sich warten. Getreu dem Spruch: Mit
einem Doktortitel verkauft man jeden Scheiß, wird auf einer DIN
A4 Seite ein sogenanntes Gutachten verschickt. Und es ist
wirklich GUT. Aber man sollte auf das dicke Ende ACHTEN. »Um
Ihr geschätztes Werk an geeignete Verlage vermitteln zu können,
bedarf es leider einer umfangreichen Überarbeitung durch unser
Lektorat.....«
Wer
wird denn jetzt nicht zupacken wollen, so kurz vor dem Ziel? Hat
doch der "Literatursachverständige" das Manuskript besser
beurteilt, als der eigene Ehepartner (nachdem man ihm mit
Scheidung drohte, sollte er das Buch nicht für »sehr gut«
empfinden). Endlich hat man es jetzt schwarz auf weiß: Die
Geschichte ist exzellent, die Dramaturgie ist fast sehr gut, die
Zielgruppe ist ausgemacht, die Welt wartet auf dieses Werk.
Nicht lange Zögern, heißt es, jetzt den richtigen Schritt in die
richtige Richtung machen. Dem Autor werden nun für eine
fachmännische Überarbeitung zwischen 1.000,- und 12.000,- Euro
aus der Tasche gezogen. Und in Erwartung des bald fälligen großen Wurfs bezahlt man gerne an den Herrn Doktor.
Nach einiger Zeit
bekommt der so hinters Licht Geführte sein Manuskript zurück.
Tatsächlich, das Manuskript ist nicht wiederzuerkennen. Alles
ist fein säuberlich abgeschrieben worden, irgendwelche
Interpunktionsfehler wurden eliminiert (da müssen eine Menge
Deutschlehrer in den Büroräumen sitzen), und wenn der Autor
sich die Arbeit genau durchliest und mit dem ursprünglichen
Manuskript vergleicht, entdeckt er hier und da eine kleine Änderung
im Satzaufbau. Die Lektorierungsarbeit wird gekrönt durch ein
hochgeistiges Exposé, das wir hier noch nicht einmal
persiflieren möchten, weil der Spaß auch seine Grenzen haben
muss. Das ganze sogenannte Exposé endet dann mit einer Note
wie: Sehr empfehlenswert!
Wir hatten bisher vier
solche Überarbeitungen in den Händen. Die schon mittelmäßigen
Originale waren irgendwo besser, weil sie noch zeigten, dass der
Schriftsteller ein Mensch ist und kein Schreibprogramm. Natürlich
schlafen dann diesen akademisch verbrämten Agenten, die nicht
mehr als ein Schreibbüro besitzen, die Füße ein. Das überarbeitete
Manuskript findet keinen Verlag. Ob es wirklich angeboten wurde,
wissen allein die Betrüger in Nadelstreifen. Kommen dann die
Autoren zu uns, mit Manuskript, Exposé und Gutachten, so kann
man eigentlich nur noch Mitleid haben. Aber das hilft
bekanntlich wenig. |
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Vielleicht sollte ich
erst einmal eine Schreibschule besuchen. Was raten Sie mir?
Wer zehn Mal den selben Artikel geschrieben
hat, bis der Chefredakteur zufrieden war, wird diesen Besserwisser
verfluchen und den Tag zum Teufel wünschen, an dem er die
Volontariatsstelle bei der Zeitung bekommen hat. Solche
»Schulen« verschaffen so manchem Schreiber den Durchbruch. Nun
wird ein Volontariat bei der FAZ wahrscheinlich anders
verlaufen, als ein Volontariat bei der Bild-Zeitung. Dass die
Meister nicht vom Himmel fallen, wird jedoch gleich sein. Dem
Verfasser dieser Lektüre (über 30 Bücher, zahlreiche
wissenschaftliche Arbeiten, ungezählte Aufsätze, Gutachten und
Artikel) beschleicht heute noch ein eigenartiges Gefühl, soll
er für eine fremde Redaktion schreiben. Diese Aufträge, die
verhältnismäßig gut bezahlt werden, bergen immer das Risiko,
dass der verantwortliche Redakteur am Schluss zahlreiche
Änderungswünsche vorbringt bzw. den gesamten Artikel verwirft.
»Nein, so geht das nicht. Wir brauchen das ganz anders....«
Für einen Schreiber, der normalerweise selbst
Entscheidungsträger ist, oft zum Haare raufen. Hat man doch als
Profi sich erst einmal das entsprechende Blättchen besorgt, um
Duktus und Form festzustellen. Dann ist die Sache rund, und
trotzdem passt sie dem anderen nicht ins Konzept.
Die gravierenden Unterschiede zwischen der Lehre
bei einer Zeitungsredaktion und einer Schreibschule sind die
unterschiedlichen Voraussetzungen auf allen Ebenen. Passt dem
Volontär die Kritik seines Redakteurs nicht mehr, so kann er
aufhören. Zahlreiche andere Bewerber warten bereits vor der
Tür. Entsprechend gering sind die Rücksichten, die die Chefs
der Redaktionsstuben auf die Befindlichkeiten ihrer Volontäre
nehmen.
Bei einer
Schreibschule ist der Lehrling jedoch Kunde!
Die Schreibschule hat ein großes Interesse viele
Lehrgänge zu verkaufen. Der Abschluss der Schreibschule ist ein
schönes Blatt Papier.
Stellen Sie sich vor, ein Pilot würde von
einer privaten Flugschule am Schluss seiner Ausbildung von
dieser nur ein Zertifikat bekommen, um fliegen zu dürfen. Man
könnte wahrscheinlich in kein Flugzeug mehr einsteigen, ohne um
sein Leben fürchten zu müssen.
Nun ist es nicht lebensgefährlich, wenn man
als Analphabet ein Schriftstellerdiplom in der Tasche hat.
Marktwirtschaft hat eben sehr menschliche Züge. Und wo die
Ausbildungsziele nicht allgemein anerkannt und standardisiert
sind, entscheiden letztlich das Marketingkonzept und die
wirtschaftlichen Interessen.
Sicher wird, wer bereits schriftstellerisches
Talent besitzt, sein Wissen erweitern können. Oftmals sind die
Lehrhefte, die von gewissen Schreibschulen verschickt werden,
von guter Qualität und mit dem entsprechenden Sachverstand
geschrieben. Das Problem ist die Lernkontrolle.
Muss als Hausaufgabe eine Kurzgeschichte verfasst werden, so
bekommt man nach einer Zeit diese auch korrigiert zurück. Wir
haben jedoch den Eindruck, dass die Beurteilungen überwiegend
nach dem Wasch-mich-aber-mach-mich-nicht-nass-System geschrieben
sind. Der mit der Note »sehr gut« bewertete Deutsch-Aufsatz,
Hauptschule, 9. Klasse ist eben im Hinblick auf die Anforderung,
die an eine vermarktungsfähige Geschichte gestellt werden,
mangelhaft.
Besonders skeptisch sehen wir Versprechungen
mancher Schulen, die anschließend »im Rahmen ihrer
Möglichkeiten«, den so ausgebildeten Schriftsteller an einen
Verlag oder eine Zeitungsredaktion vermitteln wollen. »Schau
mal«, meint dann die Schreibschülerin stolz, »meine
Geschichte wurde in der Zeitung veröffentlicht.« Interessiert
betrachtet man das entsprechende Blatt und sieht es zum ersten
Mal im Leben. Alle Schreibschüler kennen es natürlich, weil
das Blättchen wohl nur zu diesem Zweck aufgelegt wird. Das aber
hat sich der potentielle Schriftsteller bei Vertragsabschluß
eigentlich anders vorgestellt. Auch will er, ist er ehrlich,
nach Abschluss nicht an einen Buchverlag vermittelt werden, der
ihm dann gegen horrende Gebühren eine
Veröffentlichungsmöglichkeit bietet. (Da werden auch Schreiber
ohne Schreibschulenzertifikat aufgenommen.) So wie uns einmal
ein starker Stotterer sein Rhetorik-Diplom zeigte, ist dem
Schreibschulenabgänger anschließend nur schwer begreiflich zu
machen, dass die Lektoren der klassischen Verlage ihre eigenen
Kriterien zur Beurteilung eines Werkes haben.
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Wie wird man zum Profi? Was machen
Hunderttausende falsch?
Zum Abschluss wollen wir Ihnen noch eine
kleine Geschichte erzählen. Sie wird Ihnen verdeutlichen, dass Sie
sich die meisten
bisherigen Fragen hätten selbst beantworten können.
Hunderttausende Menschen schreiben
Geschichten und finden diese so gut, dass sie sie an einen
Verlag zur Vermarktung schicken. Doch ihre angepriesenen Werke
sind meist schlechter, als ein sogenannter Schundroman. In einem
Werbespott einer Kreditkarte heißt es: »Schuhe: 112,90, Jeans:
85,20...« dann läuft der junge Mann auf ein Mädchen zu, und
der Sprecher kommentiert weiter: »Merken, dass die Hose offen
ist: Unbezahlbar!« Analog zu diesem Werbespott, könnte man
für viele Autoren formulieren: »Bücher lesen: Gut,
Schreibmaschine bedienen: gut, merken, dass man nicht
schreiben kann: Unbezahlbar!« Wie kommt das?
Manche lesen täglich irgendwelche
Bücher, ihr eigenes schriftstellerisches Können wird jedoch
nicht besser. Wer mit stetig steigendem Interesse eine
Geschichte liest, müsste vom Konsumenten auf die Ebene des
Liebhabers kommen. Wer dies vermag, wird sich für die Stellung
der Schrift öffnen können. Erst dann, wenn er sich für die
Stellung der Schrift öffnet, wird er die Unterschiede zwischen
dem was er liest, und dem was er selbst schreibt, erkennen und
verstehen lernen.
So wie der normale Autofahrer konsumieren will, dass sein Wagen
schnell oder bequem ist (und wenn etwas nicht funktioniert eine
Werkstatt aufsucht), wird der Bücherkonsument nur die Spannung
und Unterhaltung einer Geschichte lieben. »Funktioniert« beim
Geschichtenkonsum etwas nicht, so wird er das Buch zur Seite
legen. Der Autoliebhaber aber wird an seinem Lieblingsauto jedes
Teil benennen können, und die Qualitätsunterschiede zu anderen
Autos kennen. Nicht weil er Automechaniker gelernt hat, sondern
weil er sich für die Einzelheiten und Funktionsweisen des
Fahrzeuginnenlebens öffnete, seine Konstruktion und
Funktionalität liebt. Ein großer Unterschied.
Reine Lesekonsumenten sind schlechte
Schriftsteller. In einer Gesellschaft voll schwarzer,
geschlossener Kästen (Black-Boxes), ist es nicht nötig zu
wissen wie etwas funktioniert. Man drückt auf den Knopf und man
bekommt was man will. Funktioniert es nicht mehr, schmeißt man
am besten diesen schwarzen Kasten auf den Müll, weil der
Spezialist, der die Funktionsweise noch überblicken könnte,
teurer ist, als ein neuer, noch brillanterer Kasten. Warum, und
wie diese Kästen funktionieren, ist für den einzelnen längst
noch nicht mal im Ansatz durchschaubar.
Haben Sie sich einmal gefragt: Ob es in der Küche kälter wird,
lässt man die Kühlschranktüre offen? Wie funktioniert ein
Fernsehapparat? Es ist uns egal geworden, wir sind ja
schließlich keine Techniker.
Warum erleben wir in einer Geschichte
Spannung, Freude oder Trauer? Warum leiden wir mit dem fiktiven
Romanhelden mit, und tausend Tote in den Nachrichten lassen uns
kalt?
Eigentlich haben wir auch da keinen blassen Schimmer, warum dies
so funktioniert, doch schreiben haben wir in der Schule gelernt.
So versuchen wir, etwas »nachzubauen«, indem wir selbst eine
Geschichte verfassen. Hat man nicht vor wenigen Wochen auch die
Wohnung selbst tapeziert, ohne es gelernt zu haben? Die Zutaten aus dem
Heimwerkermarkt waren billig und das Ergebnis ist akzeptabel.
Das meinen wir wenigstens, da wir einen Vergleich zum Profi erst
gar nicht anstellen. Doch was würde ein Fachmann zu unserer
geklebten Tapete sagen? Muss ein Maler und Tapezierer nicht drei
Jahre lernen, um seinen Beruf ausüben zu können? Ist das nicht
vollkommen unnötig, wenn jeder, der keine zwei linken Hände
hat, dies für billiges Geld selbst kann? Oder unterscheiden
sich die einzelnen Arbeiten dem Grade nach doch erheblich,
würde man nur einmal mit offenen Augen vergleichen?
Klingt die Melodie, die wir vor uns her trällern in unseren
Ohren nicht solange gut, bis wir sie auf Tonband aufnehmen?
Schnell trösten wir uns, dass es ja niemand höre. Doch ob wir
fremden Menschen die Wohnung tapezieren, im Radio ein Lied
singen oder für andere Menschen schreiben, immer verlassen wir
die Ebene unseres Ich und versuchen in das andere, fremde Du
einzudringen. Gleich einem Pfeil, verlässt uns der Gedanke, um
sich in das Herz oder Hirn des Anderen einzubohren. Die Werber
auf den Liftfasssäulen machen nichts anderes. Alles was wir
mitzuteilen versuchen, und mag es nur das Gespräch über den
Gartenzaun sein, wollen wir mit einem anderen Ich teilen.
Wer aber Babywindeln verkaufen will, wird
seine Botschaft »Ich habe gute Windeln, die Dein Baby
glücklich machen«, nicht an kinderlose Junggesellen richten.
Dass diese seine Botschaft nicht aufnehmen, kann er verkraften.
Die Pfeile, die er abschießt, gehen in Richtung der Mütter und
Väter mit Babys.
So wird es niemand auf der Welt geben, der für alle
Menschen schreiben kann. Man kann immer nur für einen
bestimmten Leserkreis schreiben. Die Frage nach den
Kurswertschwankungen bei Optionsscheinen, wird weniger Menschen
interessieren, als den Ratgeber, wie man Freunde gewinnt. Auch
wenn nicht beraten, sondern nur unterhalten werden
soll, ist es notwendig, den Anderen an seiner Geschichte
teilhaben zu lassen. Verschließt er sich, obwohl es ihn treffen
soll, so prallt unser Pfeil an ihm ab. Wecken wir jedoch sein
Interesse, so öffnet er sich für unsere Botschaft und unser
Pfeil erreicht sein Inneres.
Doch wir sind keine Werbeplakatmaler, die nur
einen Anreiz schaffen müssen. Unser Angebot, das wir mit jemand
teilen wollen, ist wesentlich größer. Je länger unsere
Geschichte ist, desto mehr Zeit fordern wir von unserem
Gegenüber für unser Anliegen.
Wer ein Buch zur Seite legt, weil es ihn
langweilt oder ärgert oder er es nicht versteht, entfernt
unseren Pfeil, den wir so zielsicher abgeschossen haben aus
seinem Inneren. Wem aber die Zuhörer beim Erzählen
davonlaufen, braucht erst gar nicht anzufangen.
Wir wollen keinen falschen Applaus. Wir
wollen keine tragische Geschichte verfassen, über die sich die
Menschen krumm lachen. Wir wollen nicht über einen Sachverhalt
aufklären, erreichen aber nur mitleidiges Lächeln. »Merken,
dass die Hose offen ist, ist eben wirklich unbezahlbar!«
-
Der Leser setzt sich mit dem Inhalt
auseinander. Hallt unsere Geschichte in ihm nach, so hat er
einen kleinen Anteil von uns in sich aufgenommen. Kommt der
Leser zu der Überzeugung, dass dieser Anteil auch für
andere wertvoll ist, so wird er das Werk weiterempfehlen.
Haben wir das obige verstanden, erkennen wir
den Unterschied zwischen Konsumieren und Auseinandersetzen, so
können wir unsere eigenen Werke reflektieren und mit offenen
Augen die Unterschiede zu anderen erkennen. Dann lernen wir
Schrift zu stellen. Unser Geschreibe ist nicht mehr zufällig
spannend, tragisch, rührend oder niedlich, sondern bewusst. Und
während diese Nabelschau noch im Gange ist, sehen wir
plötzlich die Vielzahl der unterschiedlichen Menschen auf der
anderen Seite. Wir hören nur zu, sagte Erich Fromm, weil wir
nur darauf warten, wieder selber reden zu können. So sind sie,
die da draußen. So wie wir selbst. Doch was wir mit einem Buch
zu bieten haben, birgt für ihn nicht die Chance selbst zu
reden. Bei uns kann man nur »zuhören«.
Versuchen wir zu verstehen, welch gewaltige Forderung wir an
unser Gegenüber haben. Auf der anderen Straßenseite läuft ein
Passant des Weges. Wohin geht er? Was beschäftigt ihn derzeit?
Hat die Mutter mit den beiden Kindern heute Abend noch Zeit, ein
Buch zu lesen?
Haben uns solche Fragen schon beschäftigt,
dann haben wir die Chance, uns für unsere potentielle
Leserschaft zu öffnen, sie lieben zu lernen. Und beim obigen
skizzierten Schema der Kommunikation lesen wir nicht nur die
Worte, sondern wir verstehen den Inhalt.
Nachdem wir nun selbst zum Kritiker unserer
eigenen Geschichten geworden sind, holen wir wieder unser
Schreibgerät und arbeiten darauf los. Vielleicht haben wir
jetzt die Fähigkeit immer besser zu werden. Wir schreiben also,
und nach 80, 90 oder 100 Seiten stellen wir fest, dass unser
Werk rundum den obigen Anforderungen genügt. Wirklich? Ja, ganz
sicher, denn unsere Freunde haben das Manuskript gelesen und uns
gelobt. Der große Wurf steht unmittelbar bevor, denken wir.
Unsere Augen bekommen den unnatürlichen Glanz von Geldmünzen,
unser Sinnen und Streben ist am Anfang dieser Lektüre
angekommen. Mit Schreiben kann man Geld verdienen! Wir sind
sicher, dass diese unsere Geschichte die Herzen unserer
Mitmenschen trifft. Schon sehen wir unser Werk in den
Buchhandlungen im Schaufenster liegen. Unsere Hand signiert bei
den zahlreichen Lesungen die eigenen Werke, und unser
persönliches Ansehen steigt mit jedem verkauften Buch. Doch
weit gefehlt. Zurück auf die Couch.
Was für Bücher stehen denn in den
Buchhandlungen? Alle möglichen, werden wir ungeduldig sagen,
Romane, Sachbücher, Ratgeber, Prosa, Gedichtbände...
Blind, weil wir nur uns sehen, erkennen wir
nicht, was in den Buchhandlungen wirklich steht. Wie viele
Seiten hat unser Lieblingsbuch? Wie viel Seiten haben die
Bücher in den Drehregalen, welche die Taschenbücher anpreisen.
376, 416, 572 usw., ganz selten entdecken wir einen Roman unter
250 Seiten. Unser eigener Schriftsatz hat aber gerade einmal
ganze 95 Seiten. Ja, stöhnt hier der geschulmeisterte Autor
auf, es gibt ja auch Kurzgeschichten. Selbstverständlich. Wann
hat er denn selbst, das letzte Buch mit Kurzgeschichten gekauft.
Auf welcher Bestsellerliste steht denn die Anthologie mit den
Kurzgeschichten? Seit ein Verlag
Grimms Märchen in einem Buch gesammelt hat, schreiben die
Menschen Kurzgeschichten und glauben es wären *ganze* Bücher.
In unserem Verlag kommen jeden Monat
Manuskripte an, die etwas umfangreicheren
als ein Deutschaufsatz sind. Lasset uns drei
Hütten bauen, könnte man sagen, lasset sie uns zusammenstellen
und als Eigenheim verkaufen. Was wir selbst lieben und kaufen
sieht jedoch anders aus, wir selbst haben es nur noch nicht
verstanden, weil wir bisher nur unseren Nabel betrachteten,
andere Bücher nur solange lasen, bis wir selbst die Gelegenheit
hatten zu schreiben.
Sollte es Ihnen, lieber Leser, auch so
ergangen sein, so resignieren Sie bitte nicht. Ein gutes
Manuskript bedarf einer guten Planung. Bevor die erste Seite
beschrieben wird, muss der Weg und das Ziel abgesteckt werden.
Was kümmert schon das Fundament, baut man eine Hütte. Wie viel
mehr Planung und Berechnung ist jedoch notwendig, will man nur
das Haus bauen in dem man selbst wohnt. Der Chefredakteur, der
dem Volontär seine Geschichten zerreißt, der Kritiker, der an
einem Roman kein gutes Haar lässt, ist in uns. Wir lassen
diese Kritiker nicht zu Wort kommen, weil wir wie hypnotisiert
auf unseren eigen Nabel schauen. Wer aber keinen Bezug nach
außen findet, wird sein Tun und Lassen immer für gut befinden.
Wir wünschen Ihnen für Ihr
schriftstellerisches Schaffen alles Gute.
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