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Vater Wind
Graue Mauern, Großstadthektik.
Räder drehen sich geschwind,
Farbengrell die Neonlichter.
Und ganz leise weint ein Kind.
Menschen hasten, Menschen treiben
in den Schluchten auf und ab,
schauen angespannt nach vorne,
sehen nicht das offne Grab.
Ja, sie laufen wie Maschinen,
treten an in Reih und Glied.
Keiner kennt sie, keiner hält sie,
keiner hört das Abschiedslied.
Immer lauter, immer schneller,
ist der Slogan dieser Zeit.
Nur Erfolg zählt, kein Versagen.
Siegen wird, wer kampfbereit.
Doch am Ende dieser Straße
weint ganz leis ein kleines Kind.
Niemand sieht es, niemand hört es,
nur der alte Vater Wind.
Seit so vielen tausend Jahren
reist er nun um diese Welt.
Keiner, der ihn bremsen könnte,
keiner, der ihn wirklich hält.
Stürmisch wühlte er die Meere,
wirbelte den Wüstensand,
fegte über Wies' und Wälder,
ward geführt von Gottes Hand.
Drohend türmte er die Wolken,
schickte Blitze, grell und licht.
Sommer, Winter, Herbst und Frühling
folgte er so seiner Pflicht.
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Und er sah, was auf der Erde
ward von Menschenhand vollbracht.
Kriege, Hunger, nacktes Chaos
stürzten all in tiefe Nacht.
Seine Reiter fuhrn hernieder,
brachten Hunger, Leid und Tod.
Und am allerjüngsten Tage
war die Erde blutig rot.
Nur ein Kind blieb schließlich übrig
und es fragt den Vater Wind:
»Warum musste es so kommen?
Bitte sag es mir geschwind!«
Und der Wind am letzten Tage,
als die Arbeit ward gemacht,
sprach zu jenem Erdenwesen:
»Bald umgibt uns dunkle Nacht.
Sieh, sie hatten ihre Chance,
hatten alles Glück der Welt.
Doch sie spielten und verloren,
weil für sie nur zählt das Geld.«
Vater Wind nahm dann das Kindlein
mit zu sich in weite Höh',
dass es vom Palast der Winde
noch einmal die Erde seh.
Tiere spielten, Blumen blühten,
so, als sei fast nichts geschehn.
Nur der Mensch allein, er fehlte.
All dies konnt das Kindlein sehn.
Leise sprach's zum Wind, dem Vater:
»Ja, du hast es recht gemacht.
Jetzt nun kann die >Erde leben,
und dein Werk - es ist vollbracht.« |