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»Hören Sie Merveilleux«, lässt Eichenberger
einen seiner Agenten sagen, »es darf nun nicht mehr viel passieren, meine Geduld
ist bereits aufgebraucht. Sonst geht Ihre Hausdame gefesselt und geknebelt ins
Bett und wir zwei gehen in den Keller, damit man den Schuss nicht hört, wenn ich
Ihnen ins Knie schieße. Wir sind hier nicht im Zirkus, Sie Arschloch, Sie
dummes.«
Geduld war noch
nie die Stärke des Agenten Richard, der vom MI6 beauftragt worden ist, einer
Erpresserbande zum Nachteil eines libanesischen Bankhauses, das Handwerk zu
legen. Wie der Autor selbst, misstraut auch sein Agent dem eigenen Dienst. Dazu
war man zu lange beim Geheimdienst tätig, als dass man ihm nicht jedes doppelte
Spiel zutraute.
Den
Führungsoffizier darauf angesprochen entrüstet sich dieser: »Sie verdächtigen
doch nicht Ihren Förderer und Gönner des falschen Spiels? Wir arbeiten hier mit
offenem Visier und besonders ich habe kein Interesse, unnötig Ressourcen zu
verschwenden...«
‚Wer weiß’,
dachte Richard trotzig.
»Nein, nein,
nein«, wehrte sich Sir Alec, »wenn Frangié fertig gemacht werden soll, dann ist
das ein anderer Auftrag, eine andere Operation. Auch die USA würden mit der
Nationalgarde ihre Todeskandidaten verteidigen, wollte sie jemand vor dem
eigentlichen Hinrichtungstermin liquidieren. Wir erlauben uns die Freiheit,
immer noch selbst zu bestimmen, wer, wann gehenkt wird und wer uns lebend
bessere Dienste leistet... ich erwarte gute Arbeit und bedingungslose
Loyalität.«
Doch bis zu
dieser Stelle im 302 Seiten starken Roman, kann die Leser bereits nichts mehr
schrecken. Sie wissen, Eichenberger macht Geheimdienstarbeit nachvollziehbar.
Der Autor geht in seiner detaillierten Beschreibung der Personen, Orte und
Interna der Geldwäsche und Steuerhinterziehung so weit, dass der Leser keinen
Roman mehr liest, sondern sich der unerbittlichen Wirklichkeit ausgesetzt sieht.
Und die
Wirklichkeit ist vielschichtig. Die »bösen« Steuerhinterzieher sind nur aus der
Perspektive der betroffenen Staaten die Täter.
Folgender Auszug
aus dem Buch macht die Situation deutlich:
»Na, lief doch
gut. Da habt ihr der deutschen Steuerfahndung wohl ein Schnippchen geschlagen«,
kommentierte der ehemalige Kriminalpolizist die Geschichte. »Es ist immer so,
wer den besseren Berater hat...«
»...kommt mit ihm
um«, unterbrach Richard. »Ich denke, dass dieser Peterson und viele andere, die
ihr Geld in Steuerparadiese verschoben haben, Opfer einer gravierenden
Falschberatung sind. Die Verursacher sitzen meiner Meinung nach hier in
Deutschland. Es sind Banker, welche die Kunden zu ihrer ausländischen
Niederlassung schicken und es sind gewisse Steuerberater, die da in der Brühe
mitrühren und später von nichts gewusst haben. Ist das Geld erst in der
Verwaltung der ausländischen Bank, mein Lieber, ist es nämlich in der Regel dem
Zugriff des Steuerflüchtlings entzogen. Was durch Missmanagement nicht
vernichtet wird, wird von Spesen, Provisionen und Depotgebühren aufgefressen.
Hätte dieser Frankfurter eine Industrieanleihe gekauft, wäre er trotz Steuern
heute ein glücklicher Mensch. So aber ist ein Großteil seines Geldes verbrannt,
der Job ist in Gefahr und ein Strafverfahren ist auch noch anhängig.« (Ende des
Auszugs.)
»Ihr Roman hätte
Klaus Zumwinkel lesen sollen«, schrieb uns eine Leserin, »da wäre ihm einiges
erspart geblieben...«
Das war
allerdings schlecht möglich. Eichenberger und Kowalsky (Co-Autor) fingen erst zu
schreiben an, als man den Träger des Bundesverdienstkreuzes in Deutschland
bereits öffentlich an den Pranger gestellt hatte. Dementsprechend kann man sich
des Eindrucks nicht erwehren, dass die Geschichte versteckt mehr
Insider-Informationen preis gibt, als manchem Steuerfahnder und Staatsanwalt
lieb sein kann.
Alles in allem,
kommen die Leser jedoch zu dem Schluss, dass sogar horrende Steuersätze geradezu
eine Wohltat sind, denn: Verluste machen ist steuerfrei. Und für Verluste in
Reputation und Vermögen sorgen die Vermögensverwalter professionell.
Stefan L. Bornemann |